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Angeboten werden Wohnungen in Frankfurt durchaus. Meist sind sie aber sehr teuer.

Flüchtlingsmanagement

Frankfurt: Wohnsituation für Geflüchtete oft schwierig

  • Steven Micksch
    VonSteven Micksch
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Rund 7300 Menschen leben in Frankfurt in Unterkünften. Ein Großteil von ihnen sind Geflüchtete. Für die meisten ist es unmöglich bezahlbaren Wohnraum zu finden. Selbst die Plätze in den Flüchtlingsunterkünften reichen nicht.

Ibrahim Baso ist seit sechs Jahren in Deutschland. Der 29-Jährige floh damals aus Syrien nach Europa. Seit drei Jahren lebt der Mann mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in der Flüchtlingsunterkunft in Nieder-Erlenbach. Baso beklagt die Zustände in der Unterkunft und sucht sehnlichst eine Wohnung.

Der Familienvater arbeitet in Teilzeit als Sicherheitskraft am Frankfurter Flughafen – meistens in der Nachtschicht. Durch die Lautstärke in der Unterkunft fällt es ihm schwer, tagsüber zu schlafen. Seine Frau hat Probleme mit dem Knie und muss bald operiert werden. Das Laufen fällt ihr schwer. Ibrahim Baso zeigt Bilder vom Hautausschlag seiner Tochter nachdem sie im Sandkasten gespielt hatte. Auch gebe es Ratten auf dem Gelände. Der Mann aus Syrien möchte gern in eine eigene Wohnung ziehen.

Seit knapp sieben Monaten ist er beim Wohnungsamt gemeldet, doch bezahlbarer Wohnraum ist knapp in Frankfurt. Auf privatem Weg eine Wohnung zu bekommen, klappt für Baso nicht, weil er nur in Teilzeit arbeiten kann, so lange seine Frau angeschlagen ist und sich nur schwer um die Kinder kümmern kann. Eine vertrackte Situation.

Auf die FR-Nachfrage beim Sozialdezernat antwortet Robert Standhaft, Büroleiter bei Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU). Nach Rücksprache mit dem Betreiber der Unterkunft, dem evangelischen Verein für Wohnraumhilfe, erklärt er, dass es tatsächlich eine Rattenproblem in der Unterkunft Nieder-Erlenbach gibt. „Die Ursache dafür liegt auf einem Nachbargrundstück“, sagt Standhaft. Ein Schädlingsbetrieb sei damit beauftragt, das Problem zu lösen. Auch das Ordnungsamt ist informiert.

Über den Sand im Sandkasten habe es bisher keine Beschwerden gegeben, sagt er. Er werde regelmäßig kontrolliert. Warum das Mädchen einen Ausschlag bekommen hat, könne man sich nicht erklären.

Das Problem mit dem Finden einer passenden Wohnung kennt man im Dezernat nur allzu gut. Nur wenige verfügen über ausreichend Mittel, um sich auf dem freien Markt eine Wohnung zu sichern. Zwar bezahlt das Amt auch Wohnungen, doch die meisten lägen über dem Mietspiegel und seien deswegen nicht geeignet. „Für Wohnungen in der Innenstadt gibt es sogar Zuschläge, damit die Menschen auch dort wohnen können“, sagt Standhaft. Reichen würde dies trotzdem selten.

Zu wenig große Wohnungen

Basos Geschichte ist beispielhaft für so viele geflüchtete Familien in Frankfurt. Die Unterkunft Nieder-Erlenbach wurde 2017 eröffnet. Zehn Familien leben zur Zeit dort – insgesamt 48 Personen. Im Laufe der Zeit sind nur vier Familien aus dieser Unterkunft ausgezogen, weil sie privat eine Wohnung gefunden haben.

Die meisten Familien sind beim Amt für Wohnungswesen gemeldet und warten auf einer Liste auf eine Wohnung. Doch gerade größere Wohnungen seien in Frankfurt unterrepräsentiert. Die Geflüchteten dürfen sich auch erst beim Amt um eine Wohnung bewerben, wenn sie ein Jahr in Frankfurt gelebt haben. Es beginne erst, wenn sie in Deutschland auch anerkannt sind.

Standhaft erklärt, dass es etwa 7300 Menschen in Unterkünften gibt (4000 Geflüchtete, 3300 Frankfurter:innen ohne Wohnung). Dazu zählen auch etwa 1300 Menschen, die in Hotels untergebracht wurden. „Diese Zahl haben wir aber bereits reduziert.“ Hotelunterbringungen seien temporäre Lösungen, wenn Einrichtungen keinen Platz mehr haben. Deshalb versuche die Stadt auch weiterhin neue Flüchtlingsunterkünfte zu schaffen – auch um die Zahl der Menschen in Hotels noch weiter zu reduzieren. Aktuell würden etwa acht Geflüchtete pro Woche nach Frankfurt kommen.

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