17-Jähriger in Untersuchungshaft

Ausschreitungen in Frankfurt: Woher die Aggressionen?

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Nach Ausschreitungen in der Frankfurter Innenstadt ermittelt die Polizei. Ein 17-Jähriger befindet sich bereits in Untersuchungshaft.

  • In der Nacht zu Samstag und Sonntag flogen in der Innenstadt von Frankfurt Eier, Flaschen und Steine auf Polizeibeamte.
  • Die Ausschreitungen in Frankfurt werfen viele Fragen auf.
  • Die Polizei ermittelt vor allem in zwei Richtungen und will Konzepte für die Zukunft entwickeln.

Frankfurt – Für einen jungen Mann haben die Ausschreitungen, die sich am Wochenende in der Frankfurter Innenstadt abgespielt haben, bereits Konsequenzen: Ein 17-Jähriger, der am Sonntag dem Haftrichter vorgeführt worden war, befindet sich nun in Untersuchungshaft. Wie eine Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft der Frankfurter Rundschau sagte, wird gegen den Minderjährigen wegen des Verdachts auf Landfriedensbruch, versuchte gefährliche Körperverletzung und Sachbeschädigung ermittelt. Er sei Polizei und Justiz bereits aus anderen Verfahren bekannt und soll einen Stein auf Polizeikräfte geworfen haben. Acht weitere Tatverdächtige, die bei der Randale festgenommen worden waren, sind dagegen wieder auf freiem Fuß.

Angriffe auf Polizei in Frankfurt in zwei Nächten hintereinander

In den Nächten auf Samstag und Sonntag war es in der Frankfurter Innenstadt zu teils erheblichen Auseinandersetzungen mit Verletzten und mehreren Festnahmen gekommen. Nach Polizeiangaben wurde zunächst am Freitag gegen 22 Uhr auf der Zeil eine Polizeistreife von bis zu 25 Jugendlichen mit Steinen und Flaschen beworfen*, als sie bei einer Schubserei zwischen zwei Männern eingeschritten war.

Ein Mann attackierte demnach eine Polizistin mit Pfefferspray und versuchte anschließend, ihren Streifenwagen an der Wegfahrt zu hindern. Ein 27 Jahre alter Polizist wurde verletzt und konnte seinen Dienst nach einer ambulanten Behandlung zunächst nicht fortsetzen. Für den Angriff soll ein 18-Jähriger verantwortlich sein, gegen den jetzt ebenfalls Ermittlungen laufen.

Es könne einen Zusammenhang mit den erneuten Einschränkungen des öffentlichen Lebens wegen der Coronavirus-Pandemie geben.

Eier- und Flaschenwürfe auf Polizei auf Zeil in Frankfurt

Am Samstagabend war laut Polizei gegen 22.45 Uhr ebenfalls auf der Zeil ein Polizeiauto mit Eiern, Flaschen und Steinen beworfen* worden. Anschließend versammelten sich an der Hauptwache bis zu 800 Personen, die die eingesetzten Beamt:innen mit Flaschen und Eiern bewarfen und zudem gegen alle aktuell geltenden Corona-Auflagen verstießen. Verletzt wurde diesmal niemand, die Polizei nahm allerdings insgesamt neun Tatverdächtige fest, darunter den nun in Haft genommenen 17-Jährigen.

Im Frankfurter Polizeipräsidium war man am Montag noch mit der Aufarbeitung der Geschehnisse beschäftigt. Man suche im Rahmen der Ermittlungen nach weiteren Tatverdächtigen und versuche, den Festgenommenen einzelne Taten zuzuordnen, sagte Polizeisprecherin Chantal Emch der Frankfurter Rundschau. Die Ermittlungen dauerten noch einige Zeit an. Die Hintergründe der Randale lägen noch im Dunkeln, sagte Emch. Weder sei klar, warum überhaupt noch viele Menschen in der Innenstadt gewesen seien, noch habe man eine Erklärung, wieso ein so „erhebliches Aggressionspotenzial“ geherrscht habe.

