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Frankfurt: Zauberwelt im Palmengarten

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Von: Thomas Stillbauer

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Wie im Traum: ein Lichtkristall vor dem Eingangsgebäude an der Siesmayerstraße.
Wie im Traum: ein Lichtkristall vor dem Eingangsgebäude an der Siesmayerstraße. © Peter Jülich

Es leuchtet, es summt – die „Winterlichter“ sind wieder da. Bis in den Januar können Besucherinnen und Besucher dem dunklen Alltag entfliehen.

Wenn Schweinchen an der Palmenhaus-Galerie entlangrennen und Haushaltsschläuche zauberhafte Szenen heraufbeschwören, dann ist die Welt wieder ein ganz kleines bisschen in Ordnung. Dann gibt es nach zwei dunklen Jahren endlich wieder „Winterlichter“ im Palmengarten.

Vorigen Winter fiel das bunte Leuchten aus, weil alles geschlossen war wegen Corona. Jetzt aber ist Wolfgang Flammersfeld mit seiner „World of Lights“, seiner Welt der Lichter, wieder da. Und, gut durch die Pandemie gekommen? „Bisher unproblematisch“, sagt er. Der Mann und sein Team beleuchten und verzaubern Außengelände. Das hilft jetzt sehr. Nicht nur ihm – auch dem Gemüt.

Das Staunen beginnt schon beim Hereinkommen. Überall sind Bäume beleuchtet. „Auch mal nach oben in die Krone gucken, wenn man drunter steht“, rät Flammersfeld. Diese Farben.

Die Winterlichter greifen auch das Leitthema des Jubiläumsjahres (150 Jahre Palmengarten) auf, die Blüten- und Bestäuberökologie, sagt Palmengarten-Direktorin Katja Heubach: „An der Villa Leonhardi treffen die Besucherinnen und Besucher auf einen leuchtenden, summenden Bienenschwarm.“

Im Oktagonbrunnen sorgt wieder eine gesprühte Wasserwand für einen der Höhepunkte: Der Projektor wirft abstrakte Farbspiele auf den Hydroschild – Freddie Mercury und Queen singen dazu „Somebody To Love“. Wenn alles steht. Gerade ist die Sprühvorrichtung mitten im Brunnen vom Sockel gerutscht und muss wieder aufgerichtet werden. Ein unerschrockener Mitarbeiter zieht eine Anglerhose an und watet dem Problem entgegen – zack, ist er ins eiskalte Wasser geplumpst.

„Lass dich ins Hotel fahren, zieh dich um!“, ruft Flammersfeld dem Kollegen zu. „Ach was!“ ruft der zurück, „ist ja nur das rechte Bein.“ Das Wasser ist von oben durch die Hose in den rechten Stiefel gelaufen. Der Mann arbeitet weiter. Was für ein Kontrast: So viel zarte Sinnlichkeit im illuminierten Palmengarten, an jeder Ecke ein romantisches Leuchten – und dazu die harten Kerle, die bei zwei Grad Außentemperatur mit einem Hosenbein voll Wasser weitermachen, als wäre nichts.

Viele Lastwagenladungen mit Technik haben sie installiert, 700 Scheinwerfer, zwölf Kilometer Kabel („locker!“) verlegt, mehr als 20 Objekte aufgestellt, illuminiert und mit sphärischen Klängen umgeben. „Es ist immer ein Spagat zwischen dem künstlerischen Anspruch und dem, was Kinder gern sehen wollen“, sagt Flammersfeld.

Dem Anspruch genügen etwa Projektionen auf die Palmenhauspforte (mit Musik von Sweet Smoke, 60er Jahre), auf Drahtgitter projizierte Dinos, Abflussrohr-Verteiler, die tanzende Lichtkegel auf die Wiese werfen (dazu R2D2-Töne) und vor allem: der Weiher mit der Grotte. Wie das Ensemble leuchtet, unten violett, oben in changierenden Farben: unvergesslich. Und weil es so viel zu beschreiben gibt, dass es gar nicht in eine Samstagausgabe passt, berichten wir einfach in der Montagausgabe weiter, mit vielen Fotos.

Vorher noch die Umweltdezernentin, die sich am Freitag ein Bild von der Pracht machte: „Die Winterlichter gehören zu meinen Lieblingsausstellungen“, sagt Rosemarie Heilig (Grüne), „geradezu magisch“, nennt sie sie. „Wenn jetzt noch Schnee dazu kommt, dann ist der Zauber perfekt.“ Ein möglichst umweltschonender Zauber übrigens; 95 Prozent der Strahler sind LED-Leuchten. „Wir verbrauchen hier in zwei Wochen weniger Energie, als wenn das Westfalenstadion einmal eingeschaltet wird“, sagt Wolfgang Flammersfeld. Man muss das verstehen, der Mann kommt aus Unna, das ist bei Dortmund umme Ecke.

Die Winterlichter leuchten bis 9. Januar täglich von 17 bis 21 Uhr, letzter Einlass 20 Uhr. Tickets ausschließlich online bei www.frankfurtticket.de – Freischaltung der Ticketkontingente wochenweise, jeweils montags für die Folgewoche. Im gesamten Palmengarten gilt 2G.

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