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Unter der Decke des Foyers von Oper und Schauspiel hängt die Plastik „Goldwolken“ des Künstlers Zoltán Kemény.  

Pläne

Frankfurt: Wolkenfoyer soll gerettet werden

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Die Stadt will Teil der alten Theaterdoppelanlage in einen Neubau der Bühnen integrieren.

In die Debatte um die Zukunft der Städtischen Bühnen kommt auf erstaunliche Weise Bewegung. Das heutige Wolkenfoyer der Theaterdoppelanlage am Willy-Brandt-Platz, die aus dem Jahr 1963 stammt, soll in einen künftigen Neubau der Bühnen dort integriert werden. Das hat die Frankfurter Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) im Gespräch mit der FR angekündigt. Diese Haltung habe sie gemeinsam mit der städtischen Stabsstelle zur Zukunft der Bühnen und Planungsdezernent Mike Josef (SPD) entwickelt. Michael Guntersdorf, der Leiter der Stabsstelle, bereitet mit seinem Team zurzeit einen internationalen Architekturwettbewerb für einen weitgehenden Neubau der Bühnen vor. Er soll im Frühjahr 2021 ausgeschrieben werden, wie Guntersdorf der FR sagte.

Aufgabe des Wettbewerbes müsse es sein, „den Denkmalwert des Foyers zu retten und in etwas Neues zu überführen, in ein Gebäude des 21. Jahrhunderts“, so die Kulturdezernentin. „Das Wolkenfoyer ist ein Statement“, urteilte die Sozialdemokratin. Der Denkmalwert beziehe sich aber ausdrücklich nur auf das langgestreckte Wolkenfoyer am Willy-Brandt-Platz, nicht auf den Rest des Gebäudes. Zu diesem Ergebnis ist auch das Hessische Landesamt für Denkmalpflege gekommen. Der für Frankfurt zuständige Kurator Heinz Wionski hatte am 29. August 2016 im Gespräch mit der FR bereits erklärt, er halte das verglaste Wolkenfoyer von Oper und Schauspiel für insgesamt schützenswert.

Diese Haltung bekräftigt jetzt noch einmal ein Gutachten des Landesamtes, das der Stadt zugegangen ist. Wionski sagte der FR am Freitag, die Denkmalpfleger und die Stadt sähen die Zukunft der Theaterdoppelanlage als „Herausforderung“ an, die sie „gemeinsam“ bewältigen wollten.

Die „konstruktiven Gespräche“ zwischen dem Landesamt und der städtischen Stabsstelle darüber seien im Gange. Beide Seiten sind erkennbar bemüht, keinen Konflikt um den Denkmalschutz entstehen zu lassen. Zuletzt hatte es beim Umbau der denkmalgeschützten Großmarkthalle im Ostend für die Bedürfnisse der Europäischen Zentralbank (EZB) heftige Auseinandersetzungen mit dem Denkmalschutz gegeben. Wionski hob hervor, dass das Wolkenfoyer denkmalwert sei, bedeute keineswegs, dass es auch unter Schutz gestellt werde. Genau deshalb spreche man mit der Stadt.

Marc Chagalls Werk erhalten

Auch Planungsdezernent Mike Josef (SPD), dem das städtische Denkmalamt untersteht, bestätigte der FR: „Wir wollen das Wolkenfoyer in den Neubau der Bühnen integrieren.“ Das gelte auch für die Wolkenskulptur des ungarischen Künstlers Zoltán Kemény, die über dem langgestreckten Saal des Foyers hängt. Und natürlich für andere Kunstwerke, wie etwa die große Arbeit des Malers Marc Chagall, die heute an der Stirnseite des Chagallsaales im Foyer hängt. Der Künstler hatte „Commedia dell’arte“ seinerzeit überraschend eigens für den Bühnenneubau gefertigt. Der Entwurf für die 1963 eröffnete Theaterdoppelanlage stammt von dem Architekturbüro Apel/Beckert/Becker.

Auf die Frage, ob auch sie glaube, dass der Architektenwettbewerb für den Neubau der Bühnen im Frühjahr 2021 ausgeschrieben werden könne, sagte die Kulturdezernentin: „Wir nehmen uns die Zeit, die wir brauchen.“ In der Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen gibt es derzeit keine Einigkeit über den Standort eines Neubaus. Sozialdemokraten und Grüne befürworten den Willy-Brandt-Platz, die CDU hingegen schlägt einen Neubau auf einem städtischen Grundstück im Osthafen vor, das heute noch an den Baustoffhandel Raab Karcher verpachtet ist.

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