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Frankfurt: Zu wenig Personal für Tests bei Geschlechtskrankheiten

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Von: Steven Micksch

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Die Diagnostik von Geschlechtskrankheiten ist in Frankfurt stark nachgefragt. Doch die Kapazitäten des Projekts „Checkpoint“ reichen nicht aus, um die Nachfrage zu decken.

Der Appell von Stephan Klauke und Peter Gute war eindringlich: Die Nachfrage nach dem Projekt Checkpoint ist riesig, aber es braucht mehr Ärztinnen und Ärzte, und es braucht mehr Geld. Das Kooperationsprojekt von der Aidshilfe Frankfurt, dem Verein „dagnä“ und dem Gesundheitsamt besteht seit September 2019. In den Räumen der Humanitären Sprechstunde im Gesundheitsamt können sich Menschen zweimal pro Woche auf Geschlechtskrankheiten testen lassen. Zudem gibt es Beratungen und Behandlungen. Ein wesentlicher Teil der Arbeit ist die Versorgung mit der „Prä-Expositions-Prophylaxe“ – kurz Prep –, die Menschen vor einer Infektion mit HIV schützt.

Bis zu 80 Termine pro Woche

Im jüngsten Gesundheitsausschuss stellten die beiden Verantwortlichen das Projekt auf Einladung von Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) nochmals vor und zogen eine Bilanz nach dreijährigem Bestehen. Majer war das Resümee wichtig, weil Checkpoint ein „vergessenes Juwel der vergangenen Jahre“ ist. Die bemerkenswerte Kooperation lief auch während der Pandemie-Hochzeit weiter.

Aktuell öffnet Checkpoint immer montags (15-18 Uhr) und donnerstags (14-18 Uhr). Insgesamt können eigentlich online je Woche bis zu 50 Termine gebucht werden. Die Realität sehe jedoch anders aus, erklärte Klauke. In der Woche seien es bis zu 80 Termine, die man realisiere, weil man versuche, auch unangemeldete Personen zu versorgen. Der nächste freie Termin sei erst wieder im Juni verfügbar.

2022 kamen 2209 Patient:innen zu Checkpoint. Im Durchschnitt waren die Besucher:innen 33 Jahre alt, die Spanne lag im vergangenen Jahr zwischen 18 und 73 Jahren. Das Gros der Menschen ist männlich (92 Prozent), divers waren nur 0,2 Prozent.

Meistens kommen Männer

Bezüglich der sexuellen Orientierung waren 82,5 Prozent schwul und 12,7 Prozent hetero, der Rest verteilte sich auf bi, trans, queer und lesbisch. Im Vergleich zu 2021 habe der Anteil der Männer, die Sex mit Männern haben, stark zugenommen (+14 Prozent). Dies liege daran, weil die Behandlung mit der Prep die Sprechstunden bestimme. Dadurch blieben weniger Termine für Testungen. „Der Bedarf wäre aber da“, sagte Gute. Auch die Nachfrage bei Frauen sei viel höher, als die Zahlen zeigten.

Es fehlen Ärzte und Ärztinnen

„Wir finden nicht genug Ärzte“, so Klauke. Diese müssten im Checkpoint neben der eigentlichen Tätigkeit arbeiten. Die Behandlung von HIV-Infektionen bei nicht versicherten Menschen sei nicht kontinuierlich möglich, weil die Therapien teuer sind.

Das Gesundheitsamt hat das Projekt 2022 mit 51 000 Euro unterstützt. Auch das Infektiologikum und die Kassenärztliche Vereinigung beteiligten sich. In anderen Städten werden ähnliche Projekte vom jeweiligen Bundesland finanziert. Das Land Hessen beteiligt sich nicht an Checkpoint. „Dabei kommen mehr als 35 Prozent unserer Patienten nicht aus Frankfurt“, so Gute. Ein Teil komme sogar aus anderen Bundesländern.

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