+
Grüne Lunge: Artenvielfalt nahe dem Günthersburgpark.

Biodiversität

Frankfurter Artenvielfalt und wo sie hilft

  • schließen

Die Stadt erhöht die Biodiversität im Westend, die BI Grüne Lunge erinnert an sie im Nordend. Gebaut werden soll trotzdem.

Artenvielfalt ist in diesen Zeiten wichtiger denn je, sowohl im Pflanzen- wie im Tierreich. Es geht ums Ganze – der Klimawandel und der Verlust der Biodiversität bedrohen unsere Zukunft. Die Stadt bemüht sich deshalb, ihre Bürgerinnen und Bürger tun es auch, manchmal aus unterschiedlichen Perspektiven.

Zunächst zur Stadt: Sie will den Grüneburgpark im Westend bunter und artenreicher machen. Ende Oktober begann das Grünflächenamt, Stauden in den südlichen Wiesenabschnitt zu pflanzen. Etwa 30 verschiedene Arten, darunter Flockenblume, Wiesen-Pippau, Mädesüß, Labkraut, Storchschnabel, Margerite, Fingerkraut, Schlüsselblume, Wiesenknopf, Ziest, Odermennig und Günsel. Manches liest sich, als wäre es ein hinzugeschmuggelter Vorname von Karl-Theodor zu Guttenberg, aber wir haben es überprüft – es handelt sich tatsächlich durchweg um existierende Pflanzenarten.

Im sonnigen westlichen Wiesenbereich ist ein Wildstaudenband von etwa 400 Quadratmetern geplant, im schattigeren Osten etwa 100 Quadratmeter. Ziel: ein vielfältiger Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleintiere, extensiv gepflegt, also mit seltener Mahd. Den optimalen Mähzeitpunkt bestimme eine Biologin, die sich vor Ort auskenne. Mehr als 400 Hektar städtischer Wiesen würden bereits extensiv gepflegt – gut die Hälfte des Bestands, teilt die Stadt mit. Näheres zum Wiesenkonzept erläutert die Broschüre „Wiesen, Stauden, Schmetterlinge“, kostenlos beim Grünflächenamt zu bestellen oder downzuloaden.

Und damit zu den Bürgerinnen und Bürgern: 72 geschützte Arten listet die Bürgerinitiative (BI) Grüne Lunge am Günthersburgpark im Nordend auf, darunter zwei Pflanzen- und drei Fledermausarten, 45 Vogel-, sechs Säugetier-, fünf Käferarten, je eine Schmetterlings-, Libellen- und Heuschreckenart, sechs Hautflügler- und zwei Schneckenarten.

Die Liste, Stand Oktober 2017, basiert auf der Biotopkartierung, mit der die Senckenberg-Forscher seit langem beschäftigt sind – sie registrieren alles, was auf Frankfurter Boden, in Frankfurter Wasser oder in Frankfurter Luft lebt und wächst.

Für die Zwecke der BI Grüne Lunge soll die Aufzählung natürlich verdeutlichen, was alles verloren zu gehen drohe, wenn das sogenannte Innovationsquartier mit Wohnungen im unmittelbaren Einzugsgebiet gebaut würde – wogegen die Anwohner kämpfen.

„Eine beeindruckende Liste“, sagt Peter Beckmann vom BI-Vorstand, „ein unheimlich wertvolles Areal.“ Er verweist auf Untersuchungen, die die Biodiversität in der Großstadt auf dem besten Weg sehen, die Artenvielfalt auf dem Land gnadenlos zu überflügeln – vor allem wegen der Monokulturen in der Landwirtschaft der Region und wegen des Einsatzes von Ackergiften.

Beckmann zitiert die Senckenberg-Forscher aus ihrem Gutachten für das Planungsamt mit dem Sätzen: „Bemerkenswert ist auch die große Zahl an alten Bäumen“ und: „Bemerkenswert ist jedoch das große, zusammenhängende Gartengebiet im Norden mit seinem hohen Baumanteil.“ Insgesamt fanden die Wissenschaftler 226 Tier- und Pflanzenarten, einschließlich der geschützten.

Neu ist das alles freilich nicht, sondern seit 2018 bekannt. Aber immer noch bemerkenswert: All die geschätzten und besonders geschützten Arten, von der Breitblättrigen Ständelwurz bis zur Gefleckten Weinbergschnecke, sie fallen in keine Kategorie, die das Bauvorhaben verhindern würden, wie das Umweltamt feststellte.

Die Moral von der Geschicht: Der Kampf geht weiter, gemeinsam für die Artenvielfalt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare