1. Startseite
  2. Frankfurt

Frankfurt: Wut auf das Kriegsdenkmal

Erstellt:

Von: Thomas Stillbauer

Kommentare

Viel zu tun: Fachleute entfernen die Farbe von den Innenwänden des Ehrenmals.
Viel zu tun: Fachleute entfernen die Farbe von den Innenwänden des Ehrenmals. © Monika Müller

Unbekannte beschmieren die Rotunde auf dem Frankfurter Hauptfriedhof, weil sie angeblich Nazis verherrliche. Die Deutung ist umstritten.

Das Kriegsopfer-Ehrenmal auf dem Hauptfriedhof, auch bekannt als Rotunde, ist Ziel eines Farbangriffs geworden. Schon vor fast drei Wochen, in der Nacht zum 12. August, haben Unbekannte die Aufschrift außen am Gebäude verändert: Statt „Den Opfern“ sollte nach ihrem Willen nun „Den Tätern“ zu lesen sein. Im Inneren der nach oben offenen Halle bemalten sie die Wände mit schwarzer und roter Farbe. Über der Skulptur des liegenden Soldaten schrieben sie an die Wand: „Kein Denkmal der SS!!!“.

In einem Bekennerschreiben auf der Internetplattform Indymedia formulierten sie anonym dazu, das „monströse Denkmal“ sei „ganz klar den Tätern des NS-Terrors gewidmet“. Die Gruppe, die sich als Antifaschist:innen bezeichnet, prangert besonders an, dass auf dem benachbarten Gräberfeld „nachweislich SS-ler und Kriegsverbrecher“ bestattet seien. Ein weiteres Denkmal in der Nähe, das an die ermordeten Euthanasieopfer in der damaligen „Landesheil- und Pflegeanstalt“ Hadamar erinnert, einer Tötungsanstalt des Hitler-Regimes, sei dagegen weitaus kleiner.

Als eine beauftragte Firma am Dienstag die Schmierereien beseitigt, sind auch die erst kürzlich geschlüpften Kröten am Wassergraben rund ums Ehrenmal in Aufruhr – nicht größer als ein Fingernagel, hüpfen sie über die Wiese und in den Teich.

Das Kriegsopfer-Ehrenmal, eine Arbeit des Architekten Hermann Senf aus dem Jahr 1928, galt ursprünglich den im Ersten Weltkrieg Gefallenen, Vermissten und nachträglich Verstorbenen aus Frankfurt. Die liegende Soldatenfigur entstand nach einem Entwurf von Paul Seiler. Später, als der Ehrenfriedhof erweitert wurde, fügte die Stadt dem Text der Gedenktafel auch die Gefallenen aus dem Zweiten Weltkrieg hinzu. Auf dem Friedhof in dem Geländeabschnitt sind Tausende deutsche Soldaten und zivile Opfer, aber auch einstige Kriegsgefangene, Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter sowie von den Nationalsozialisten Ermordete begraben. Der Friedhofsexperte Hans Günter Thorwarth, der sich intensiv mit dem Ort beschäftigt und dort Führungen geleitet hat, nannte die Angaben im Bekennerschreiben historisch falsch.

Anzeige wurde erstattet. Das Grünflächenamt kündigte an, sich am Mittwoch zu äußern.

Auch interessant

Kommentare