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Frankfurt: Wut in den Kleingärten - „Die Stadt grätscht uns dazwischen“

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Von: Thomas Stillbauer

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Kleingärten sind sehr begehrt in der Stadt –  die Wartelisten sind lang.
Kleingärten sind sehr begehrt in der Stadt –  die Wartelisten sind lang. © Rolf Oeser

Frankfurter Schreberinnen und Schreber vermissen Konzept und Flexibilität bei der Stadt. „Zum Trotz“ planen sie jetzt eine Streuobstwiese statt einer Gartenanlage.

Frankfurt – Die Kleingärtnerinnen und Kleingärtner sind sauer auf die Stadt Frankfurt. Jedenfalls die im Regionalverband R.V. Kleingärtner vereinigten Gartenfreunde. Jedenfalls auf das Planungsamt, auf das Umweltamt, auf die Untere Naturschutzbehörde beim Umweltamt und auf das Grünflächenamt.

Warum? „Egal, wo wir etwas anstoßen wollen“, beklagt Verbandsvorsitzender Oliver Lang, „die Stadt grätscht uns dazwischen.“ Das sei in Bonames so, in Zeilsheim, und das gehe schon mit dem Kleingartenentwicklungskonzept los, kurz KEK.

„Das von uns erneut mit angestoßene Projekt ist nun zum zweiten Mal, nachdem es vor rund zehn Jahren schon mal im Sande verlaufen ist, erneut im städtischen Schlamm hängen geblieben“, sagt Lang. Seit dem vergangenen Sommer habe sich nichts mehr getan.

Frankfurt: Kleingärtnerverband will neue Gebiete erschließen

Tatsächlich findet sich in den Parlamentsunterlagen der letzte Eintrag im Juli 2021: Die Bestandserfassung der rund 15.000 Kleingärten und die Datenauswertungen seien abgeschlossen. Es sei „vorgesehen, das abgestimmte Kleingartenentwicklungskonzept noch im Jahr 2021 vorzustellen“. Was dann nicht geschah. Lang: „Die Ämter der Stadt Frankfurt sind schwerfälliger als ein Öltanker, die Ergebnisse verzögern sich wie der Flughafenbau in Berlin und Entscheidungen sind nicht transparent, teils willkürlich getroffen.“

Die Kleingärtner hätten gern Nägel mit Knöpfen gemacht, ein neues Kleingartengebiet auf 3800 Quadratmetern in Frankfurt-Zeilsheim eröffnet und den Bürger:innen vor Ort zur Verfügung gestellt. „Es hieß: Reicht mal einen Antrag auf Ausnahmegenehmigung ein“, berichtet Lang. „Das haben wir gemacht. Der Antrag wurde abgelehnt und wir mussten 100 Euro bezahlen.“ Begründung: Das Gebiet nahe dem Welschgraben sei landwirtschaftliche Fläche. Die Kleingärtner argumentieren, dort seien früher Gärten gewesen, in der Nachbarschaft seien auch Gärten.

Kleingärten in Frankfurt: „Felsbrocken vor die Füße geworfen“

Doch die bürokratischen Hürden seien immens, den Willigen würden immer neue „Felsbrocken vor die Füße geworfen“. Deshalb hätten sie nun beschlossen, „zum Trotz“ statt der Gärten eine Streuobstwiese anzulegen. „Die Kleingärtner:innen können auch anders!“, verkünden sie. Die Fläche sei gerodet, im nächsten Herbst sollen die Bäume gepflanzt werden. „Ob sich dies offiziell Kleingarten nennt oder nicht, ist diesmal tatsächlich egal.“ Unterstützer:innen und Spenden sind willkommen.

„Es ist bekannt, dass in Frankfurt Kleingärten fehlen, aber niemand tut was dagegen, echt ,cringe‘, um in der jungen Umgangssprache zu bleiben“, lästert Lang. Er verweist auf den Plan des Verbands, am Bonameser Nordpark ein Areal mit Wildobst zu bepflanzen, passend zum Projektgebiet „Städte wagen Wildnis“ dort. Auch das sei von den Ämtern verhindert worden. „Es zieht sich durch unsere Projekte wie ein roter Faden“, ärgert sich Lang. „Alle reden von Naturschutz und Klimawandel, aber keiner macht wirklich was.“ Die Kleingärtner:innen seien proaktiv tätig und engagierten sich für eine „Green City“.

Das Umweltdezernat konnte am Freitag nichts Fundiertes zu den Vorwürfen sagen, was ihm aber nicht vorzuwerfen ist; die Klagen der Kleingärtner gingen erst am Nachmittag ein. Näheres soll in dieser Woche folgen. (Thomas Stillbauer)

Im Sommer gab es zudem Streit um die Kleingartenanlage an der Frankenallee in Frankfurt. Die Stadt beansprucht die Fläche für einen neuen Rad- und Gehwegtunnel.

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