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Frankfurt: Stadt hat geheime Pläne für Betonpoller

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Von: Thomas Stillbauer

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Grobe Klötze am Eingang zum Weihnachtsmarkt – manche hätten’s gern hübscher.
Grobe Klötze am Eingang zum Weihnachtsmarkt – manche hätten’s gern hübscher. © Peter Jülich

Aber nicht unter „grünen Mützchen“. Die Stadt plant eine Veränderung, die noch geheim ist.

Frankfurt - Weihnachtszeit, Zeit der Besinnlichkeit. Und dann diese monströsen Betonquader an den Zugängen zum Frankfurter Weihnachtsmarkt. Natürlich, heutzutage müssen Treffpunkte vieler Menschen davor geschützt werden, dass jemand mit einem Fahrzeug hineinrast; es ist eine der traurigen Wahrheiten in der Welt des 21. Jahrhundert. Aber müssen die Terrorstopper denn derart potthässlich sein?

Müssen sie eben nicht, urteilte die Garten- und Landschaftsarchitektin Ute Wittich schon vor eineinhalb Jahren und schlug der Stadt pfiffige „grüne Mützchen“ vor: passgenaue Aufsätze, die aus den plumpen Klötzen hübsch anzuschauende Pflanzenstandorte machen, Platz für Kräuter und Blühzeug bieten und auch die Insektenwelt erfreuen, wenn nicht gerade Winter ist.

Ein Gläschen Wein im Stehen

An die kleinen Oasen könnten sogar einfache Sitze drangeschraubt werden für zwei Personen, Abstellbretter „für ein Gläschen Wein im Stehen“, Aschenbecher für Kippen, Papierkörbe und Flaschenringe für Leergutspenden, warb Ute Wittich im Frühjahr 2021. Damals waren gerade 100.000 Euro Fördergeld im Begriff zu verfallen – öffentliche Mittel genau für solche Verwendungszwecke. Die Stadt konnte sie nicht beantragen, weil fertige Konzepte fehlten.

Ein solches Konzept lag nun vor. Auch ohne große Fördermittel wäre es leicht umsetzbar gewesen, warb Wittich, etwa durch städtische Azubis. Aber sie holte auch das Angebot eines Schlossers ein, der die Aufsätze für knapp 750 Euro pro Stück herstellen würde. Mit Pflanzen und Montage kämen die klima- und augenfreundlichen Mützchen pro Stück auf etwa 1500 Euro. „Das ist doch für eine Stadt wie Frankfurt zu stemmen“, sagt die Gartenbaufachfrau.

Einfach und wirkungsvoll: der Entwurf von Ute Wittich.
Einfach und wirkungsvoll: der Entwurf von Ute Wittich. © Wittich

Viel Sympathie für die grünen Mützchen

Was folgte, war ein Überzeugungsmarathon quer durch die Ämter und Dezernate, von den Zuständigen fürs Grün über die Fachleute für Stadtplanung bis hin zu den Experten fürs Verkehrswesen. Alle fanden die Idee sympathisch, versichert Wittich, aber stets habe noch irgendein behördliches Hindernis im Weg gestanden, eine fehlende Vorlage, eine entscheidende Sitzung.

Im Sommer soll es dann tatsächlich zu einer Art Pollerbegrünung am zeitweise autofreien Mainkai gekommen sein. Zu mehr aber auch nicht, und dabei wird es wohl bleiben.

Ulrike Gaube, Referentin im Mobilitätsdezernat, kündigt nämlich das Ende der Betonpoller an. Mehr möchte sie allerdings noch nicht dazu sagen, weder wann noch wie noch was dann stattdessen kommen könnte, nur so viel: „Das ist zurzeit in der Ämterabstimmung.“

Gefahr durch umherfliegende Teile im Ernstfall

Generell, sagt sie, gebe es zwei Arten von Anti-Terror-Betonpollern: solche für Veranstaltungen, die also mobil einsetzbar sind, und die dauerhaften wie etwa an der Hauptwache. Würde da nun etwas draufgesetzt, beispielsweise die grünen Mützchen mit einem aufgestülpten Stahlbehälter, damit die Pflanzen Halt haben, erhöhe das die Gefahr: „Die Sicherheitsbehörden bemängeln, dass dann weitere Dinge durch die Gegend fliegen könnten“, sagt Ulrike Gaube.

Weniger Probleme sieht sie darin, dass die rot-weißen Warnmarkierungen an den Pollern sichtbar bleiben müssen. Das ließe sich gewiss zusätzlich zur Begrünung gewährleisten, sagt die Referentin. Dazu kommen wird es wohl trotzdem nicht. Denn eine Begrünung der mobilen Betonklötze habe wenig Sinn, sagt Gaube, und grüne Mützchen auf den permanenten Sperrsteinen wären „ein Zwischenschritt, der nicht erstrebenswert ist“ – weil sie ja irgendwann da verschwinden sollen.

Dem Ambiente des Weihnachtsmarkts hilft das nicht. Da hätte man die Poller durchaus adventlich gestalten können, sagt Ute Wittich, „wenn man’s rechtzeitig gemacht hätte“. (Thomas Stillbauer)

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