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Jetzt trennen sich die Wege: Zoochef Miguel Casares geht zurück nach Spanien, Ameisenbär Falin bleibt in Frankfurt. Foto: Peter Jülich
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Jetzt trennen sich die Wege: Zoochef Miguel Casares geht zurück nach Spanien, Ameisenbär Falin bleibt in Frankfurt.

Zoo Frankfurt

Frankfurt: Zoodirektor Casares sagt adios

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Die Corona-Krise zwingt den Familienvater Miguel Casares nach fünf Jahren in Frankfurt heim nach Spanien. Dabei spürt er hier viel mehr „Champions League“ – in einem bestimmten Bereich.

Miguel Casares, seit drei Jahren Direktor des Frankfurter Zoos, verlässt die Stadt. Auf eigenen Wunsch wird er Ende Juni zu seiner Familie nach Spanien zurückkehren. Beruflich schließt er sich dann wieder dem Bioparc in Valencia an, den er selbst konzipiert hat.

Es sei „eine der schwersten Entscheidungen, die ich in meinem Leben treffen musste“, sagt der 55-Jährige. Corona und die damit verbundene Unsicherheit hätten eine Art Dauerstress verursacht, der seiner Familie in Spanien und ihm selbst allzu sehr zusetzte: „In einer normalen Welt hat das Pendeln gut funktioniert – jetzt geht es nicht mehr so weiter.“ Die Ehefrau, zwei Töchter und einige ältere Verwandte brauchten ihn. „Dieser Stress hinterlässt Wunden, die nicht von allein weggehen“, sagt er in großer Offenheit.

Casares war 2016 als stellvertretender Zoodirektor und Leiter der wissenschaftlichen Abteilung nach Frankfurt gekommen. Zwei Jahre später trat er die Nachfolge des scheidenden Direktors Manfred Niekisch an.

Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) bedauert den Abschied: „Miguel Casares hat den Zoo Frankfurt während der letzten drei Jahre inhaltlich und strukturell maßgeblich vorangebracht“, sagt sie. Für Zoo und Stadt sei sein Weggang ein großer Verlust. Casares’ Konzeptstudie „Zookunft2030+“ bildet die Basis für die Weiterentwicklung des Innenstadtzoos zu einem Zentrum des Artenschutzes.

Im Prinzip ist es der zweite Weggang. Schon vor gut 30 Jahren hatte Miguel Casares im Frankfurter Zoo gearbeitet, damals als Praktikant unter Direktor Richard Faust. Wer hätte geahnt, dass er einmal die Leitung übernehmen würde? Seine Rückkehr begann mit einem Paukenschlag: Schon möglich, dass wieder Elefanten auf dem Gelände im Ostend trompeten könnten, sagte er der FR 2017: „Ausgeschlossen ist das nicht. In Valencia gibt es ja auch welche.“

Sein Motto bei der Planung des Zoos der Zukunft: „Alles ist offen.“ Das war durchaus doppeldeutig zu verstehen – als Fülle an Möglichkeiten, aber auch als Beschreibung der Tieranlagen. Mehrere Arten ohne sichtbare Barrieren beieinander, fast wie in ihrer Heimat in den Steppen Afrikas oder Asiens, das ist eines der Ziele der „Zookunft2030+“. Elefanten, so viel steht inzwischen fest, werden dann doch nicht kommen. Trampeltiere wird es künftig auch keine mehr geben. Weniger, aber sinnvoller auf dem knappen Raum, lautet die langfristige Devise.

Als Direktor ist der leise Casares nach außen beinahe das Gegenteil seines lebhaften Vorgängers Niekisch. Inhaltlich kann er durchaus laut werden. Vor drei Jahren schlug er Alarm in Anbetracht der maroden Bauwerke teils aus dem 19. Jahrhundert: Sie seien „hoffnungslos veraltet“, so werde der Zoo „verkümmern, vielleicht sogar untergehen“.

Der Appell wirkte, die Stadt arbeitet an einer modernen Anlage. Dass auf dem Areal zudem das Frankfurt Conservation Center entstehen soll, ein Artenschutzzentrum von internationalem Rang, stieß Casares mit an. Seine letzte wichtige Neuerung war der „Naturschutz-Euro“ im März. Der Aufschlag auf den Eintrittspreis hilft bei Projekten der Zoologischen Gesellschaft und ihrer Partner in aller Welt.

Die Leitung des Zoos übernehmen vorerst Casares’ Stellvertreter Stefan Stadler und Verwaltungschefin Kerstin Schmitz. Eine öffentliche Stellenausschreibung soll schnell folgen.

Die neue politische Lage nach der Kommunalwahl habe keine Rolle bei seiner Entscheidung gespielt, sagt Casares, die Unterstützung der Stadt und seines Teams habe er stets dankbar gespürt. Er glaubt, dass sich die Visionen für den Zoo trotz Corona verwirklichen lassen. „Die Pandemie hat doch gezeigt, dass die Dinge manchmal schneller gehen, als man glaubt.“

In Spanien wird er auf seine alte Stelle zurückkehren und sich um die Koordination des Tierbestands in insgesamt vier Zoos kümmern. Was wird ihm fehlen, wenn er Frankfurt verlässt? „Dieses einzigartige Potenzial für Zooentwicklung mit Naturschutz“, sagt er. „Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt – das ist Champions League.“ Und die Tiere? „Tiere sind überall super.“

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