Besuchergedränge wie 2018 wird es auf der Buchmesse in diesem Jahr hoffentlich nicht geben.
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Besuchergedränge wie 2018 wird es auf der Buchmesse in diesem Jahr hoffentlich nicht geben.

Buchmesse

Frankfurt: Zwei Messen teilen sich das Areal

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels bestreitet, dass es ab 2021 eine Zusammenarbeit mit anderen Messen gibt. Doch kurz darauf gibt die Messegesellschaft genau das bekannt.

Um die Zukunft der traditionsreichen Frankfurter Buchmesse ist eine heftige Diskussion entbrannt, die Merkmale eines Machtkampfes trägt. Die Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Karin Schmidt-Friderichs, hat Überlegungen widersprochen, die Buchmesse von 2021 an mit der Musikmesse und einem Event der Games-Branche zu verbinden. „Ich halte das absolut nicht für nötig“, sagte die 59-jährige im Gespräch mit der FR. Sie verdeutlichte, dass es im Aufsichtsrat der BBG, der Börsenverein des Deutschen Buchhandels Beteiligungsgesellschaft, „keinen Beschluss“ für eine solche Zusammenarbeit gebe. Die Buchmesse stehe weltweit für sich als Marke und brauche „keinen Boost von außen“.

Nur kurze Zeit nachdem die Vorsteherin des Börsenvereins die Eigenständigkeit der Buchmesse betont hatte, kündigte die Frankfurter Messegesellschaft eine Zusammenarbeit von Buchmesse und Musikmesse für 2021 an. Beide sollen sich dann das Messegelände teilen, so Hendrik Müller-Giegler, Sprecher des Bereichs Entertainment, Media & Creative Industries.

Die Buchmesse werde vom 20. bis 24. Oktober den östlichen Teil des Messeareals belegen, die Musikmesse vom 22. bis 24. Oktober den westlichen. Es werde gemeinsame Veranstaltungen wie einen Kongress und gemeinsame gesellschaftliche Termine geben. Insgesamt werden dann bis zu 400 000 Menschen auf dem Messegelände erwartet, eine logistische Herausforderung. Sie könnte nur bestanden werden, wenn bis dahin die Corona-Pandemie überwunden ist. Die zeitgleiche Veranstaltung von Buch- und Musikmesse und die inhaltliche Kooperation ist laut Frankfurter Messe von Buchmessen-Direktor Boos mit ausgehandelt worden. Boos muss sich in dieser Woche vor dem Aufsichtsrat der Buchmessen-Holding BBG verantworten.

Vorsteherin Schmidt-Friderichs sagte der FR, sie habe aus der Buchbranche „zu 90 Prozent“ negative Reaktionen auf eine Annäherung von Buchmesse und Musikmesse erhalten. „Alle fragen: Was soll das?“ Sie versuche herauszufinden, wer Informationen über eine Zusammenarbeit an die Medien gegeben habe.

Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) sagte der FR am Abend, ihr sei „der Markenkern“ der Buchmesse wichtig, nämlich „eine internationale Plattform für das freie Wort“ zu sein. Die Buchmesse sei wichtig für die Identität Frankfurts. Die Kulturdezernentin hat selbst über Jahrzehnte als Literaturkritikerin gearbeitet: „Meine eigene Geschichte ist eng mit der Buchmesse verwoben.“

In der Buchbranche gab es weitere negative Stimmen. Die Schriftstellerin Katharina Hacker, Trägerin des Deutschen Buchpreises, sagte, sie finde, die Entwicklung sei „ein Jammer“. Die Buchmesse müsse „ihr Selbstbewusstsein kultivieren“ und nicht die Vermischung mit anderen Branchen suchen.

In einer am Montagabend versenden gemeinsamen Pressemitteilung von OB Peter Feldmann (SPD) und Hartwig betonen beide, dass die Eigenständigkeit der beiden Messen wichtig sei. Hartwig findet aber auch: „Eine Zusammenarbeit ist daher generell zu begrüßen.“ In der Mitteilung von Feldmann und Hartwig steht außerdem: „Aus Büchern entstehen Filme, Serien, Hörspiele, Theaterproduktionen, Computerspiele und vieles mehr. Von diesem Lizenz- und Rechtehandel müssen allerdings Autorinnen und Autoren, Verlage und der Buchhandel insgesamt mehr profitieren können. Es ist daher sinnvoll, die Kreativszenen stärker zusammen zu denken.“

Der Frankfurter Verleger Vittorio Klostermann urteilte, der Börsenverein messe den elektronischen Medien eine viel zu große Bedeutung bei. „Das Buch muss sich aber überhaupt nicht schämen.“ Die Vorsteherin des Börsenvereins glaubt, dass die Buchmesse 2021 nach Überwindung der Corona-Pandemie selbstbewusst und in alter analoger Form zurückkehrt. Die Lust in der Branche „am analogen Treffen“ sei nach wie vor groß.

Der kulturpolitische Sprecher der CDU im Römer, Thomas Dürbeck, bezweifelt dagegen, dass 2021 nach Corona alle bisherigen Teilnehmer der Buchmesse wieder zu einem Branchentreffen in alter Form zurückkehren. „Die Art und Weise, wie die Buchmesse in den zurückliegenden 50 Jahren veranstaltet worden ist, wird es nicht mehr geben können.“

Die Messe müsse sich in anderer Form an die Menschen wenden. Dürbeck nannte die Frühjahrsbuchmesse in Leipzig mit ihrem Lesefestival „Leipzig liest“ als Vorbild. Das Frankfurter Buchfest „Open Books“ müsse noch mehr als bisher „den Stadtraum miteinbeziehen“.

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