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Frankfurter Beratungsstelle von Pro-familia belagert

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Mahnwache vor Pro Familie, Palmengartenstraße, und Protest dagegen
Mahnwache vor Pro Familie. © Christoph Boeckheler*

Ein seit Jahren andauernder Konflikt geht in die nächste Runde . Abtreibungsgegner singen vor pro familia. Aktionsbündis setzt sich für Selbstbestimmungsrecht der Frau ein.

Das ist unmöglich, was hier passiert“, sagt Renata Berlin energisch. Sie steht gemeinsam mit anderen vor der Pro-Familia- Beratungsstelle am Palmengarten. „Ich bin als Frau hier, um mich für andere Frauen einzusetzen“, erklärt sie mit Blick auf die Abtreibungsgegner:innen, die zweimal pro Jahr für jeweils 40 Tage vor dem Gebäude demonstrieren. Die Gruppe aus knapp 20 Personen singt und betet. Sie tragen Schilder mit Aufschriften wie „Unborn lifes matter“ und „Wir beten für euch“. Auch ein Bildnis der heiligen Maria ist zu sehen. Man stehe aus Liebe zur Mutter und zum Kind vor der Beratungsstelle, wie Wolfgang Hering, der Initiator, erläutert. „Ich bin dankbar für mein eigenes Leben, und wir bedrängen hier ja niemanden“, sagt er.

Das sehen die Teilnehmerinnen der Mahnwache anders. „Dieser Zirkus ist nicht zu ertragen. Das ist ein Unding, dass die hier überhaupt stehen dürfen“, sagt Gerda Fleursheimer-Erd. Die 74-Jährige hat sich ein Schild umgehängt. „My body, my choice, our riots, our voice“, ist darauf zu lesen. Sie habe früher auch schon demonstriert und nicht geglaubt, dass das Selbstbestimmungsrecht der Frau heute noch infrage gestellt werde. „In welchem Jahrhundert leben wir denn“, sagt sie zu Karin Schwarz, die auch schon öfter bei den Mahnwachen dabei war.

„Viele Frauen, die hierher kommen, haben schon Ängste und Zweifel, die brauchen doch so etwas nicht. Außerdem grenzt das Gesinge fast an Körperverletzung“, sagt Schwarz. Sie empfiehlt der Gruppe, sich an die Hauptwache zu stellen, dort bekämen sie genug Aufmerksamkeit und würden keine Frauen belästigen.

Gegendemonstration

Das Aktionsbündnis „Frankfurt für Frauenrechte“ ruft für Samstag zu einem Demonstrationszug mit anschließender Kundgebung auf.

Treffpunkt ist die Bockenheimer Warte um 11 Uhr. Die Kundgebung beginnt um 12 Uhr auf dem Opernplatz.

Mahnwachen gegen Abtreibung sind für die kommenden 40 Tage vor der Pro-Familia-Beratungstelle geplant. FR

Die ehemalige kommunale Frauenbeauftragte aus Offenbach, Karin Dörr, ist empört. „Ich habe meine Einstellung nicht mit der Rente abgegeben und setze mich weiter für das Selbstbestimmungsrecht der Frau ein“, so die Rentnerin. Es ärgere sie, dass eine Abtreibung von den Betenden wie ein krimineller Akt dargestellt werde. Sie würden Lebensumstände und prekäre Verhältnisse der Frauen nicht berücksichtigen. „Frauen setzen sich seit Jahrhunderten für ihre Rechte ein. So was ist ein absoluter Rückschritt.“

Da stimmt Christiane Böhm (Die Linke) zu. „Frauen müssen sich einem Beratungsgespräch unterziehen und haben das Recht, dieses vertraulich wahrzunehmen, das wird hier verletzt“, erklärt sie.

Auch Claudia Hohmann, Leiterin von Pro Familia, möchte den Frauen dies ermöglichen. Mit dem Bündnis „Frankfurt für Frauenrechte“ versuche man Aufmerksamkeit für das Problem zu schaffen. „Denn das betrifft uns alle“, sagt sie.

Das bekräftigt auch der Frankfurter Helmut J., der sich bei der Mahnwache für Frauen stark macht. Auch für Männer sei das Thema relevant. Ihr Anteil und ihre Verantwortung seien schließlich „nicht irrelevant“. Er möchte eine Gegenöffentlichkeit schaffen und Frauen in ihrem Selbstbestimmungsrecht unterstützen.

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