Die Mädchen der TSG machen sich Sorgen um ihren Verein. peter jülich
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Die Mädchen der TSG machen sich Sorgen um ihren Verein. 

Frankfurter Berg

Strafzahlung belastet Handballerinnen am Frankfurter Berg

  • Fabian Böker
    vonFabian Böker
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Weil die TSG zu wenig Schiedsrichter stellt, steht die Zukunft der Abteilung auf dem Spiel.

Mehr und mehr Mädchen betreten die Sporthalle in Preungesheim. Sie kommen zum Handballtraining der D-Jugend, die von Bassent Nada geleitet wird. Sie bekommt von einer der Spielerinnen ein Blümchen überreicht. Als Dank für das Heimfahren nach dem Training. „Ich bin 2016 nach Deutschland gekommen und habe gleich diesen Verein entdeckt“, berichtet die Trainerin. Damals habe die D-Jugend aus nur acht Mädchen bestanden. Die Ingenieurin hat in Ägypten als Torwart für die ägyptische Handball-Nationalmannschaft gespielt. „Mittlerweile sind wir auf 26 Spielerinnen angewachsen.“ Und aufgestiegen.

Ihre Mädels, die sich sichtlich auf das Training freuen, müssen in dieser Saison sogar gegen Mannschaften mit älteren Gegenspielerinnen ran – und stehen trotzdem auf dem sechsten Platz der Tabelle. Das jüngste Spiel ging mit 8:20 gegen den SV Seulberg verloren, am Sonntag steht das Spiel der JSG Dortelweil/Bergen-Enkheim/Bad Vilbel an. „Nada“ nennen sie ihre Trainerin, sprechen sie auf Deutsch und Englisch an. „Das ist der tolle Nebeneffekt. Ich lerne von ihnen Deutsch und sie von mir Englisch“, sagt die Trainerin.

Zusammengefasst: Die beiden Handballmannschaften der TSG Frankfurter Berg, vor allem die D-Jugend von Bassent Nada, entwickeln sich prächtig.

Lothar Höller, Abteilungsleiter Handball bei der TSG, ist dennoch missmutig. „Jeder Verein muss zwei Schiedsrichter stellen – egal, wie viele Spieler oder Mannschaften er hat“, erklärt er. „Einem Verein wie dem TV Idstein tut das nicht weh. Die haben 17 Mannschaften, da finden sich immer zwei Leute für die Schiedsrichter-Ausbildung. Bei unserem kleinen Stadtteilverein ist das aber nahezu unmöglich, wie wir feststellen mussten“, bedauert Höller.

Neue Regelung

„Deshalb mussten wir nun 400 Euro Strafe an den hessischen Handballverband zahlen.“ Sollten bis ins nächste Jahr keine Schiedsrichter gefunden sein, werden sogar 800 Euro fällig, weil sich die Summe automatisch verdoppelt. Gunter Eckart, Präsident des hessischen Handballverbandes (HHV), bestätigt das. Er erklärt allerdings auch die Hintergründe. So sei die Schiedsrichter-Ordnung des HHV erst im vergangenen Jahr geändert worden, und zwar auf Betreiben der jeweiligen Bezirke, von der Basis also. Seitdem müssen auch Vereine ohne Erwachsenen-Mannschaften mindestens zwei Schiedsrichter stellen; vorher waren sie von dieser Pflicht befreit.

Für die TSG sind die Strafzahlungen existenzbedrohend: „Das können wir nicht einfach aus dem Portemonnaie zaubern“, sagt Höller. „Der Verein hätte keine andere Wahl, als die Handballabteilung einzustampfen.“

Und das, wo die TSG Frankfurter Berg sich als Integrationsverein versteht. Davon zeugt auch ein Projekt, dass Lothar Höllers Tochter Clara Sprenger in ihrer Rolle als Stadtteilbotschafterin ins Leben gerufen hat. „Es heißt ,Team International – Handball gemeinsam erleben‘", berichtet sie. Das Projekt werde von der Integrationsphilosophie des Vereins getragen und zielt darauf ab, jungen geflüchteten Mädchen die Sportart Handball näher zu bringen, sie überhaupt mit dem Vereinssport vertraut zu machen. „Dabei arbeiten wir mit den Flüchtlingseinrichtungen in Bonames und in Berkersheim zusammen“, sagt Sprenger. Doch wäre auch dieses nicht fortzuführen, müsste der Verein wegen der Schiedsrichter-Regularien die Mannschaften schließen.

Schiris auf Lehrgang

Ab Sommer könnte sich die Lage entspannen. Die TSG hat zwei Personen für den nächsten Schiedsrichter-Lehrgang angemeldet. Und auch wenn Lothar Höller von einer anschließenden zwei Jahre dauernden „Bewährungszeit“ ausgeht, in der der Verein weiterhin nicht über Schiedsrichter verfügt, nimmt ihm der Verbandschef diese Sorge. „Wenn der Verein im Sommer seine beiden Teilnehmer zum Lehrgang schickt und diese den Lehrgang bestehen, werden sie ab der Saison 2021/22 angerechnet.“ So sei es in der Schiedsrichterordnung des Verbandes festgelegt.

Hinter den Kulissen will der Verein weiter mit dem Verband im Gespräch bleiben. „Wir verstehen ja, dass der Verband seine Vorgaben nicht einfach für uns über Bord werfen kann, aber wir würden uns schon freuen, wenn man uns ein Entgegenkommen zeigen würde“, so Höller.

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