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„Werden jeden einzelnen vermissen“: Aus für Frankfurter Bäcker Ruppel nach 120 Jahren

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Von: Thomas Stillbauer

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Bei Ruppel, hier in Bonames, ist seit Mittwochnachmittag der Rollladen runter.
Bei Ruppel, hier in Bonames, ist seit Mittwochnachmittag der Rollladen runter. © Christoph Boeckheler

Das Traditionsunternehmen schließt alle Filialen im Norden Frankfurts und in Kronberg. Eine Konditorei übernimmt den Standort in Bonames

Frankfurt – Am Mittwoch war noch mal viel los in der Bonameser Filiale der Bäckerei Ruppel. Schnell noch ein paar der beliebten „Alpenkrusti“ holen, die Brötchensorte, die immer am schnellsten ausverkauft war. Ein Ausgehobenes, das gefragteste Brot. Und auf jeden Fall noch ein großes Stück Streuselkuchen. Denn der Ruppel, die Nachricht verbreitete sich im Frankfurter Norden wie Brötchenduft in der Backstube, „der Ruppel macht dicht“ – und das sofort. Um 15 Uhr am Mittwoch war endgültig Schluss.

Früh am Morgen hatte die Bonameser Kundschaft Flugblätter im Briefkasten gefunden: „Liebe Kundinnen und Kunden, zum 31.8. schließen wir unsere Filiale Oberer Kalbacher Weg. Wir danken Ihnen für Ihr langjähriges Vertrauen. Ab dem 1.9. begrüßt Sie das Team der Konditorei Maksi.“

Aus für Traditionsbäckerei Ruppel in Frankfurt: „Werden jeden einzelnen vermissen“

Auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte Ruppel das Foto eines Plakats an der Ladentür: „Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass unsere Filialen am 31.8. für immer schließen.“ Darüber der Satz: „Wir sind traurig und werden jeden einzelnen vermissen“, darunter viele entsetzte Kommentare. Am Schaufenster in Bonames ebenfalls der Dank für „wunderbare Jahre“ und die Unterschriften von zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Den Kundinnen, die den Zettel lesen, steht der Schock ins Gesicht geschrieben. „Knall auf Fall“, sagt eine Frau, „von heute auf morgen!“

Der Wacker-Kaffee, noch so ein Pluspunkt bei Ruppel, ist da schon komplett aus den Regalen verschwunden. Ein paar der leckeren Eier aus der Region gibt es noch. Das abrupte Aus beendet eine jahrhundertalte Tradition. Schon der Urgroßvater von Inhaber Stefan Ruppel war Bäcker, der Vater Konditor. 1902 ging es los mit der „Bäckerei-Konditorei Josef Ruppel“, vier Standorte gab es zuletzt: am Stammsitz in Kalbach, in Bonames, am Riedberg und in Kronberg. Gegenüber dem Frankfurter Hauptfriedhof betrieb Stefan Ruppels Bruder bis vor einem Jahr ein Café mit Konditorei. Nun schließen auch sämtliche andere Filialen der Familie.

Frankfurt: Nahtloser Übergang nach Aus von Bäckerei Ruppel

Über die Gründe ist am Mittwoch nur so viel zu erfahren: Stefan Ruppel sei nicht mehr der Allerjüngste. Gerüchte hatte es immer wieder mal gegeben im Frankfurter Norden, der Ruppel könnte schließen. Die wachsende Zahl der Supermärkte machte allen inhabergeführten Lebensmittelbetrieben zu schaffen, auch wenn sich der Chef darüber nicht beklagte. Jede Nacht um 1 Uhr stand er in der Backstube, damit die Kundschaft morgens um 6 Uhr frisches Brot und frische Brötchen hatte.

Was wird aus dem 25-köpfigen Team? In einer der Filialen zuckt die Verkäuferin verzagt mit den Schultern, in einer anderen sagt die Mitarbeiterin: „Der Chef hat schon dafür gesorgt, dass wir genug Zeit haben, etwas Neues zu suchen.“ Sie selbst, seit vielen Jahren dabei, habe sogar von Kunden Jobangebote bekommen. „Ich könnte zum Beispiel auf der Messe anfangen“, sagt sie. „Und einer hat vorgeschlagen, ich sollte doch umschulen zur Polizistin.“

Den Standort in Bonames, wo fünf Konditoren die Süßspeisen für alle Filialen kreierten, übernimmt der neue Betreiber Maksi – laut Internetseite „powered by Ruppel“ – nahtlos am heutigen Donnerstag. Das Unternehmen ist ebenfalls eine Konditorei; Brot und Brötchen sollen von einer anderen Bäckerei angeliefert werden. Der Maksi-Schriftzug ähnelt in Farbe und Art jenem von Ruppel. Das, sagt die Verkäuferin, sei auch so gewollt, aber die Firma sei eine andere. Die Kundschaft nimmt es traurig, aber auch gespannt zur Kenntnis, spätestens am Samstag, wenn die Warteschlange üblicherweise meterlang auf dem Trottoir steht. (Thomas Stillbauer)

Zuletzt schloss das Frankfurter Traditionsgeschäft Schirm Klippel nach 124 Jahren.

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