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1905 ging in der Binding-Brauerei in Frankfurt die Flaschenabfüllung in Betrieb. Seither gibt es das Bier in den braunen Flaschen mit dem Adler-Etikett am Hals.

Wirtschaft

Binding-Brauerei wird 150 Jahre alt

Die Binding-Brauerei feiert ihr 150-jähriges Bestehen in schweren Zeiten. Ein großes Hoffest gibt es nicht, dafür einen besorgten Blick auf die Corona-Entwicklung und das Gaststättengewerbe.

In der Apfelweinhochburg Frankfurt wird die Bierbrauerei Binding dieser Tage 150 Jahre alt. Die eigene Marke ist verblasst, aber innovative Ideen haben das Unternehmen lebendig gehalten.

Das große Hoffest ist abgesagt, der Absatz von Fassbier geht wegen fehlender Feiern und kaum besuchter Kneipen stark zurück: Die Corona-Krise hat der Frankfurter Binding-Brauerei das Jubiläum zum 150-jährigen Bestehen gründlich verdorben. Dabei sollte es ein rauschendes Fest geben.

Zum 1. August 1870 hatte Conrad Binding die kleine Brauerei Ehrenfried Glock am Garküchenplatz in der Frankfurter Altstadt übernommen. Nur ganze elf Jahre blieb der aufstrebende Unternehmer in den engen Gassen, um dann auf der anderen Seite des Mains in Sachsenhausen eine Bierfabrik aufzubauen. Moderne Produktion und Übernahmen kleinerer regionaler Konkurrenten blieben über Jahrzehnte die Konstanten in der Firmengeschichte. Binding firmierte bereits seit 1884 als Aktiengesellschaft und übernahm nach dem Ersten Weltkrieg größere Brauhäuser in Mainz und Bad Homburg sowie die Frankfurter Bürgerbrauerei. Seit 1953 der Oetker-Konzern das Ruder übernommen hat, folgten zahlreiche weitere Übernahmen in Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Niedersachsen.

Als weitsichtig erwies sich vor gut 40 Jahren die Etablierung des „Clausthaler“ als nationale Marke für alkoholfreies Bier. Anfangs belächelt, sind die alkoholfreien Biere in Zeiten sinkenden Konsums längst zu Hoffnungsträgern der Brauwirtschaft geworden. Zusammen mit der ebenfalls bundesweit vertriebenen Weizen-Marke Schöfferhofer bildet Clausthaler das ökonomische Rückgrat des Hauses Binding, das sich allerdings bei exakten Zahlen zu Absatz, Umsatz und Gewinn der einzelnen Marken extrem zurückhält.

Corona hat den Frankfurtern übrigens schon vor der aktuellen Pandemie kein Glück gebracht. Dabei ging es nicht um ein Virus, sondern um die mexikanische Biersorte, die Radeberger in Deutschland vertrieben hat. 2014 musste das Unternehmen einräumen, dass die hier verkauften Corona-Pfandflaschen nicht in Deutschland wiederbefüllt wurden und somit gegen die Pfandordnung verstießen. Zwei Jahre später trat man die Vertriebsrechte an den Branchenriesen Anheuser-Busch Inbev ab und ist darüber heute nicht unglücklich.

Mit einer kleinen Brauerei in der Altstadt fing alles an. Nach mehreren Ortswechseln in den 50er Jahren wurde das große Sudhaus gebaut.

In ihrer Heimatstadt Frankfurt und der Region spielt die Brauerei längst nicht mehr die dominierende Rolle von einst, wird aber weiterhin als „Frankfurter Original“ beworben.

Der größte Konkurrent Henninger wurde zwar 2001 geschluckt und bis heute als regionale Marke weitergeführt. Doch Binding mit dem Frankfurter Adler im Logo ist weder Sponsor der örtlichen Fußball-Eintracht noch des traditionellen Profiradrennens am 1. Mai, das in besseren Zeiten „Rund um den Henninger-Turm“ hieß.

Stattdessen hat man sich auf die Kulturförderung und einen Band-Contest verlegt. Zwischenzeitlich wurden sogar Pläne diskutiert, ob die Brauerei nicht in die benachbarte Kleinstadt Bad Vilbel verlagert werden sollte.

Aus dem Umzug ist letztlich doch nichts geworden und am Sachsenhäuser Berg sind immer noch rund 500 Menschen in Hessens größter Brauerei beschäftigt. Der Standort profitiert weiterhin von seiner zentralen Lage: Seit vielen Jahren werden von hier die Brauereien der Oetker-Gruppe zentral gesteuert, seit 2002 firmiert das Unternehmen nicht mehr als Binding, sondern als Radeberger Gruppe. Dazu gehören bekannte Biermarken wie Jever, Berliner Kindl, Tucher oder Stuttgarter Hofbräu, die aber nicht in Frankfurt gebraut werden.

Man beobachte die aktuelle Lage infolge der Corona-Pandemie mit Sorge, sagt Binding-Sprecherin Claudia Geisler. Denn während Deutschlands Brauereien im Handel auch während des Lockdowns ordentliche Absätze verzeichneten, waren die bundesweit rund 223 000 Gastronomien entweder geschlossen oder auf den Außer-Haus-Verkauf beschränkt. Geringere Gästekapazität, die Abstandsgebote und die Hygieneregeln könnten laut Hotel- und Gaststättenverband Dehoga weiterhin bis zu 50 Prozent Umsatzausfall bedeuten. „Das trifft die Gastronomen genauso hart wie ihre Partner, also auch die Brauereien und damit auch uns bei Binding.“ (dpa)

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