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Polizei im Einsatz (Symbolbild).

Polizei

Frankfurt: Zähe Ermittlungen nach Tod eines 16-Jährigen 

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Warum starb in Frankfurt ein 16-Jähriger? Die Behörden schweigen über den Fall vom Sommer 2018.

Ein halbes Jahr nach dem Tod eines 16-Jährigen in der Frankfurter Innenstadt ist die Todesursache noch immer unklar. Polizei und Staatsanwaltschaft gehen mittlerweile von einem Tötungsdelikt aus, doch selten haben sich die Ermittlungsbehörden bei einem ungeklärten Mordfall so in Schweigen gehüllt wie beim Tod des Offenbachers Sulemane Macele.

Eine Passantin hatte die Leiche des Jugendlichen am Nachmittag des 17. Juli vergangenen Jahres vom Eisernen Steg aus im Main treiben sehen und den Notruf verständigt. Die Polizei teilt den Umstand am Folgetag in dürren Worten mit. Die Feuerwehr habe den Leichnam geborgen, es handele sich um einen 16-Jährigen aus Offenbach, der am 16. Juli als vermisst gemeldet worden war. Bislang habe nicht zweifelsfrei geklärt werden können, „was letzten Endes zum Tode des Jungen geführt hat“, heißt es. Zwei Tage später, am 20. Juli, melden sich Polizei und Staatsanwaltschaft mit einem Zeugenaufruf zu Wort, dem ein Foto des Opfers beigefügt ist. Dazu eine Personenbeschreibung: „172 cm groß, 80 kg schwer, kräftige Statur, schwarzafrikanisches Erscheinungsbild, kurze, schwarze, krause Haare“. Am Sonntagabend, dem 15. Juli, sei er mit einem schwarzen Sweatshirt mit hellem Aufdruck „CK“, einer schwarzen Jeans und schwarzen Sneakers unterwegs gewesen. Die Polizei sucht Zeugen, die den 16-Jährigen in der Nacht von Sonntag auf Montag am Mainufer oder rund um den Eisernen Steg gesehen haben. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt setzt eine Belohnung in Höhe von 5000 Euro für Hinweise aus, „die zur Ermittlung und Ergreifung des oder der Täter führen“. Es ist die bislang letzte offizielle Verlautbarung der Ermittlungsbehörden zum Todesfall Sulemane Macele.

Frankfurt: Eltern über Untätigkeit fassungslos

Trotz der ausgesetzten Belohnung spricht die Polizei zu diesem Zeitpunkt offiziell noch immer nicht von einem Tötungsdelikt. Ein weiteres gerichtsmedizinisches Gutachten dazu stehe noch aus, teilt eine Polizeisprecherin der FR am 30. August auf Anfrage mit. Bei der nächsten Nachfrage heißt es, die Polizei sei nicht mehr auskunftsberechtigt, und es wurde an die Staatsanwaltschaft verwiesen. Die Staatsanwaltschaft teilt auf Anfrage mit, es gebe Spuren von Gewalteinwirkung, es werde wegen eines Tötungsdelikts ermittelt. Weiter heißt es nur: „Über Details, insbesondere was hier bereits ermittlungstechnisch getan wurde oder noch getan werden soll, werden keine Auskünfte erteilt“.

Für die Eltern ist der Verlust ihres Sohnes ein unermessliches Drama. Sie sind fassungslos und werten das Schweigen der Ermittlungsbehörden als Untätigkeit. Sulemane lebte bei seiner Mutter und ihrem Lebensgefährten. „Das macht uns verrückt, wir können nichts unternehmen“, sagt Miguel Magaia. Am 15. Juli, dem Tag des WM-Endspiels, habe er mit Sulemane den ganzen Tag an einem Schuhschrank gebaut. Abends sei sein Ziehsohn dann zunächst zu einem Public Viewing in Offenbach, um sich das Finale anzuschauen. Danach kam er kurz nach Hause, habe sich noch das schwarze Sweatshirt geholt und ging dann auf eine Geburtstagsfeier in Frankfurt. Auf die Party in der Amarula Bar in der Stiftstraße habe er sich schon seit Wochen gefreut, sagt seine Mutter Rosa.

Es war nicht die letzte Station von Sulemane und den vier Freunden, mit denen er losgezogen war. Bis in die Morgenstunden feiern sie an verschiedenen Örtlichkeiten. Dann verlieren sich die Freunde aus den Augen. Es gebe unabhängig davon „eine Vielzahl von Zeugen“, die Sulemane in der Nacht gesehen hätten, sagt Werner Wolf. Der von der Mutter und ihrem Lebensgefährten beauftragte Rechtsanwalt hatte Einblick in die Ermittlungsakte. Auch er hält sich zum Stand der Ermittlungen sehr bedeckt, betont aber, die Staatsanwaltschaft „betreibt einen enormen Aufwand“. Es seien aber „Ermittlungsmaßnahmen, die nicht unbedingt in die Öffentlichkeit gehören“. Rosa Macele hingegen beklagt, der Anwalt würde sich gar nicht mal bei ihr melden. Es wird viel geschwiegen beim Todesfall Sulemane Macele.

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