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„Blamage“: Heftige Reaktionen auf Berufung von Prügel-Politiker ans Frankfurter Konsulat

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Von: Florian Leclerc

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Am 14. Mai 2014 trat Yusuf Yerkel einen Demonstranten.
Yusuf Yerkel trat am 14. Mai 2014 einen Demonstranten. Jetzt soll er Handelsattaché beim türkischen Generalkonsulat in Frankfurt werden. © dpa

Yusuf Yerkel trat 2014 einen Demonstranten. Nun soll er Handelsattaché beim türkischen Generalkonsulat in Frankfurt werden. Das Auswärtige Amt äußert sich in der Sache.

Frankfurt – Im Fall der umstrittenen Berufung von Yusuf Yerkel zum Handelsattaché beim türkischen Generalkonsulat in Frankfurt äußert sich nun das Auswärtige Amt. Bislang sei dem Auswärtigen Amt die Entsendung nicht gemeldet worden, teilte Anna Lührmann (Grüne), Staatsministerin im Auswärtigen Amt, mit.

Weiter: „Sollte dem Auswärtigen Amt jedoch in den kommenden Tagen oder Wochen von türkischer Seite die Entsendung von Herrn Yerkel als Mitarbeiter des türkischen Generalkonsulats in Frankfurt am Main notifiziert werden, so werden wir diese Personalie sehr eingehend und unter Berücksichtigung aller innen- und außenpolitischen Konsequenzen einer Entscheidung prüfen.“

Prügel-Politiker soll Handelsattaché in Frankfurt werden: Breites Bündnis gegen Berufung von Yerkel

Der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) hatte zuvor Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) in einem Brief um eine Einschätzung der Situation gebeten. Yerkel hatte im Jahr 2014 nach einem Grubenunglück in der Stadt Soma auf einen wehrlosen Demonstranten eingetreten. Das Bild ging um die Welt und sorgte international für Aufsehen.

In Frankfurt hatte ein breites Bündnis von Organisationen und Politiker:innen zum Protest gegen die Berufung von Yerkel zum Handelsattaché aufgerufen. Im Januar kamen etwa 200 Menschen vor dem türkischen Generalkonsulat an der Kennedyallee zusammen, um gegen die Entsendung zu protestieren.

Große Sorge bei Entsendung von Yusuf Yerkel in Frankfurt: „Blamage für unsere Demokratie“

Bektas Maksut, Mitglied des Alevitischen Kulturvereins, nannte die Berufung eine „Blamage für unsere Demokratie“. Die Landtagsabgeordnete Saadet Sönmez (Linke) forderte ein „klares Zeichen der deutschen Regierung“ gegen die Entsendung. Philipp Jacks, der Geschäftsführer des Deutschen Gewerkschaftsbunds, sah die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und der Türkei in Gefahr.

Kritik kam darüber hinaus vom Frankfurter Grünen-Landtagsabgeordneten Taylan Burcu, dem Landtagsabgeordneten Turgut Yüksel (SPD), außerdem von Arif Arslaner, Geschäftsführer der Bildungs-GmbH Kubi, und Ertan Köse, Vorsitzender des deutsch-türkischen Handelsverbands Atiyab.

Magistratsmitglieder in Frankfurt, etwa die zuständige Wirtschaftsdezernentin Stephanie Wüst (FDP) und der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann, haben lange mit einer klaren Stellungnahme gezögert. Nun sagte Feldmann: „Ich verfolge die Diskussionen um eine mögliche Entsendung von Herrn Yerkel nach Frankfurt nach wie vor mit großer Sorge. Es ist gut, das Auswärtige Amt in dieser Angelegenheit eng an unserer Seite zu wissen.“ (Florian Leclerc)

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