Ein leerstehendes Gebäude an der Zeil am Frankfurter Opernplatz.
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Dieses seit Jahren größtenteils leerstehende Gebäude am Opernplatz könnte einem bis zu 60 Meter hohem Hochhaus weichen.

Corona-Pandemie

Zeil in Frankfurt: Corona leitet Wandel an der Einkaufsmeile ein – neues Hochhaus geplant

  • Christoph Manus
    vonChristoph Manus
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Die Frankfurter Zeil steht wegen Corona vor einem gewaltigen Umbruch. Mit einem Konzept gegen Leerstand und Verödung will Planungsdezernent Mike Josef den Wandel gestalten.

  • Die Corona-Pandemie hat auch die Frankfurter Einkaufsmeile Zeil getroffen
  • Viele Geschäfte mussten schließen – jetzt steht ein Wandel bevor
  • Es könnte ein neues Hochhaus am Opernplatz entstehen

Frankfurt - Obwohl das Warenhaus Karstadt an der Zeil fürs Erste gerettet ist, die Filiale zumindest noch vier Jahre und vier Monate geöffnet bleibt, steht die Einkaufsmeile vor einem gewaltigen Umbruch. Das hat der Frankfurter Planungsdezernent Mike Josef (SPD), der maßgeblich zur Einigung zwischen Vermieter und Warenhaus-Konzern beigetragen hat, am Montag deutlich gemacht. „Die Zeil, wie wir sie heute kennen, wird es in fünf bis acht Jahren nicht mehr geben“, sagte er vor Journalisten.

Bisher prägen große Textilkaufhäuser die Zeil, die Jahr für Jahr zu den meistbesuchten und umsatzstärksten Einkaufsstraßen in Deutschland zählt. Doch die Corona-Pandemie hat die schon länger bestehende Krise gerade des stationären Modehandels noch kräftig beschleunigt – und Frankfurt hart getroffen. Schon jetzt gibt es Leerstand. Karstadt Sports, eine Zara-Filiale und der große Esprit an der Hauptwache schließen bis Jahresende. Weitere Läden stehen auf der Kippe.

Leerstand und Verödung an der Frankfurt Zeil soll verhindert werden

Leerstand vermeiden, Verödung verhindern, den Strukturwandel in der Innenstadt gestalten: Das ist für das Planungsdezernat zu einem sehr dringlichen Thema geworden. Josef will sich mit allen Eigentümerinnen und Eigentümern von Immobilien an der Einkaufsstraße Zeil treffen. Schon in 1,5 bis zwei Jahren will er zudem einen Rahmenplan für die nördliche Innenstadt vorlegen, der Perspektiven aufzeigen soll.

Zugleich bewirbt sich die Stadt mit einem Konzept für die Innenstadt nach Corona beim Förderprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“. Es soll unter anderem um eine andere Nutzungsmischung im Gebiet innerhalb der Wallanlagen gehen sowie Möglichkeiten, die Entwicklung zu steuern.

In welche Richtung es gehen könnte, zeigt die Absichtserklärung, die die Stadt mit der Signa Holding des österreichischen Investors René Benko und dem zu Signa gehörenden Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof geschlossen hat. Danach ermöglicht die Stadt es Signa, den Karstadt Sports an der Hauptwache der Zeil durch ein Büro-, Wohn- und Geschäftshaus und eine gastronomische Nutzung zu ersetzen.

Die Corona-Pandemie trifft auch die Zeil schwer. Viele Geschäfte mussten schließen. Die Frankfurter Einkaufsmeile zählt normalerweise zu den umsatzstärksten in Deutschland. Auf diesem Bild von März 2020 ist es aber ungewöhnlich ruhig.

Neues Hochhaus am Frankfurter Opernplatz?

Die Stadt prüft zudem, ob ein früher von Mövenpick genutztes, nun seit Jahren leer stehendes 50er-Jahre-Gebäude am Opernplatz an der Zeil statt, wie bisher geplant, durch ein achtstöckiges Gebäude mit einer Mischung aus Einzelhandel, Gastronomie und Büros auch durch ein Hochhaus ersetzt werden könnte.

Er habe für den Erhalt der Arbeitsplätze bei Karstadt weder Steuergeld versprochen noch eine Zusage für einen möglichen Hochhausstandort gegeben, sagte Josef am Montag auf Fragen hin. Ihm sei klar, dass das Grundstück am Opernplatz an der Zeil an einer sehr sensiblen Stelle liege. Der Bau eines Hochhauses komme dort nur in Frage, wenn dieses den Opernplatz nicht noch mehr verschatte. Es gehe zudem höchstens um einen 60 Meter hohen Turm. Für ein Hochhaus an dieser Stelle müsse überdies der Bebauungsplan geändert werden. Der Turm könne also nur gebaut werden, wenn es dafür eine politische Mehrheit gebe.

Das sind die zehn höchsten Hochhäuser in der Frankfurter Innenstadt:

  • Commerzbank Tower (259 m)
  • Messeturm (256,5 m)
  • Westendstraße 1 (208 m)
  • Main Tower (200 m)
  • Tower 185 (200 m)
  • Omniturm (189,9 m)
  • Grand Tower (179,9 m)
  • Taunusturm (170 m)
  • Eurotower (148 m)
  • Nextower (136 m)

Langfristige Perspektive für Karstadt an der Frankfurt Zeil gewünscht

Für das Karstadt-Grundstück selbst betonte Josef, dass es nicht ausgeschlossen sei, dass es das Warenhaus an der Zeil – zumindest in komprimierter Form – auch über den vereinbarten Erhalt der Filiale bis Januar 2025 hinaus weiter geben könnte. Er brachte zudem ins Spiel, das Areal an der Zeil zumindest zum Teil kulturell zu nutzen, etwa als Museum.

Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende von Karstadt an der Zeil, Rainer Hopf, machte am Montag klar, dass der nun erzielte Kompromiss so sei, dass die Belegschaft mit ihm leben könne. Letztlich wünsche sich diese aber weiterhin eine langfristige Perspektive, zumal das Warenhaus an der Zeil bis heute stets schwarze Zahlen schreibe. Hopf zeigt sich „ein bisschen stolz“, dass es der Belegschaft gelungen sei, dass Aus noch abzuwenden. „Ohne die Politik hätten wir es nicht geschafft“, machte er aber klar. (Von Christoph Manus)

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