Interview

Frankfurt und seine Skyline: „Trendsetter bei Standards für Hochhäuser“

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
    schließen

Hans-Georg Dannert vom Umweltamt über klimafreundliche Wolkenkratzer und die Hoffnung auf eine internationale Bauausstellung in Frankfurt.

Herr Dannert, die Skyline wächst und wächst – was bedeutet das für die Umwelt in der Stadt?

Wir müssen mehrere Punkte betrachten. Im Vordergrund steht die Klimafrage: Da geht es um die Durchlüftung der Stadt, da geht es um Windkomfort – wie zugig ist es? –, es geht aber auch um die Hitze in der Stadt, um Grün und besonders um das Thema Bodenverbrauch: Wie viel Boden möchten wir versiegeln?

Vom Bodenverbrauch her wären Hochhäuser zu bevorzugen?

Ja. Wenn es gut gemacht ist, wenn es gute ökologische Standards erfüllt, dann haben wir den Bodenverbrauch eingegrenzt und bündeln auch einiges in einem Hochhaus: Es gibt kurze Wege mit einer guten Energieversorgung. Es kommt aber auch darauf an, wie die Art der Fassade ist, ob die Form aerodynamisch ist, wo das Haus steht, wie es steht – allein oder im Pulk –, wie die Ausrichtung ist.

Hans-Georg Dannert, Jahrgang 1962, ist Abteilungsleiter für Stadtklima und Klimawandel im Frankfurter Umweltamt.

Wie sollte ein Hochhaus stehen aus Ihrer Sicht?

Verstreute Standorte im Stadtgebiet sind nicht wünschenswert. Daher sind im Zuge des Hochhausrahmenplans sogenannte Pulks gebildet worden. Das macht auch Sinn.

Warum?

Weil jedes Hochhaus eine Auswirkung auf das direkte Umfeld hat. Es ist überhaupt nicht möglich, dass man nichts im bodennahen Umfeld spürt.

Es geht um die Winde, die um das Haus herum entstehen?

Hochhäuser können, je nachdem, wie hoch sie sind, Winde aus höheren Atmosphärenschichten ins Bodenniveau herunter lenken, und dann wird es sehr zugig. Verschattung ist auch eine Auswirkung. Wir schauen: Ist Wohnbebauung in der Nähe, dann ist es sensibler zu betrachten. Man gruppiert Hochhäuser aber auch, um ein Stadtbild zu erzeugen, das nicht zersiedelt wirkt.

Wie sehr setzen Sie auf klimafreundliche Bauweise?

Das ist die spannende Herausforderung für die Zukunft. Wir sind und waren in allen Zeiten Trendsetter mit den Hochhäusern. Damit kann man sehr deutlich Entwicklungen zeigen: Städtebau im Klimawandel. Da haben Hochhäuser einiges zu bieten, etwa beim Wasser- und Energiesparen. Wir haben in Frankfurt etwa den Tower 185, der beim LED-Standard mit Gold zertifiziert wurde und auch nicht diese typische Glasfassade hat, sondern mal wieder mit Steinen arbeitet. Hochwertiges Bauen, grünes Bauen ist das Ziel, vor allem in den unteren Stockwerken, dort, wo es sich auch auf das Stadtklima auswirkt.

Sie bauen auch auf eine Signalwirkung?

Ich fände es regelrecht toll, wenn es in Frankfurt eine internationale Bauausstellung gäbe, wenn wir da mit unseren Hochhäusern auch im Zeichen des Klimawandels etwas zeigen und nicht nur für Frankfurt das Bauen der Zukunft definieren könnten.

Wie prüft man, ob ein Hochhaus die Standortkriterien erfüllt ?

Man kann Modelle in den Windkanal stellen oder mit dem Rechner simulieren, was um ein Hochhaus herum passiert.

Machen Sie das im Umweltamt?

Wir machen hier Analysen zur Strömung und zur Temperatur für niedrigere Bebauungen. Einen Windkanal haben wir hier nicht, das muss extern beauftragt werden.

Was sagen Sie aus Umweltsicht: Sind Hochhäuser gut oder schlecht?

Ich kann, wenn man die Umweltgesichtspunkte beim Bau berücksichtigt, recht gut mit Hochhäusern leben. Wenn sie im Stadtgebiet keine Wohnbebauung verdrängen, keine Parkanlagen oder Straßenbereiche entwerten, weil es zu zugig wird...

Gibt es solche Bereiche?

Das ist in Frankfurt hier und da passiert. Der Jürgen-Ponto-Platz wird da oft genannt: Da steht ein Bau leider überhaupt nicht gut und hat dazu geführt, dass der Platz einen ganz schlechten Windkomfort hat. Ansonsten ist wenig gegen Hochhäuser einzuwenden, wenn man sie gut gruppiert und ökologisch baut.

Am Messeturm zieht es einem auch oft den Hut vom Kopf.

Ja, da sind Bereiche, da fegt es ordentlich, bei Kastor und Pollux auch. Man wird es nicht gänzlich vermeiden können, weil es immer unterschiedliche Windrichtungen gibt.

Welche Beschwerden äußert die Frankfurter Bevölkerung über Hochhäuser?

Es gibt immer wieder mal die Sorge, dass Hochhäuser die Belüftung der Stadt abschneiden. Das ist auch ein Thema, deshalb schauen wir uns das genau an. Hochhäuser können zeitweise sogar zur Belüftung von einzelnen Zonen beitragen. Das ist aber ein zweischneidiges Schwert, weil es eben schnell zugig werden kann. Klar, die Menschen schauen sich das an – in Hochhäusern ist oft eine Welt, mit der sie nicht viel zu tun haben. Da kommt dann auch schon mal die Frage: Was ist mit grünen Fassaden?

Werden mehr davon kommen?

Das entwickelt sich. Da geht mehr, Architekten haben das in ihren Entwürfen inzwischen drin.

Stimmt der Eindruck: Bürger kritisieren heute durchaus klimabewusst und eher selten, weil ihnen ein Hochhaus die Sonne wegnimmt?

Interessanterweise ja. Wir achten aber auch sehr darauf, Hochhäuser möglichst nicht so zu setzen, dass Tageslicht verloren geht. Das gewährleisten der Hochhausrahmenplan und die Bebauungspläne. Es ist aber auch außerhalb von Bebauungsplänen im Bauantragsverfahren stets ein wichtiger Punkt, dass man sich vor solch einem Projekt mit den Nachbarn einigt. (Interview von Thomas Stillbauer)

Rubriklistenbild: © Arne Dedert / dpa / picture alliance

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare