Der Frankfurter Moderator, Sprecher und Blogger Daniel R. Schmidt (37) läuft, um aufzuklären.
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Der Frankfurter Moderator, Sprecher und Blogger Daniel R. Schmidt (37) läuft, um aufzuklären.

Gesundheit

Frankfurter arbeitet gegen die Stigmatisierung von Depression

Daniel R. Schmidt aus Frankfurt läuft jeden Tag 10.000 Schritte. Fünf Millionen will er insgesamt schaffen.

Wenn Daniel Schmidt die U-Bahn nutzen will, geht er normalerweise von seiner Wohnung im Dornbusch 650 Meter zur Station in der Hügelstraße. Seit einigen Wochen nimmt er aber einen längeren Weg – etwa zur Station Am Lindenbaum. Der Grund? Das Projekt “#5MSchritte“, über das der Moderator, Sprecher und Blogger täglich im sozialen Netzwerk Twitter schreibt: Seit 12. November 2019 macht er täglich mindestens 10 000 Schritte. 500 Tage will er das durchhalten. Er will fünf Millionen Schritte gehen, um ein Zeichen gegen die Stigmatisierung von Depression zu setzen.

Von der Erkrankung ist der 37-Jährige selbst betroffen. In einem Zeitungsartikel hat er das vor vier Jahren öffentlich gemacht. Ein mutiger Schritt, der sich für ihn nicht nur positiv auswirkte. Einige Bekannte hätten sich zurückgezogen, berichtet er. Wohl aus Unsicherheit und Überforderung. Auch manche berufliche Verbindungen seien auf der Strecke geblieben. Dennoch bereue er seine Offenheit nicht: „Irgendwo muss der Anfang gemacht werden, damit sich etwas ändert“, sagt er. Auch wenns wehtut.

Gesundheitsmesse

Die „Gesund leben“-Messe ist am 29. Februar und 1. März jeweils von 10 bis 18 Uhr in der Jahrhunderthalle in Frankfurt-Höchst. Der Eintritt kostet sechs Euro, ermäßigt vier, im Onlinevorverkauf je einen Euro günstiger.

Auf der Messe bieten einige Aussteller neben der persönlichen Beratung auch kostenfreie Gesundheitschecks an ihren Ständen an.  

 
Neben 60 Expertenvorträgen gibt es auch noch 16 Stunden Fitnessprogramm. Ein Sinnesparcours und eine Jobwand mit aktuellen Stellenangeboten aus der Gesundheitsbranche runden das vielseitige Messeprogramm ab. Das komplette Programm und Ausstellerverzeichnis ist im Internet unter www.gesundleben-messe.de abrufbar.

Veranstalter der „Gesund leben“ ist die Frankfurter Messe & Event GmbH, ein Unternehmen der Mediengruppe Frankfurt.   red/mic

Sein jetziges Projekt der 10 000 Schritte behielt der gebürtige Frankfurter erst einmal trotzdem für sich. Zumal es sich eher zufällig ergeben habe, sagt er. Das hängt mit dem Smartphone zusammen, das er sich im vergangenen Jahr zugelegt hatte. Irgendwann entdeckte er, dass auf dem Gerät ein Schrittzähler installiert ist. Und erschrak, als er feststellte, dass er pro Tag höchstens auf 2500 bis 3000 Schritte kam.

Aus seinem Sportbusiness-Management-Studium weiß er, dass Gesundheitsexperten mindestens doppelt so viele empfehlen. „Das muss sich ändern“, beschloss er. Dabei entsann er sich einer Hausarbeit, die er vor Jahren geschrieben hatte: über die Frage, ob 10 000 Schritte pro Tag das Stressempfinden von Studenten senken. Warum nicht selbst ausprobieren?

Um sich eine langfristige Perspektive zu geben, legte er für sich fest, dass das nicht nach Lust und Laune geschehen sollte, sondern täglich – 500 Tage lang. So marschierte er am 12. November los. Mal in der Mittagspause durch die Straßen nahe dem Zoo, wo sein Büro liegt. Mal geht er auch abends nach der Arbeit ziellos durch irgendwelche Straßen oder an der Nidda entlang. Immer dabei: ein Fitnesstracker am Arm, der die Zahl der Schritte misst.

Vor einigen Wochen schrieb er erstmals auf seinem Twitter-Account von dem Vorhaben und erhielt viel Zuspruch. Seitdem berichtet er täglich, teilt mit seinen Followern Gedanken über das Thema Depression. Erzählt davon, welche Disziplin es erfordert, sein Ziel jeden Tag aufs Neue zu erreichen. Auch dann, wenn es stürmt und ihm der Regen ins Gesicht peitscht. Oder wenn er sich müde und kaputt fühlt und sich eigentlich nur aufs Sofa verkriechen möchte. Doch er beißt sich durch. Selbst durch einen E-Scooter-Unfall im Dezember, in dessen Folge ihn eine schmerzhafte Schleimbeutelentzündung am linken Knie plagte, ließ er sich nicht aus dem Konzept bringen. In kleinen Trippelschritten schleppte er sich damals durch seine Tagesetappen – und ist stolz darauf, dass seine Serie immer noch hält: „Das gibt mir ein gutes Gefühl.“ Zumal er sich durch die tägliche Bewegung ausgeglichener fühlt als früher. „Mir persönlich hilft das sehr.“

Mittlerweile sind die ersten 100 Tage vorbei und die erste Schritte-Million ist geschafft. Auch erste Nachahmer hat Schmidt gefunden, die ähnliche Vorhaben verfolgen und darüber ebenfalls in sozialen Netzwerken berichten. Eine Frau habe ihm geschrieben, dass sie ihren Arbeitskollegen von seinem Projekt erzählt habe – und dass sie mit diesen nun am J.-P.-Morgan-Lauf in Frankfurt teilnehmen wolle: „Das ist doch toll, wenn ich anderen Leuten Mut machen kann“, sagt er.

In Sachen Schrittmenge liegt er sogar 25 Prozent über seinem Soll. Ob er die Zahl von fünf Millionen am Ende tatsächlich erreicht? Eigentlich sei das egal, sagt er: „Wichtig ist, dass ich was für mich getan habe.“ Und: „Jeder Schritt ist ein Erfolg.“

BRIGITTE DEGELMANN

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