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Tzigareda M. wenige Minuten, nachdem sie ihre Wohnung verlassen musste.
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Tzigareda M. wenige Minuten, nachdem sie ihre Wohnung verlassen musste.

Mobbing und Schikane

Frankfurt - Zwangsräumung wirft Fragen auf

  • Stefan Simon
    VonStefan Simon
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In Sachsenhausen wirft eine Mieterin dem Hausherrn Mobbing und Schikane vor. Nun musste sie ihre Wohnung zwangsräumen.

Frankfurt - Nur mit einer Tasche und einer kleinen Kiste verlässt Tzigareda M. am Dienstagmittag (21.09.2021) ihre Wohnung in der Klappergasse 10 im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen. Rund 20 Demonstrierende von der Initiative „Stadt für Alle“ jubeln, als M. auf der Gasse steht. Sie skandieren: „Die Häusern denen, die drin wohnen“.

M. verlässt ihre Wohnung jedoch nicht freiwillig. Sie wird gerichtlich dazu gezwungen. Der Grund für die Räumung sei, dass der Vermieter sich in seinen Persönlichkeitsrechten gestört gefühlt habe durch Videos, die M. als Beweismittel für das Mobbing und die Schikanen gegen sich aufgenommen habe, sagt ihr Anwalt Hamdi Küçüktepe. Gegen die Räumung hatte er Berufung eingelegt, die jedoch vom Landgericht zurückgewiesen wurde.

Zwangsräumung in Frankfurt: Videos zeigen Streitereien

Die Initiative „Stadt für Alle“, die sich mit M. solidarisierte, und ihr Anwalt werfen den Vermietern vor, dass M. seit dem Vermieterwechsel im Winter 2015 von „dauerhaften Schikanen, Einschüchterungen und Wohnungsmängeln betroffen“ sei. Nicht reparierte Heizungen, Bedrohungen und Einschüchterungsversuche seien jedoch nur die Spitze des Eisbergs. „Nachdem M. immer wieder von Schikanierung, Verleumdungen und Anzeigen seitens der Vermieter Ron Süssmann, Dr. Roy Süssmann und Marco Nadler betroffen gewesen sei, fertigte sie Videos der Treffen an. Diese Videos, welche das Mobbing dokumentieren sollen, dienen nun als Grund, die Kündigung vor Gericht durchzusetzen“, sagt Tabea Latocha von „Stadt für Alle“ während der Solidaritätskundgebung vor dem Wohnhaus.

Zwei Videos liegen der FR vor. In beiden Videos streitet sich M. mit den Nachbarn über die offen stehende Haustür. M. beschwert sich und bittet, die Tür zu schließen. Es sei zu kalt und es stinke. Im ersten Video droht der Nachbar M. mit dem Tod. Im zweiten Video verlässt M. das Haus, läuft in den Innenhof und sagt wieder, „bitte lasst die Tür zu“. Daraufhin läuft der Sohn des Nachbarn mit erhobenem Arm und einem Stein in der Hand auf M. zu. Seine Mutter kann ihn noch zurückhalten.

Frankfurt: Vermieter wehrt sich nach Zwangsräumung gegen Vorwürfe

Mit blauer Jacke und grüner Baseballkappe steht auch Vermieter Nadler vor dem Haus neben den Demonstrierenden. Er wehrt sich gegen die Vorwürfe. „Das stimmt alles nicht. Sie hat mich bedroht. Sie ist nicht der Engel, für den sie hier alle halten“, sagt er. M. hätte ihn und seine Familie an Weihnachten vor zwei Jahren abends bedroht, weil ihre Heizung nicht mehr funktioniert habe. „Ich sagte ihr, dass ich mich nach Weihnachten darum kümmere.“

Zudem wirft Nadler M. vor, sich über den behinderten Sohn ihrer Nachbarn lustig gemacht zu haben. Diese Vorwürfe und weitere gegen M. stehen in einem Schreiben von Nadlers Anwalt Wolfgang Meuß. Die Vorwürfe könnten durch Videos von M. jedoch widerlegt werden, sagt Küçüktepe. Das Amtsgericht jedoch wollte die Videos nicht ansehen. „Maßgeblich für die Entscheidung war der Umstand, dass Frau M. die Szenen aufgenommen hat. Auf den Inhalt der Filme kam es nicht an, so dass auch kein Beweis durch Abspielen erhoben wurde“, sagt Karl-Stefan Konow, Richter am Amtsgericht. Doch Küçüktepe widerspricht: „Zur Beweissicherung ist das Aufnehmen der Szenen per Video erlaubt.“

Zwangsräumungen

Seit der Zentralisierung des Fachteams Hilfen zur Wohnungssicherung im August 2012 sind laut Sozialdezernat Zwangsräumungen in Frankfurt rückläufig. 2020 kam es zu 414 Räumungen, 2019 waren es 462. Im Jahr 2012 kam es noch zu 808 Zwangsräumungen.

Rund ein Viertel (104) der wohnungslos werdenden Bewohner:innen sind 2020 unmittelbar am Räumungstag (oder auch einen Tag davor) in eine Übergangsunterkunft gezogen. stn

Zwangsräumung in Frankfurt: Vermieter ist kein Unbekannter

Allerdings sei in der Berufungsschrift versäumt worden, mögliche Fehler in der Bewertung der Beweise des Amtsgerichts darzulegen, sagt Isabel Jahn, Pressesprecherin des Landgerichts. „Insbesondere wurde nicht gerügt, dass einzelne Videos nicht angesehen worden waren. Nach den gesetzlichen Vorgaben des Zivilprozesses musste die Berufungskammer daher die Berufung zurückweisen.“

Vermieter Nadler ist jedoch kein Unbekannter. Conny Petzold vom Verein „Mieter helfen Mietern“ berichtet der FR, dass Nadler im Verein wegen eines Streits in einer anderen Liegenschaft bekannt sei. „Eine Mieterin aus Offenbach ist wegen Nadler nach 20 Jahren aus ihrer Wohnung ausgezogen. Sie wirft ihm ebenfalls vor, dass er sie beleidigt und schikaniert habe. Allerdings kam es bei dem Fall nicht zu einer Zwangsräumung, sondern zu einer außergerichtlichen Einigung“, sagt Petzold. (Stefan Simon)

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