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Eigentlich sollte hier die European School of Design hinziehen.

Hintergrund

Wohnen am Paradieshof könnte Realität werden

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Baudezernent Jan Schneider (CDU) schlägt eine neue Nutzung für das umkämpfte Areal in Sachsenhausen vor. Damit erteilt er der European School of Design eine endgültige Absage.

Sechs Jahre hat die European School of Design (ESD) in Bockenheim darum gekämpft, auf das städtische Gelände des Paradieshofs in Sachsenhausen umziehen zu können. Jetzt erteilte Bau- und Liegenschaftsdezernent Jan Schneider (CDU) der ESD endgültig eine Absage. Zu später Stunde, als im Planungs- und Bauausschuss des Stadtparlaments kein Journalist mehr anwesend war, verkündete der CDU-Politiker überraschend zwei neue Lösungen für das Grundstück im alten Kneipenviertel von Sachsenhausen. Entweder, so Schneider, werde die Stadt die seit zwölf Jahren leerstehenden Gebäude abreißen und stattdessen Wohnhäuser bauen. Oder aber die Kommune schreibe das Areal ganz neu für private Investoren aus.

Die ESD hatte 2016 eine Ausschreibung gewonnen, die noch der damalige Bürgermeister und Planungsdezernent Olaf Cunitz (Grüne) veranlasst hatte. Die Stadt hatte das Areal ursprünglich für 1,5 Millionen Euro gekauft, um darauf das Theater Fliegende Volksbühne anzusiedeln, doch dieser Plan war von der damaligen schwarz-grünen Römer-Koalition gekippt worden, um Geld zu sparen. Cunitz hatte den Direktoren der Design-Schule dann einen Millionenzuschuss der Stadt für einen Neubau am Paradieshof versprochen. Doch der Grüne schied 2016 aus dem Amt. Schneider fühlt sich an seine Zusage nicht gebunden. Sein Standpunkt: Die Stadt dürfe ein privates Unternehmen wie die ESD nicht mit Millionen Euro fördern.

Vor den Stadtverordneten machte Schneider deutlich, dass die Vorstellungen seiner Fachleute und die der ESD weit auseinanderlägen. Das Liegenschaftsamt wollte einen Neubau am Paradieshof für einen Quadratmeterpreis von 11,34 Euro an die Schule verpachten. Die wiederum argumentierte, aus ihrem Businessplan ergäben sich 5,18 Euro einschließlich Nebenkosten als Quadratmeterpreis. Das Liegenschaftsamt nannte eine Verpachtung daraufhin „nicht wirtschaftlich“.

Wildermuth von der endgültigen Absage enttäuscht

Detlef Wildermuth, einer der Direktoren der ESD, zeigte sich von der endgültigen Absage Schneiders enttäuscht, aber nicht überrascht: „Wir sind einiges gewohnt von der Stadt.“ Das Schlimmste sei, dass Dezernent Schneider überhaupt nicht kommuniziere. Seit einer letzten Telefonkonferenz im März 2020 habe man weder von ihm noch vom städtischen Amt für Bauen und Immobilien (ABI) etwas gehört. Wildermuth hatte am 30. Juli im Interview mit der FR beklagt, von Schneider und der Stadt über Jahre hingehalten worden zu sein.

Er erinnerte daran, dass sich 2016 zehn verschiedene Institutionen an der städtischen Ausschreibung beteiligt hätten. Sie alle würden jetzt von Schneider düpiert. Für die Kreativszene der Stadt bedeute das Scheitern der Umzugspläne einen neuen Rückschlag. Mangels Unterstützung der Kommune gehe „der Kreativstandort Frankfurt seit Jahren den Bach runter“. Wegen der hohen, nicht mehr bezahlbaren Mieten und fehlenden preiswerten Flächen verließen viele Agenturen und Kreative die Stadt. Die ESD gehört offiziell zu den besten 100 Designschulen Europas.

Sebastian Popp, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Römer, kritisierte das Verhalten Schneiders scharf. „Das ist im Umgang mit Partnern unseriös“, sagte er. Seine Partei bleibe dabei, dass eine kulturelle Nutzung wie durch die European School of Design Alt-Sachenhausen guttue.

Mittlerweile ist zur Klärung der genauen Abläufe in den jahrelangen Verhandlungen zwischen Stadt und ESD ein Akteneinsichtsausschuss des Stadtparlaments eingerichtet worden. „Wir werden sehen, was die Akteneinsicht zutage fördert“, sagte Popp. Die Grünen forderten jedenfalls, die Gespräche der Stadt mit der ESD wieder aufzunehmen.

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