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In der Albert-Schweitzer-Schule am Frankfurter Berg frühstücken die Kinder jetzt gemeinsam vor Unterrichtsbeginn.

Frankfurter Berg

Frankfurter Berg: Mit vollem Bauch lernt es sich besser

Verein „Brotzeit“ ermöglicht kostenloses Frühstück an Frankfurter Grundschulen. Die Albert-Schweitzer-Schule am Frankfurter Berg ist die sechste Schule in Frankfurt, die an dem Förderprogramm teilnimmt. Der Erfolg zeigt sich schon nach wenigen Tagen.

Fast jedes dritte Grundschulkind in Deutschland bricht morgens laut einer UN-Studie ohne Frühstück in die Schule auf. Der Hunger führe oft zu Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und einem Nachteil beim Lernen. Das will der Verein „Brotzeit“ mit Sitz in München ändern. An bundesweit mehr als 200 Schulen bietet er ein kostenloses Frühstück an Grundschulen an. Die Initiative geht zurück auf die Schauspielerin Uschi Glas, die den Service 2009 mit ihrem Ehemann ins Leben gerufen hat. In Frankfurt nehmen derzeit fünf Schulen an dem Förderprogramm teil. Jetzt auch die Albert-Schweitzer-Schule im Berkersheimer Weg 26.

Die Schauspielerin Uschi Glas und ihr Lebensgefährte Dieter Hermann haben den Verein Brotzeit 2009 ins Leben gerufen.

Das Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit am Tag. Darin ist sich die Wissenschaft einig, denn die aufgenommenen Kalorien und Nährstoffe geben Energie und dienen als Sprungbrett in den Tag. Trotzdem haben viele Kinder nicht die Chance, zuhause zu frühstücken. In einer Forsa-Umfrage geben Eltern als häufigsten Grund dafür fehlende Zeit an. „Mama macht mir immer nur ein Brot und danach habe ich noch Hunger“, sagt etwa die neunjährige Nathalie. Ihre Klassenkameradinnen Halima und Hajar der Albert-Schweitzer-Schule nicken. Oft hätten sie gar kein Frühstück. Jetzt sitzen sie an einem runden Tisch der Grundschule beisammen und schmieren sich Toast- und Vollkornbrote. Einige Kinder frühstücken ein zweites Mal. Sie können unter 35 Lebensmitteln wählen, die der Verein vom Kooperationspartner Lidl zur Verfügung gestellt bekommt. Dazu gehören verschiedene Brotsorten, Müsli, Joghurt, Aufschnitte, Säfte, Obst und Gemüse.

In Frankfurt nehmen derzeit fünf Grundschulen an dem Frühstücksprojekt des Vereins „Brotzeit“ teil. Dazu gehören die Hostato-, die Liebfrauen-, die Nidda-, die August-Jasper-, die Willemer- und die Albert-Schweitzer-Schule.

Auch Grundschulen in Sindlingen, Hausen und Gallus wollen laut Verein an dem Programm teilnehmen. Hierfür werden noch helfende Hände gesucht. Wer Interesse hat, kann sich per E-Mail an die Frankfurter Projekleiterin Kirstin Leonhardt wenden: leonhardt@brotzeit.schule.

Schuldirektorin Monika Lack sieht schon nach wenigen Tagen positive Folgen: „Die Kinder kommen besser gelaunt in den Tag, das einfache Zusammensitzen tut der Schulgemeinschaft gut. Wann hat man heute noch Zeit für sowas?“

Zwar hat sich Brotzeit Regionen verschrieben, die als besonders betroffen gelten, oder gar als Brennpunkt, von diesem Gedanken will Monika Lack aber wegkommen: „So etwas sind wir nicht und waren wir auch nie. In allen Schulen gibt es Kinder, die hungrig in die Schule kommen. Eigentlich gehört ein Schulfrühstück überall dazu.“

Die Kapazitäten sind jedenfalls da. Die Spendengelder würden sogar noch für zwanzig weitere Schulen reichen, sagt die Frankfurter Projektleiterin des Vereins, Kirstin Leonhardt. Dazu braucht es aber viele ehrenamtliche Helfer, die Motivation und den Willen der Lehrkräfte und einen Raum. „Leider scheitert es oft an solch scheinbar einfachen Problemen“, hat Leonhardt beobachtet.

Die Helfer, meist Senioren, sind das Herzstück des Vereins. Es sind Menschen wie die 64-jährige Karin Ehlen, die vergangenes Jahr in den Ruhestand gegangen ist, ohne die ein solcher Service nicht denkbar wäre. Als Motivation und Aufruf an neue Ehrenamtler sagt die ehemalige Krankenschwester: „Es ist toll, noch einmal Umgang mit Kindern zu haben.“

Von Sven Beck

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