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Frankfurt: Wo die ganze Welt wächst

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Von: Thomas Stillbauer

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Eine Purpur-Grasnelke wohnt auch im Botanischen Garten.
Eine Purpur-Grasnelke wohnt auch im Botanischen Garten. © Anja Prechel

Seit zehn Jahren ist der Botanische Garten unter städtischer Regie. Die jährliche Winterpause endet bald.

Viertausend Pflanzenarten aus der ganzen Welt, Hunderte Insekten in einer Vielfalt, wie sie anderswo ihresgleichen sucht: Der Botanische Garten ist ein einzigartiger Ort in Frankfurt. Ende Februar erwacht er traditionell aus dem Winterschlaf und lässt wieder Besucherinnen und Besucher ein. In diesem Jahr gilt es zugleich, ein kleines Jubiläum zu feiern: Vor zehn Jahren wechselte die Oase aus dem Zuständigkeitsbereich des Landes Hessen unter die Fittiche der Stadt Frankfurt.

Bis dahin war der Botanische Garten per Definition ein Ort zum Heilen und zum Lernen. 1763 gründete der Stadtarzt und Botaniker Johann Christian Senckenberg eine Stiftung mit dem Ziel, in seiner Heimatstadt Frankfurt die medizinische Grundversorgung zu verbessern und einen „Hortus Medicus“ zu erschaffen, einen Medizingarten; zunächst an anderer Stätte. Eines war ihm damals wichtig: „Meine Stiftung soll allseits separat bleiben und niehmal vermengt mit Stadtsachen“, hinterlegte er. Fast 250 Jahre später, am 1. Januar 2012, wurde der Garten dann doch Stadtsache.

In der Zwischenzeit gehörte er zur Goethe-Universität, stand also unter Landesregie. Direkt nebenan lagen die Institute der Bio-Uni. Beides, der Hörsaalkomplex und der Lehrgarten, zogen schließlich auf den Riedberg um. Anstatt das wunderbare Gelände womöglich der Bebauung oder anderen Zwecken preiszugeben, sicherte die Stadt durch ihren Zugriff den Garten langfristig. Er wurde verwaltungstechnisch dem benachbarten Palmengarten angegliedert.

GLOBALE VIELFALT

Der Botanische Garten wird am Sonntag, 27. Februar, wieder fürs Publikum geöffnet und ist dann von März bis Ende Oktober geöffnet: montags bis samstags von 9 bis 18 Uhr, sonntags von 9 bis 13 Uhr. Eine Glocke kündigt jeweils die Schließung an. Der Eintritt ist frei.
Einst gegründet als Arzneigarten von Johann Christian Senckenberg, zog der Botanische Garten zweimal um: 1907 vom Eschenheimer Turm auf das heutige Palmengartengelände und in den 1930er bis 1950er Jahren, mit Verzögerung wegen des Krieges, an seinen heutigen Standort am Rand des Grüneburgparks am Ende der Siesmayerstraße.

„Auch wenn Dr. Senckenberg zu seiner Zeit ganz anderer Meinung war, könnte er heutzutage gar nicht anders, als diese Verbindung glücklich zu nennen“, sagt Klimadezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) heute. „Für Frankfurt, seine Bürgerinnen und Bürger und vor allem auch für die Natur in der Stadt ist der Botanische Garten ein Glücksfall“, sagt Heilig.

Palmen- und Botanischer Garten arbeiteten inzwischen Hand in Hand, sagt Thomas Moos, seit 2021 Leiter des Botanischen Gartens und erinnert an die Vereinbarung: „Vor der Verbrüderung mit dem Palmengarten wurde notariell festgehalten, dass der Garten erhalten bleibt, wie er ist.“ Schon seit den 1950er Jahren, als der endgültige Standort etabliert war, habe sich nichts Wesentliches verändert – abgesehen von der Natur außerhalb dieser intakten Pflanzenwelt. Sie hat schwere Verluste erlitten. So widmet sich der Botanische Garten inzwischen verstärkt der Biodiversität. Moos: „Wir beherbergen inzwischen 500 Arten, die auf der Roten Liste stehen.“ Man erkennt sie an den roten Schildern – eine Mahnung, sorgsam mit der Umwelt umzugehen.

Steifer Lauch, Wiesen-Schwertlilie, Sand-Zwerggras und Heide-Wicke haben da draußen kaum noch eine Chance; im Garten am Rand des Grüneburgparks werden sie gehegt und bewahrt.

Ebenso wie eine Sammlung alter, regionaler Weinreben. Sie stammen aus dem Rebsortenarchiv Südpfalzweinberg und zeigen Pflanzen, die immer mehr von den gängigen Sorten wie Riesling und Silvaner verdrängt werden. „In der Gesellschaft der alten Sorten fühlt sich auch die gefährdete Weinbergtulpe ausgesprochen wohl“, berichtet Moos.

Seltenes zieht Seltene an, so lautet ein alter Grundsatz. Entsprechend lieben rare Insektensorten die aufwendig bewahrte Vielfalt, und auch Eidechsen finden Unterschlupf in einer eigens für sie errichteten Burg. Mit etwas Glück, sagt Moos, kann man sie nach der Saisoneröffnung über die Felsen flitzen sehen.

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