Der Kinder-Fahrrad-Korso demonstriert für mehr Rücksicht auf junge Radfahrer im Straßenverkehr.

Initiative Radentscheid

„Kidical Mass“ in Frankfurt: Sie wollen die autofreie Stadt

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Die Initiative Radentscheid bringt gut 400 Eltern und Kinder zum Fahrrad-Corso auf die Straße.

Ella und Remco sind am Sonntagnachmittag die jüngsten Verkehrsteilnehmer auf der dreispurigen Mainzer Landstraße. Überhaupt sind die Vier- und der Dreijährige erst seit kurzem auf zwei Rädern unterwegs. Zwischen all den großen Velos sitzt das Mädchen auf einem Kinderrad mit Leucht-Fähnchen am Gepäckträger und der Junge auf einem Laufrad ohne Pedale.

Die beiden fahren mit bei der „Kidical Mass“, die sich am Sonntag erstmals durch die Frankfurter Innenstadt schlängelt. Etwa 300 bis 400 Teilnehmer sind laut eines Polizeisprechers zusammen gekommen. Nach dem Vorbild der „Critical Mass“, bei der sich Radler seit Jahren an zwei festen Terminen im Monat an der Alten Oper treffen, um zusammen im Verbund durch die Stadt zu fahren, haben die Initiatoren des Frankfurter Radentscheids Kinder und ihre Eltern zum gemeinsamen Fahrrad-Corso eingeladen.

Für Kinder in Frankfurt ist es normal, dass Autos die Straße beherrschen“, sagt Katharina Knacker vom Radentscheid-Team. In Städten wie Amsterdam und Kopenhagen kämen „alle Menschen mit dem Fahrrad schneller und sicherer durch die Stadt“. Den Teilnehmern ruft sie zu: „Warum geht das nicht auch in Frankfurt?“ Mit Klingeln signalisieren diese ihre Zustimmung. Remcos Mutter Ulrike Bellmann sagt: „Allein für die Kinder ist es schon ein Event auf der Straße fahren zu dürfen“. Sie sei ein „Fan der autofreien Stadt“. Deshalb lebe man dort: „Damit man kein Auto braucht“, fügt sie hinzu.

Einige Kinder sitzen in Lastenrädern, die ihre Eltern lenken, andere in Anhängern oder Kindersitzen auf dem Gepäckträger. Bei Pausen werden Tupperdosen mit Keksen herum gereicht. Die achtjährige Ava und ihr Vater Gregor Becker-Knüttel strampeln synchron auf einem Tandem.

"Kidical Mass": Ein Vater erzählt vom Unfall seines zwölfjährigen Sohnes

Erst vor kurzem habe ein Auto seinen zwölfjähriger Sohn auf dem Rad im Sandweg erfasst. Zwar sei der Junge mit dem Schrecken und Schürfwunden davon gekommen. Trotzdem findet der Vater die Verkehrssituation dort viel zu eng. Links und rechts parkten Autos und es gebe kaum ein Durchkommen für Radler, wenn Autos vorbeifahren würden. „Der Platz muss besser verteilt werden“, sagt Becker-Knüttel.

Die Route des Radcorsos führt von der Alten Oper über den Platz der Republik an der Messe vorbei zur Senckenberganlage, über die Bockenheimer Landstraße zurück zur Oper und von dort in den Grüneburgpark. Zwei Polizeiautos und drei Motorräder sichern den Demo-Zug.

Zoë (links, 12) und Paula (11) von der IGS Nordend radeln mit.

Aber vor allem sind es mehr als 20 Mitstreiter des Radentscheids, die rote Leibchen tragen und mit ihren Rädern an Kreuzungen „korken“. Das heißt, sie blockieren Fahrzeuge, was erlaubt ist. Laut Straßenverkehrsordnung darf ein Verbund von mehr als 15 Radfahrern gemeinsam eine Kreuzung überqueren, auch wenn diese zwischenzeitlich auf Rot umgesprungen ist.

Das scheint insbesondere für die jüngsten Teilnehmer alles sehr aufregend zu sein. Julian Kirsch, Vater von Ella, sagt: „Ich habe ihr an der ersten und zweiten Ampel gesagt, dass wir heute weiter fahren dürfen“. Es sei quasi ihre erste längere Tour, sonst radle seine Tochter nur zum Spielplatz und zurück, berichtet der zweifache Vater. „Ich will, dass unsere Kinder später mal sicher Rad fahren können“, ergänzt er.

Die „Kidical Mass“wird am 26. Mai wiederholt. Ziel ist dann der Hafenpark. Am 16. Juni soll zum Günthersburgpark geradelt werden. Start ist jeweils um 15.30 Uhr an der Alten Oper.

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