So etwas sieht man nicht alle Tage. Das muss schnell verewigt werden.
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So etwas sieht man nicht alle Tage. Das muss schnell verewigt werden.

Baustelle an S-Bahnstation

Fliegende Brücke am Frankfurter Berg

  • Clemens Dörrenberg
    vonClemens Dörrenberg
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Baustelle an der S-Bahnstation: Die Bauarbeiten am Frankfurter Berg werden auch zum Spektakel für Zuschauer. Die neue Brücke soll die Stadtteile Frankfurter Berg sowie Bonames wieder miteinander verbinden.

Am Sonntagmittag wird auf der Baustelle an der S-Bahnstation Frankfurter Berg nur noch hier und da gehämmert. Die Behelfsbrücke, die über die Bahngleise führt und die Stadtteile Frankfurter Berg sowie Bonames wieder miteinander verbinden wird, ist eingepasst. In der Nacht von Samstag auf Sonntag sei es passiert, berichtet Tim Wallrabenstein von Hessen Mobil. „Wir sind weit vor dem Zeitplan“, sagt der Ingenieur, der als Dezernatsleiter für das Rhein-Main-Gebiet bei der Verkehrsbehörde tätig ist. Die hämmernden Arbeiter würden auf der Behelfsbrücke nur noch „Lücken schließen, damit niemand etwas auf die Gleise werfen kann“.

Eigentlich hatten die Planer mit Sonntag zur Mittagszeit mit der Einpassung der Behelfsbrücke gerechnet, die aus einer Stahlkonstruktion mit Fertigteilen besteht. Nun sei alles so reibungslos gelaufen, dass die vorübergehende Überführung schon zwischen drei und vier Uhr nachts durch einen speziellen Autokran an die richtige Stelle habe gehoben werden können.

Frankfurter Berg: Zuschauer fotografieren fliegende Brücke

Bereits am Samstag hatten Dutzende von Zuschauern den Einhub der neuen Brücke als Spektakel verfolgt und die fliegende Brücke fotografiert. Nach Sperrung der Bahngleise auf der Strecke zwischen Frankfurt und Bad Vilbel am späten Freitagabend hatten Bauarbeiter begonnen, die alte rund 35 Meter lange Brücke abzubauen. Mit Gasbrennern wurde sie zerschnitten und von zwei gelben Autokränen, die auf beiden Seiten der Gleise positioniert wurden, herausgehoben.

Am Sonntag liegen die mintgrünen, teils rostigen Stahlteile der ausgedienten Verbindung am Rand der Baustelle. „Sie musste dringend abgerissen werden“, sagt Wallrabenstein. Zwei Gründe habe es dafür gegeben, zum einen das Alter: Knapp vor Beginn des ersten Weltkriegs gebaut, zeige der verwendete Stahl „Ermüdungserscheinungen“ und das Material „insgesamt starke Beschädigungen“. Daher sei die Brücke in den letzten Jahren nur noch für 16 Tonnen Gewicht zugelassen gewesen. „Da hat ein Bus schon Probleme“, berichtet der 40-Jährige.

Die alte Brücke wird sorgfältig entfernt.

Die Behelfsbrücke im Vergleich könne bis zu 60 Tonnen tragen. Außerdem sei das alte Bauwerk zu niedrig gewesen. Etwa zwei Meter höher seien die neuen Arbeiten angesetzt worden, weil die Bahn, die die Strecke am Wochenende ohnehin zum Ausbau ihrer Gleise gesperrt hatte, mehr Höhe für ihre Oberleitungen benötige.

Ab Mitte oder Ende August solle die interimsmäßige Brücke von Autos und motorisierten Verkehrsteilnehmern genutzt werden können, so Wallrabenstein. Vorher müssen noch die Zufahrtswege von beiden Seiten asphaltiert werden.

Während parallel die neue, feste Brücke daneben gebaut wird, die den heutigen Anforderungen entsprechend etwas breiter sein soll als die alte, verfügt das Provisorium nur über eine Fahrspur für Kraftfahrzeuge. Durch Ampeln soll der Verkehr geregelt werden. Radfahrer und Passanten wird ein schmaler Pfad zur Verfügung stehen, der durch ein Geländer von den Autos getrennt ist. Aktuell müssen Radler ihre Velos über eine Stahlrohrtreppe tragen, die zu den Gleisen oder auf die andere Seite der Gleise führt.

Brücke am Frankfurter Berg kostet rund sieben Millionen Euro

Kosten solle das gesamte Projekt, das im Februar begonnen wurde, sieben Millionen Euro, berichtet Wallrabenstein. Bis zu 50 Bauarbeiter seien daran beteiligt, die etwa temporäre Dämme aufgeschüttet hätten, als Zufahrten zur Behelfsbrücke. Ein halbes Dutzend Parzellen eines angrenzenden Kleingartenvereins mussten dafür vorübergehend weichen, so lange, bis die neue Brücke daneben fertig ist.

Die Schrebergärtner seien entsprechend entschädigt worden. In rund einem Jahr sollen sie wieder gärtnern können. Die neue Brücke soll voraussichtlich im Spätsommer oder Herbst des nächsten Jahres fertiggestellt sein. Mitte Juni wurden bereits Umleitungen für Autofahrer und Fahrradfahrer eingerichtet.

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