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Unternehmen gehen lieber nach Offenbach: In Frankfurt gibt es zu wenig Platz fürs Gewerbe

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Von: Florian Leclerc

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Vielleicht gibt es hier bald Platz für Entwicklung. Der Industriepark Griesheim steht vor dem Wandel. Foto: Rolf Oeser
Vielleicht gibt es hier bald Platz für Entwicklung. Der Industriepark Griesheim steht vor dem Wandel. © Rolf Oeser

Unternehmen von großer Bedeutung für die Stadt Frankfurt ziehen lieber nach Offenbach. Wirtschaftsdezernentin Stephanie Wüst sieht darin ein grundlegendes Problem.

Frankfurt – Wirtschaftsdezernentin Stephanie Wüst (FDP) hat im Ausschuss für Wirtschaft, Recht und Frauen am Dienstagabend besorgt auf die fehlenden Flächen für die Erweiterung von Unternehmen reagiert. Unmittelbarer Anlass war die Expansion von Biospring nach Offenbach.

Am 25. Januar hatte das Frankfurter Biotechnologieunternehmen mitgeteilt, sich nicht in Frankfurt, sondern in Offenbach erweitern zu wollen. Biospring fertigt Wirkstoffe für Pharma- und Biotech-Unternehmen und ist nach eigenen Angaben europaweit führend in der Produktion synthetischer DNA-Fragmente für therapeutische Arzneimittel. Das Unternehmen wurde 1997 gegründet und beschäftigt 370 Menschen.

Biotech-Unternehmen Biospring sieht in Frankfurt kein Wachstum

Am Firmensitz in der Straße Alt-Fechenheim 34 sah Biospring keine Möglichkeit zu wachsen. Weitere 200 Arbeitsplätze sollen nun im Innovationscampus Offenbach in der Kettelerstraße 100 entstehen – das ist auf der anderen Mainseite und etwa drei Kilometer zu Fuß entfernt. Dort will das Unternehmen, das zuletzt als „Hessen Champion“ ausgezeichnet wurde, einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag investieren.

Aus Sicht von Wirtschaftsdezernentin Wüst ist diese Entwicklung symptomatisch für ein grundlegendes Problem in Frankfurt. „Wir haben in den vergangenen 20 Jahren 70 Hektar an Gewerbeflächen verloren“, sagte sie. Auf den Flächen sei größtenteils Wohnraum entstanden. „In den kommenden Jahren rechnen wir mit einem zusätzlichen Flächenbedarf von 90 bis 140 Hektar für das Gewerbe.“ Wo diese Flächen entstehen sollen, sagte sie nicht.

Frankfurt: Grundstücke für Gewerbeansliedlungen fehlen

Der Koalitionsvertrag hält fest, dass ein Gewerbeflächenentwicklungsprogramm festlegen soll, wo entsprechende Areale entstehen könnten. Potenzial gibt es demnach in vorhandenen Gewerbegebieten, die sich im Strukturwandel befänden, wie in Griesheim sowie Rödelheim und Sossenheim.

Das einst geplante Gewerbegebiet in der Nähe des Bad Homburger Kreuzes am Ikea-Markt in Nieder-Eschbach verfolgt die Koalition nicht weiter. Eine Umnutzung von Gewerbeflächen in Wohnraum soll es künftig nicht mehr geben.

Frankfurt: Auch Ventilhersteller Samson geht nach Offenbach

Die chemische und die verarbeitende Industrie gelten als größte Arbeitgeber und wichtigste Gewerbesteuerzahler in Frankfurt. Vor knapp einem Jahr hatte der Ventilhersteller Samson bereits mitgeteilt, von Frankfurt nach Offenbach umzuziehen. Am Firmensitz in der Weismüllerstraße 3 fehlten demnach die Entwicklungsmöglichkeiten.

Unter dem Mangel an Grundstücken leidet in Frankfurt nicht nur das Gewerbe. Die Europäische Schule hatte zuletzt angekündigt, Frankfurt verlassen zu wollen, falls ihr die Stadt kein Grundstück für den Neubau zur Verfügung stelle. Auch der Neubau von Schulen und der Bau eines Zentraldepots für Kunst aus städtischen Museen werden durch das Fehlen geeigneter Grundstücke erschwert. Zusätzlich gibt es einen hohen Bedarf an Wohnraum, für den ebenfalls weitere Flächen ausgewiesen werden sollen. (Florian Leclerc)

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