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Kleingärten mit Gemüsebeeten sind beliebt in der Stadt.  

Stadtentwicklung

Frankfurt: Zukunft von Kleingärten bedroht

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Gärten in Bonames und Fechenheim könnten besonders unter der Bebauung leiden.

Zugunsten des öffentlichen Verkehrsnetzes und neuer Wohngebiete könnten viele Kleingartenanlagen in den kommenden Jahren schrumpfen. Bauherren müssen zwar Ausgleichsflächen anbieten, diese sind aber rar. Leidtragende sind Hobbygärtner – und die Natur.

„Wenn das eintreffen sollte, müssten wir den Verein auflösen“, sagt Gabriele Avlianos, Vorsitzende des Kleingartenvereins Bonames zu einem aktuellen Magistratsbericht. Dieser stellt in Aussicht, dass der Ausbau der U4 ihren Verein bitter treffen könnte. „Bisher ist das nur Gemunkel gewesen.“

Im Bericht sind „Stand und Entwicklung der Kleingartenanlagen“ im Stadtgebiet aufgeführt. Die Entwicklung in Bonames ist dort vorläufig als Rückentwicklung angekündigt. Weil das Projekt ruht, ist der Planungsstand zwar nicht aktuell. Käme diese Baustelle so zustande, wäre das die dritte auf dem Boden des bald hundertjährigen Vereins in nur wenigen Jahren.

Über 500 Hektar Stadtfläche sind als Gartenland ausgewiesen. „Bewegung, frische Luft und frisches Gemüse, dass Kinder Natur erleben und die soziale Funktion“, zählt Renate Friedrich vom Grünflächenamt gute Gründe fürs urbane Gärtnern auf. „Außerdem fördern zusammenhängende Grünflächen die Artenvielfalt.“

Kleingärten gehören zu einer lebenswerten Großstadt, heißt es auch im Magistratsbericht. In der Praxis könnte die Zukunft durch den U-Bahn-Ausbau in Bonames vielleicht so aussehen: In einen Bereich der vorhandenen Kleingartenanlage könnte so „erheblich eingegriffen“ werden, dass ein Verbleib der restlichen zehn Parzellen an der Stelle fraglich sei.

Anfangs großer Unmut

Seit zwei Jahren ist im Bonameser Gartenverein bereits klar, dass für den Bau an S-Bahn-Trasse und Unterführung sechs Flächen wegfallen müssen. „Alles was die Leute aufgebaut haben wird abgerissen“, bedauert die Vorsitzende. Anfangs sei der Unmut sehr groß gewesen. Mit Hilfe einer Rechtsanwältin seien die Pächter, die ihre Gärten bis zu vierzig Jahre beackert haben, schlussendlich angemessen ausbezahlt worden. „Nach zwei Jahren Bauzeit gehen die Gärten dann als Ackerland an den Verein zurück.“ Ihre Pächter hätten aber teilweise gekündigt.

Auch andere Kleingärten sind bedroht. Die größte Aufmerksamkeit hat bisher die Bürgerinitiative Grüne Lunge auf sich gezogen. Sie will die bedrohte Grünfläche nördlich des Günthersburgparks in bestehender Form erhalten. 20 Gärten der Kleingartenvereine Günthersburg und Cronberger, heißt es im Magistratsbericht, werden dort der Wohnbebauung „Günthersburghöfe“ weichen. Ersatzflächen seien aber womöglich in Preungesheim gefunden worden.

Derzeit besteht zwar noch kein Baurecht, aber die Nordmainische S-Bahn und die dazugehörige Haltestelle Fechenheim könnte den KGV Ostend um zwei, den Fechenheimer KGV Kleeacker sogar um all seine 36 Parzellen verkleinern.

Kampfbereit, verärgert, aber optimistisch zeigt sich der Kleeacker-Vorsitzende Borahan Vural. „Das heißt es seit den 80ern.“ Trotzdem sei für die Gärtner schwer abzuschätzen, welche Investitionen sich noch lohnen oder neue Verträge abzuschließen seien. „Es gibt ein Jahr Kündigungsfrist, jedes Jahr, in dem kein Brief kam, atmen wir auf.“

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