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Frankfurt: 30. Christopher Street Day mit Demo durch die Innenstadt

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Von: Kathrin Rosendorff

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Der Dyke*March zeigte am Freitag, wie vielfältig die lesbische und queere Community ist.
Der Dyke*March zeigte am Freitag, wie vielfältig die lesbische und queere Community ist. Renate Hoyer © Renate Hoyer

Zum 30. Mal trifft sich die queere Community in Frankfurt zum Christopher Street Day. An beiden Wochenend-Tagen gibt es ein Programm.

Frankfurt am Main – „Ich bin endlich ich“, betont Carina, die sich selbst als trans Frau definiert. Sie wirkt so entspannt wie fröhlich. Die 58-Jährige hat vier Kinder mit ihrer Frau, mit der sie immer noch verheiratet ist. Aber 2013 habe sie es nicht mehr ausgehalten wie ein Mann auszusehen und sich entschieden, auch optisch eine Frau zu werden. „Sonst wäre ich explodiert.“ Sie hofft an diesem Wochenende, tolle Menschen kennenzulernen. Carina steht am Freitagnachmittag unweit der CSD-Bühne auf der Konstablerwache, wo die ersten Besucher:innen zu Elektro-Beats tanzen.

Programm und Sicherheit

Am Samstag wird um 12 Uhr die Regenbogenfahne am Römer gehisst. Um 12.10 Uhr ist die offizielle Eröffnung. 12.30 Uhr geht es dann auf die Demostrecke. Gegen 16 Uhr endet die Demo in der Fahrgasse.

Das Fest an der Konstablerwache startet am Samstag ab 14 Uhr, am Sonntag ab 15 Uhr. Das komplette Programm: www.csd-frankfurt.de

Es gibt ein Sicherheitsteam auf dem Feiergelände und einen „Awareness-Bereich“ direkt an der Hauptbühne auf der Konstablerwache. Dort können Menschen, die sich bedrängt fühlen, Schutz finden. rose

Manche haben die Regenbogenfahne umgehängt, ein Herr trägt eine gehäkelte Regenbogen-Kippa. Am meisten freut sich Carina auf die Demo an diesem Samstag, wo sie mit ihrer Firma, eine Versicherung, als Fußvolk zwischen den Wagen mitlaufen wird. Die Demo startet um 12.30 Uhr. Über den Mainkai geht es auf eine große Runde durch die Innenstadt. Bis zum Ziel: die Fahrgasse. Waren es 2021 etwa 8000 Menschen, rechnet der Veranstalter, dass diesmal viel mehr los sein wird. Die Strecke ist extra verlängert worden.

Christopher Street Day in Frankfurt: Neuer Anlauf nach der Pandemie-Pause

Nach zwei Jahren Pause wegen der Pandemie soll das Programm rund um die Demo größer sein: Es ist die 30. Ausgabe des Frankfurter Christopher Street Day unter dem Motto „Und kein bisschen leise“. Bis Sonntag treten Dragqueens bis Poledancer:innen auf der Hauptbühne an der Konstablerwache auf. Aber es gibt auch queeren Poetry Slam; sogar die Band Mia („Tanz der Moleküle“) ist angekündigt.

Die Route der CSD-Demo führt durch die Frankfurter Innenstadt.
Die Route der CSD-Demo führt durch die Frankfurter Innenstadt. © FR

Erstmals ist auch eine Tanzbühne für lokale DJs am Regenbogenkreisel an der Alten Gasse aufgebaut. Aber der CSD soll eben nicht als „bunte Parade und nur Party“ missverstanden werden, sagt ein Besucher. „Es geht darum, dass wir uns zeigen. Wir müssen auch noch im Jahr 2022 für unsere Rechte kämpfen. Leider“, betont eine junge Frau, die sagt, sie sei asexuell. Sie selbst müsse sich immer wieder rechtfertigen, dass sie eben keinen Sex will. „Ich werde aber nicht auf der Straße angefeindet, weil man es mir eben nicht ansieht. Aber dass in Frankfurt nun öfter Menschen sogar geschlagen wurden, nur weil sie nicht der Norm entsprechen, ist asozial.“

Mann mit Regenbogen-Kippa am jüdischen Infostand.
Mann mit Regenbogen-Kippa am jüdischen Infostand. © Renate Hoyer

CSD-Besucherin über Anfeindungen: „Beim CSD muss man sich nicht erklären, bekommt keine blöden Blicke.“

Sie spricht über die gehäuften Angriffe auf queere Menschen in den vergangenen Monaten. Diese waren alle unweit der queeren Bars an der Konstablerwache oder am Regenbogenkreisel. Deshalb hat vor wenigen Tagen die Polizei mehr Präsenz im Viertel und beim CSD angekündigt. Bereits am Freitag laufen viele Polizist:innen rund um die Konstablerwache. Lea (35), die mit ihrer Freundin Anna (39) beim CSD ist, sagt: „Ich bin der Polizei gegenüber skeptisch, aber lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen.“

Als queeres Paar erlebten sie in der Stadt ständig Anfeindungen von Fremden. „Beim CSD muss man sich nicht erklären, bekommt keine blöden Blicke. Hier fühlt man sich normal. Einfach wie ein Mensch“, sagt Anna. (Kathrin Rosendorff)

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