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Durch S6-Ausbau bedroht: Julia Auer will um Projektgarten kämpfen 

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Von: Fabian Böker

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Julia Auer vor ihrer Gartenhütte. Die könnte nach der Rodung noch erhalten bleiben.
Julia Auer vor ihrer Gartenhütte. Die könnte nach der Rodung noch erhalten bleiben. © Rolf Oeser

Julia Auer will ihr Gelände am Ebereschenweg in Frankfurt nicht kampflos aufgeben. Sie setzt weiter auf Gespräche mit der Bahn und der Stadt.

Frankfurt - Julia Auer gibt nicht auf. Die Permakultur-Designerin und Wildnislotsin besitzt einen Garten am Ende des Ebereschenwegs und bietet dort ehrenamtlich Führungen und Besuche an, vor allem für Schulklassen. Rund 100 Besucher und Besucherinnen begrüßt sie pro Jahr auf dem Gelände, das sie von der Stadt Frankfurt gepachtet hat. Doch ein Teil des Gartens soll im Zuge von Rodungsarbeiten zum Ausbau der Linie S6 nun weichen. Auer will das nicht hinnehmen. Doch ihre Chancen schwinden.

Denn die Bahn baut entlang der Gleise einen drei Meter breiten Serviceweg, den die Stadt Frankfurt später auch als Rettungsweg nutzen kann. Der Garten kann dann in seiner bisherigen Form nicht bestehen bleiben, da lassen Bahn und Stadt bisher nicht mit sich reden. Julia Auer weiß das, aber sie gibt die Hoffnung nicht auf, um mit den Verantwortlichen doch ins Gespräch zu kommen. Denn sie will weder den Bahnausbau noch die Rodungsarbeiten stoppen. Sie will nur, dass letztere so ablaufen, dass der Garten nicht in der geplanten Form beschnitten wird.

Bedrohter Projektgarten in Frankfurt: „Kinder konnten sehen, wie Libelle schlüpft“

Denn das würde das Ende des Projektgartens „Hortus Nucis“ bedeuten. Der ist Teil des Hortus-Netzwerkes, eine Gruppe Gleichgesinnter, die ihre Gärten der Öffentlichkeit zugänglich machen. Gerade jetzt, im Sommer, zeigt sich, was damit verloren ginge. Auer erzählt von einer Schulklasse, die kürzlich da war. „Die Kinder konnten sehen, wie eine Libelle im Teich schlüpft. Das hat sie total fasziniert.“

Es seien auch die scheinbar alltäglichen Dinge, die viele Jungen und Mädchen nachhaltig beeindrucken: Etwa zu sehen, wie Erdbeeren am Strauch wachsen, oder eine Kirsche vom Baum direkt essen oder Würmer im Kompost beobachten.

Besonders wichtig ist Auer der vordere Teil des Gartens. Dort befindet sich der Libellenteich, ein Sandarium für Bienen und eine in monatelanger Arbeit errichtete Totholzmauer. „All das kann ich nicht einfach neu aufbauen“, sagt sie. Stattdessen versucht die 52-Jährige, pragmatisch zu denken. „Wenn ich einen Teil des hinteren Gartens verlieren würde, wäre das nicht so dramatisch“, findet sie. Sie könnte sich vorstellen, dass ein Streifen parallel zu den Gleisen entsteht. Das dortige Hochbeet könnte sie genauso verlegen wie eine weitere Totholzwand am Rand des Geländes. Auer verweist auf Unterlagen, in denen der Rettungsweg so eingezeichnet ist, dass er den Garten gar nicht berührt. Auf eine Nachfrage bei Bahn und Stadt Frankfurt erhält sie keine Antwort. Eine andere Grafik zeigt, dass der Weg doch durch den Garten verlaufen soll.

Frankfurt: Kein Fehler bei Messungen für S6-Bauarbeiten feststellbar

Auer hatte auch gehofft, dass die Fläche fehlerhaft vermessen worden sei. Dem ist aber nicht so. „Die aktuellen Daten gelten. Die bisherige Vermessung der Fläche war nicht falsch“, bestätigt eine Sprecherin der Bahn. Auch die Stadt Frankfurt äußert sich so. „Bei einem Termin vor Ort im Juni wurden die Messpunkte nochmals geprüft und bestätigt. Insofern sehen wir keinen Widerspruch und gehen davon aus, dass die Absteckung gemäß den Planunterlagen erfolgte, die der Deutschen Bahn als Bauherrin vorliegen.“

Julia Auer muss nun schauen, wie es weitergeht. Ein juristisches Vorgehen will sie nicht mehr ausschließen. Noch setzt sie aber auf Gespräche, auch ermuntert durch eines, das sie mit einem Vertreter der Bahn hatte. In diesem sei ihr gesagt worden, dass zumindest er den vorderen Teil des Gartens als äußerst schützenswert erachte und der Weg verlegt werden sollte. Dem kann Julia Auer nur zustimmen. (Fabian Böker)

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