Fünf Tonnen Müll kann der Greifer auf einmal in den Ofen werfen.

Müllheizkraftwerk Heddernheim

Frankfurter Müll auf Deutschlandreise

  • schließen

Das Müllheizkraftwerk in Heddernheim steht derzeit still - es kann kein Abfall verbrannt werden. Also geht der Frankfurter Müll auf Reisen. 

Als die Eintracht das letzte Mal abgestiegen ist, ließ sich der Frust der Frankfurter im Müll ablesen: Sie kloppten die Fanartikel in die Tonne. In die Restmülltonne. Und die ganzen Fan-Utensilien fanden sich dann im Müllbunker in Heddernheim wieder. Dort, wo der Frankfurter Restmüll hingekarrt wird und auf die Verbrennung wartet. So viele Fan-Artikel wie damals hat Frank Brunzlow, Sachgebietsleiter im Müllheizkraftwerk, jedenfalls noch nie gesehen. Davor nicht – und derzeit natürlich schon gar nicht. Denn zum einen spielt die Eintracht eine ihrer besten Saisons in der Vereinsgeschichte – und zum anderen ist im Müllbunker gerade kein Fitzelchen Müll.

Der Müllbunker ist 24 Meter tief, 63 Meter lang, 13 Meter breit – und nur ausnahmsweise einmal nicht mit Abfall gefüllt.

Das Heizkraftwerk steht derzeit still. Das ist alle drei Jahre so. Dann wird die Anlage für zwei Wochen abgeschaltet, damit saniert werden kann. Damit die Teile der Anlage überprüft werden können, an die sonst bei Betrieb nicht heranzukommen ist. Und dann ist eben im Müllbunker auch keine einzige Abfalltüte mehr. Er ist nur noch ein 24 Meter tiefes gähnendes Loch. Besenrein. An Freitagen stapelten sich darin in der Regel 6000 Tonnen Müll, erzählt Brunzlow am Dienstagmittag bei einem Rundgang. Manchmal ist es aber auch mehr. Neulich, vor Ostern, da sei der Bunker so voll gewesen, dass man von einer Seite zur anderen hätte hinüberlaufen können. Ein Abfall-Lauf über immerhin 63 Meter.

Doch jetzt schweißen, flexen und hämmern Arbeiter am Boden des Bunkers. Die Betonwände sind mit Holzbrettern ausgekleidet – damit die beiden Greifer, die normalerweise auf einen Schlag fünf Tonnen Müll in eine der vier Verbrennungsanlagen werfen, die Wände nicht beschädigen. „Das Holz ist verrottungsfest“, sagt Betriebsleiter Markus Sänger. Dem Holz macht der Müll nichts aus – die Halterungen für die Bretter aber, die Stahlträger, sind da empfindlicher. Die müssen überprüft und erneuert werden. Fachleute müssen zudem den Betonboden auf Risse untersuchen. „Damit wir sicherstellen, dass keine Reste aus dem Müll ins Grundwasser gelangen“, sagt Sänger.

Das Müllheizkraftwerk
Das Müllheizkraftwerk in Heddernheim läuft normalerweise rund um die Uhr. 130 Lastwagen laden pro Tag dort Restmüll ab. Der Müllbunker fasst bis zu 10 000 Tonnen Abfall.

525 000 Tonnen Müll werden jedes Jahr verbrannt.25 Prozent des Gewichts bleiben als Schlacke übrig, Darin befinden sich noch jährlich 10 000 Tonnen Metall, die in den Rohstoffkreislauf zurückgehen.

Durch Kraft-Wärme-Kopplung wird bei der Verbrennung Energie und Fernwärme erzeugt. 50 000 Frankfurter werden so versorgt. (sabu)

Auch wenn der Greifer am 2. Mai um 5.15 Uhr den letzten Müll in den Verbrennungsofen hievte – der Geruch hält sich. Es riecht, nun, nach Müll eben. Aber für einen Sachgebietsleiter wie Stephan Haas natürlich kein Vergleich zum Gestank, der durch einen gefüllten Bunker zieht. „Jetzt hält man das doch gut aus“, sagt er.

Nicht nur der Bunker wird von Experten inspiziert und wenn nötig ausgebessert. Auch der Schornstein. Von außen kennen ihn alle: Drache Fessie, Logo der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES), windet sich weithin sichtbar auf blauem Grund um den Schornstein. Doch wo sonst die gereinigten Rauchgase mit 160 Grad hindurchwabern, herrscht nun Kühle. „Es braucht mehrere Tage, bis es hier kalt genug ist und wir hier reinkönnen“, sagt Sänger und blickt nach oben. Der graue Himmel ist in 120 Meter Höhe durchs Schornsteinloch zu erblicken.

Es wird aber nicht nur Müll im Heizkraftwerk verbrannt, dabei entstehen auch Fernwärme und Strom für 50 000 Frankfurter. Die stehen in den 14 Tagen Auszeit der Anlage aber nicht ohne da. Seit 2017 sei das Kraftwerk im Mainova-Wärmeverbund, andere Kraftwerke könnten einspringen, sagt Constantin Alsheimer, Vorstandsvorsitzender des Energieversorgers Mainova, der wie die FES 50 Prozent am Betreiber MHKW Frankfurt hält. „So vermeiden wir eine Million Liter Heizöl während der Sanierungszeit.“

Logistisch ist die Auszeit des Heizkraftwerks aber eine Herausforderung. „Wir können der Bevölkerung ja nicht sagen, dass wir zwei Wochen lang keinen Müll abholen“, sagt Dirk Remmert, FES- und MHKW-Geschäftsführer. Deshalb wird der Abfall in einer Umschlaganlage am Osthafen gelagert, von dort in die Mainzer Anlage gebracht. „Wobei die auch nicht auf den Müll aus Frankfurt warten, die sind gut ausgelastet“, sagt Remmert. Von Mainz aus werde der Müll deutschlandweit verteilt. „Wir sind froh, dass wir das gemeistert bekommen.“ Hinzu kommt: Mit der Planung muss eineinhalb Jahre vorher begonnen werden, damit in den zwei Wochen dann alle Fachfirmen und alles Equipment auch verfügbar sind.

Am Montag kommen die ersten Müllautos wieder angefahren. Dann muss die Anlage langsam wieder das tun, wofür sie da ist: den Hausmüll der Frankfurter verbrennen. Ohne Eintracht-Fan-Artikel. Die werden schließlich dringend im Einsatz gebraucht.

Vor Kurzem haben freiwillige Helfer in Frankfurt am Mainufer vier Tonnen Müll gesammelt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare