Die junge Stadtteilbotschafterin und TSG-Handballerin Carla Sprenger mit ihren Mädels im Sportpark Preungesheim.
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Die junge Stadtteilbotschafterin und TSG-Handballerin Carla Sprenger mit ihren Mädels im Sportpark Preungesheim.

Frankfurter Berg

Frankfurter Berg: Handball für mehr Selbstvertrauen

  • vonSabrina Butz
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Die 18-jährige Carla Sprenger spielt leidenschaftlich gerne Handball im TSG Frankfurter Berg. Sie weiß, dass der Sport jungen Frauen mehr Selbstvertrauen geben kann. Ihre Erfahrungen gibt sie jetzt als Stadtteilbotschafterin an geflüchtete Mädchen weiter.

Sie selbst liebe das Handballspielen seit ihrer Kindheit, man lerne dabei so viel: Durchhaltevermögen, Teamgeist, Selbstvertrauen – diese Leidenschaft wollte Carla Sprenger an andere weitergeben, für die es nur wenige Freizeitangebote gibt. Mit ihrer Idee bewarb sie sich als Stadtteilbotschafterin für den Frankfurter Berg bei der Stiftung Polytechnische Gesellschaft. Seit August trainiert sie nun mit geflüchteten Mädchen zwischen sechs und zwölf Jahren, die meisten kommen aus Afghanistan und Syrien.

Als die 18-Jährige aus dem Stadtteil Dornbusch in der Flüchtlingsunterkunft am Bonameser Flugplatz den Mädchen von ihrer Idee erzählte, konnten sich viele gar nichts unter Handball vorstellen. Sie waren aber „total offen“, erinnert sich Carla Sprenger. Sprachprobleme gab es auch keine. Die Mädchen sprechen problemlos Deutsch. „Wir haben dann draußen ein paar Bälle geworfen, das hat einfach Spaß gemacht“, sagt die junge Trainerin. Immer mehr Spielerinnen seien dazu gekommen, auch aus anderen Unterkünften.

Inzwischen trainiert das „Team International“ immer freitags in der Sporthalle Preungesheim, wie auch Sprengers eigener Verein, der TSG Frankfurter Berg. Mit der Zeit habe sich „ein fester Kern“ gebildet, das Team habe „wirklich schon was erreicht“, zwei Mädchen spielen selbst fest im Verein. „Die sind echt gut, viel besser als ich in dem Alter“, lobt Sprenger.

Kommendes Jahr macht sie ihr Abitur, danach will sie Lehrerin oder Journalistin werden, „auf jeden Fall nicht den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen“. Aber zunächst will sie noch mehr Mädchen für den Handball begeistern, vielleicht ein Sportfest organisieren. „Richtig gut“ sei es, dass das „Team International“ bald Trikots bekäme. Und als sie laut über die Teilnahme an einem Turnier nachdachte, hätten die Augen der Mädchen geleuchtet. Solche „Kleinigkeiten, über die sie sich so freuen“, bestätigten ihr, dass sie das Richtige mache, sagt Sprenger.

Beim Training sieht man den Mädchen an, dass sie Spaß haben und auch gerne mal diskutieren, etwa wer jetzt dran ist oder wer den Ball abgeben muss. Carla Sprenger achtet darauf, dass keine zu kurz kommt, keine zu oft wirft, dass jede mal ein Lob erfährt. Sie erklärt, vermittelt, tröstet, schlichtet und hat stets ein offenes Ohr. „Es ist schon anstrengend und manchmal ziemlich wild“, räumt die junge Trainerin ein und lächelt.

Der Zeitungsbesuch macht die achtjährige Zeinab nervös: „Ich war total schlecht, oder?“ Dagegen spricht die zwölfjährige Parasto ein Machtwort in die Runde: „Streitet nicht mehr, ich will jetzt spielen!“

Für die gemeinsamen Spiele muss Sprenger viel organisieren, denn die Mädchen müssen jede Woche von der Unterkunft zur Sporthalle gefahren werden – da helfen auch Freunde und ihre Familie mit. Auf diesen Fahrten käme es oft zu vertrauteren Gesprächen. Ein Mädchen habe im Dunkeln ihre Hand gegriffen und von ihrer Angst vor dem Krieg erzählt, schildert Sprenger. Ein anderes Mädchen wunderte sich, dass Sprengers Mutter als Frau das Auto steuern darf.

Gerne diskutieren die Mädchen einfach darüber, wer mit wem im Auto sitzen darf oder muss, denn jede Woche entstünden neue Freundschaften und Abneigungen. Die Mädchen erwähnten oft, wie langweilig es ihnen in der Flüchtlingsunterkunft sei. „Da hilft Sport enorm“, ist Sprenger überzeugt. Man fühle sich freier, habe kleine Erfolgserlebnisse, komme auf andere Gedanken. „Wenn die Mädchen etwas gefunden haben, was ihnen etwas bedeutet und Spaß macht, dann habe ich mein Ziel als Stadtteilbotschafterin erreicht.“

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