Polizei Frankfurt ermittelt nach Ausschreitungen in zwei Richtungen

Die Überlegungen dazu laufen laut Emch derzeit in zwei Richtungen: So könne es einen Zusammenhang mit den erneuten Einschränkungen des öffentlichen Lebens wegen der Coronavirus-Pandemie geben. Möglicherweise hätten viele der Versammelten den letzten Abend vor dem zweiten „Lockdown“ nutzen wollen, um noch einmal auszugehen und etwas zu erleben. Es sei aber auch denkbar, dass die Ausschreitungen am Samstag mit Halloween zusammenhingen.

Halloween wird traditionell in der Nacht vor Allerheiligen gefeiert und gerade in den USA unter anderem mit Streichen begangen. So sei möglicherweise zu erklären, dass die Menschen auf der Zeil überhaupt rohe Eier mit sich geführt hätten, sagte Emch. Ob die Aggression gegen die Polizei mit dem Skandal rund um den sogenannten NSU 2.0 und rechtsextreme Chatgruppen im ersten Polizeirevier zusammenhängen könnte, wollte Emch auf Nachfrage nicht kommentieren.

Polizei Frankfurt will Konzepte für die Zukunft

Im Polizeipräsidium wird jetzt jedenfalls auch überlegt, ob in den kommenden Tagen oder am nächsten Wochenende ähnliche Situationen zu erwarten sind. Es müsse darüber nachgedacht werden, „wie wir damit umgehen wollen“, sagte die Sprecherin. Entsprechende Konzepte sollten im Laufe der Woche erarbeitet werden.

Frankfurts Polizeipräsident Gerhard Bereswill hatte sich schon am Sonntag deutlich zu den Vorfällen zu Wort gemeldet. Es sei unerträglich, wenn sich Menschen gegen die Polizei zusammenrotteten, hatte Bereswill gesagt. „Dass sich Personen zusammentun, um die Kolleginnen und Kollegen massiv tätlich anzugehen und billigend in Kauf nehmen, dass sie eventuell schwere Verletzungen davontragen, verurteile ich auf das Schärfste.“ Man werde sich derartiges Verhalten nicht bieten lassen und konsequent dagegen vorgehen, kündigte der Polizeipräsident an.

Clips im Internet zeigen Szenen aus Frankfurt

Im Internet kursieren derweil Videoaufnahmen von den Ausschreitungen, die etwa auf Instagram auch intensiv diskutiert werden. Ein kurzer Clip, der auf dem Instagram-Account „ffm.aktuell“ hochgeladen wurde, zeigt, wie sich eine Streifenbesatzung offenbar am Freitagabend nach massiven Flaschenwürfen auf der Zeil in ihren Wagen zurückzieht und die Flucht ergreift. In einem anderen Clip ist zu sehen, wie Beamte mit großer Brutalität einen Mann festnehmen, während sie von Umstehenden angeschrien werden. Die Szenen dürften die Stadt weiter beschäftigen. (Hanning Voigts) *fnp.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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In der vergangenen Nacht (30.10.2020) wurde eine Polizeistreife von mehreren Jugendlichen tätlich angegriffen, als sie eine Auseinandersetzung zwischen zwei Männern schlichten und die Personalien erheben wollte. Im Rahmen der anschließenden Personalienfeststellung des mutmaßlichen Täters, kam es zu einer Widerstandshandlung. Als der Polizist den Unbekannten daraufhin festnehmen wollte, fielen beide zu Boden. Im Anschluss daran wurde der Beamte von einer umstehenden Gruppe mutmaßlich Jugendlicher, bestehend aus rund 25 Personen, mit Steinen und Flaschen beworfen. Währenddessen zielte ein anderer Täter mit einem Pfefferspray auf die Polizistin, verfehlte sie aber glücklicherweise. ————————————————— #hessen #ffm #frankfurt #069 #main #skyline #mainhattan #polizei #polizeiffm Quelle: Polizei Frankfurt

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