+
Blick von einem Hochhaus-Riesen auf den anderen am Frankfurter Berg.

Frankfurter Berg

Die zweite Skyline der Stadt

  • schließen

Gleich zwei Jubiläen feierten die Bewohner des Stadtteils: 40-jähriges Bestehen des Jugendhauses und 50 Jahre Hochhaussiedlung.

Auf der großen Wiese an der Julius-Brecht-Straße 10 ist viel los am Samstagnachmittag. Im Karussell drehen Kleinkinder ihre Runden, Jugendliche üben sich im Torwandschießen und treten beim Kicker-Turnier gegeneinander an. Eltern unterhalten sich, applaudieren begeistert der Jazzband, die das Fest am Frankfurter Berg musikalisch begleitet. Gleich zwei Jubiläen feierten die Bewohner des Stadtteils am Freitag und Samstag: 40-jähriges Bestehen des Jugendhauses und 50 Jahre Hochhaussiedlung.

Aus vier Hochhäusern mit bis zu 25 Stockwerken und sieben Achtstöckern besteht die Siedlung zwischen Berkersheimer Weg und S-Bahngleisen, in der ein gutes Viertel der 8000 Stadtteilbewohner lebt. Ihre brutalistisch anmutende Skyline ist charakteristisch für „den Bersch“, wie das Quartier im Volksmund heißt. „Es gibt keinen schöneren Ausblick in Frankfurt“, findet Michael Bartram-Sitzius. Seit etwa 20 Jahren wohnt der Vorsitzende des ansässigen Bürgervereins in einem der beiden graubraunen Plattenriesen, die sich noch in Privatbesitz befinden. Aus seinem Fenster im neunten Stock blicke er auf die Naturlandschaft des Taunusgebirges, könne bei gutem Wetter bis nach Friedrichsdorf schauen. Im Gegensatz zu den von der GWH Wohngesellschaft verwalteten Siedlungshäusern stehe eine Sanierung seines Wohnhauses noch aus. Mit einem neuen Anstrich auch für die letzten beiden Hochhäuser wäre optisch schon viel getan für den Berg, sagt Bartram-Sitzius, der den SPD-Fraktionsvorsitz im Ortsbeirat 12 innehat. Noch habe sich die Eigentümergemeinschaft jedoch nicht auf einen Sanierungsplan einigen können.

Getan habe sich in den letzten zwei Jahrzehnten dennoch viel in der Siedlung, die vor 50 Jahren mit Mitteln des sozialen Wohnungsbaus errichtet wurde. In den 1990er Jahren noch verschrien als sozialer Brennpunkt, gehöre das Viertel mittlerweile zu den ruhigsten im ganzen Stadtgebiet, sagt Bartram-Sitzius. Auch dank städtischer Investitionen, der Arbeit des Regionalrats und nicht zuletzt des Engagements der vielen Initiativen und Vereine im Quartier.

Die Ausrichtung von Festen wie der Jubiläumsfeier, die Bürgerverein und Jugendhaus gemeinsam organisiert haben, sei genauso wichtig für das Gemeinschaftsleben im Viertel wie die gute Zusammenarbeit mit der GWH oder dem Polizeirevier, sagt der Stadtteilpolitiker. Durch regelmäßige Quartiersfeste erhoffe man sich ein Zusammenwachsen der verschiedenen Siedlungen des Stadtteils. Denn durch Bahngleise und große Straßen voneinander getrennt, mangele es den Bewohnern der einzelnen Wohnviertel an Berührungspunkten.

Zusammenbringen möchte Ayhan Toprak vor allem die Jugendlichen des Frankfurter Bergs. Mittlerweile als dessen Leiter tätig, engagiert er sich im Jugendhaus seit über 20 Jahren für den Nachwuchs im Quartier. Ob Hip-Hop-Tanz oder interkulturelle Lernprogramme, mit einem breiten Angebot versuche man, allen jungen Erwachsenen des Viertels den sozialen Anschluss zu ermöglichen. Für Toprak ist klar: wie sich ein Viertel entwickle, hänge ab vom Engagement der einzelnen Menschen vor Ort.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare