Schulen

Balancieren in den Pausen

  • Clemens Dörrenberg
    vonClemens Dörrenberg
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Die Ziegler-Schule hat einen neuen Pausenhof. Unterstützung kam vom Verein „Umweltlernen“ und von Schüler:innen selbst.

Frisch ist es am Freitagvormittag auf dem Pausenhof der Theobald-Ziegler-Schule. Sarah und Lilijana aus der 4a stört das kaum. Die Mädchen schaufeln Holzhäcksel von einem großen Haufen. Klassenkameraden verteilen mit Rechen die zerkleinerten Holzstückchen auf dem Boden um den „Balancierparcours“ herum. Auf dieser Art Schwebebalken können die Kinder künftig ihren Gleichgewichtssinn üben. Lilijana probiert es gleich mal gekonnt aus. „Am Anfang war es kalt“, sagt die Zehnjährige und weiter: „Aber beim Schippen wird einem schnell warm.“

Initiiert hat das Projekt der Verein „Umweltlernen“, der in diesem Jahr an 25 Frankfurter Schulen mit Schüler:innen ihre Pausenhöfe umgestaltet und Schulgärten angelegt oder weiterentwickelt hat. Trotz Einschränkungen durch die Pandemie seien insgesamt 200 Mädchen und Jungen dabei gewesen, berichtet Bernd Abraham vom Umweltlernen-Verein. Jan Pasternack, Sprecher des Bildungsdezernates der Stadt, sagt: „Durch ihre gemeinsamen Projekte sehen die Kinder, dass sie etwas bewirken können.“

Schon seit seiner Gründung vor einem Vierteljahrhundert kümmert sich Umweltlernen um „Freiflächen“ hinter Frankfurter Schulgebäuden. Das Stadtschulamt trägt die Kosten der Projekte, die je nach Aufwand bei „mehreren Tausend Euro“ liegen, wie Jürgen Blum vom Umweltlernen-Verein berichtet. Genauso wie die Schulen bei der Pausenhof- und Gartengestaltung berate der Verein auch das Amt bei der Planung von Außenflächen, wenn neue Schulen gebaut werden. Vom Naschgarten über das Kräuterbeet bis zur „Chill-Plattform“, die hinter der Theobald-Ziegler-Schule an den Balancierparcours anschließt: „Gemeinschaftsbildende Projekte und naturnahe, lebendige Lernorte entstehen“, sagt Abraham. Und die sollen möglichst vielseitig nutzbar sein: die Stämme des Schwebebalkens etwa als Sitzgelegenheiten für Unterricht im Freien und die hölzerne Plattform als Bühne.

Als „cool, schöner und anders als vorher“, bewertet die neunjährige Sarah die neuen Attraktionen auf dem Schulhof. Ihre beiden zehnjährigen Klassenkameraden Ayaz und Luka sagen, es sei vorher „gefährlich“ und „hässlicher“ gewesen. Dank der Holzhäcksel falle man, wenn man stürze, nun weich und nicht mehr auf Beton wie vorher. „Früher war alles Beton auf dem Pausenhof“, berichtet die ehemalige Rektorin Anita Weber, die einige Projekte wie den Aufbau eines großen Klettergerüstes angeschoben hat. Positiv findet sie vor allem die Mitarbeit der Schüler:innen: „Wenn man selbst was gemacht hat, fühlt man sich viel verantwortlicher dafür“, so Weber.

Ihre Nachfolgerin Christine Raab sagt: „Kinder gehen gerade in der Stadt immer weniger raus.“ Darunter würden ihre motorischen Fähigkeiten leiden. Dabei hätten sie „unheimlich große Freude“ an Bewegung.

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