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Frankfurt: Wo die Bühnen sparen müssten

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Von: Florian Leclerc

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Die Oper Frankfurt war fünf Mal Opernhaus des Jahres. Nun sollen die Bühnen mit weniger Geld planen. Foto: Rolf Oeser
Die Oper Frankfurt war fünf Mal Opernhaus des Jahres. Nun sollen die Bühnen mit weniger Geld planen. © Rolf Oeser

Der Haushaltsentwurf in Frankfurt stellt Oper und Schauspiel vor große Herausforderungen. Sie sollen sparen - doch die meisten Kosten sind fix.

Die aktuelle Haushaltsplanung von Stadtkämmerer Bastian Bergerhoff (Grüne) stellt die Städtischen Bühnen in Frankfurt vor große Herausforderungen. Wie aus dem Haushaltsentwurf 2022 hervorgeht, sollen sie von 2023 bis 2025 jedes Jahr mit etwa sieben Millionen Euro weniger zurechtkommen. Demnach ist vorgesehen, die städtischen Zuschüsse von 78 auf 71 Millionen Euro zu senken.

Wie aus dem Geschäftsbericht 2020 der Bühnen hervorgeht, ist ein Großteil ihrer Ausgaben fix. Der Aufwand fürs Personal, das sich aus Mitarbeiter:innen der Bühnen-GmbH und gestellten städtischen Mitarbeiter:innen zusammensetzt, betrug 2020 etwa 64 Millionen Euro. Für 2021 wird laut Haushaltsentwurf 2022 mit Kosten in Höhe von etwa 69 Millionen Euro fürs Personal gerechnet. Hintergrund ist, dass die Personalkosten durch Tariferhöhungen regelmäßig steigen.

Weitere Kosten fallen für Rohmaterial, Kostümherstellung und Maske an. Der größte Betrag entfällt auf die Gastkünstler:innen, im Jahr 2020 waren es 6,6 Millionen Euro. Zum Vergleich: Der Umsatz durch Ticketverkäufe lag in den Jahren vor der Pandemie noch bei etwa 13 Millionen Euro, wie ebenfalls aus dem Haushaltsentwurf hervorgeht.

„Letztendlich führt die Sparvorgabe von 6,9 Millionen Euro im nächsten und dann weiter auf 7,4 Millionen Euro in den folgenden Jahren in der Tat dazu, dass für die Kunst nicht mehr allzu viel bleibt“, sagt der Kulturpolitiker und Wirtschaftsanwalt Thomas Dürbeck (CDU). Er hat sich den mehr als 1800 Seiten langen Haushaltsentwurf 2022 und dessen Auswirkungen auf die Kulturszene angesehen.

„Künstlerische Aktivitäten auf null“

„Wer den Bühnen eine solche Einsparvorgabe macht, muss wissen, dass er damit die künstlerischen Aktivitäten praktisch auf null herunterfährt, und dann reicht für Schauspiel und Oper wirklich das Bockenheimer Depot aus“, sagt Dürbeck. „Diese Einsparvorgabe geht an die Substanz der Bühnen, und das müssen die betreffenden Damen und Herren der derzeitigen Römer-Mehrheit eigentlich wissen.“

Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) sagte auf Anfrage, bei dem aktuellen Haushaltsentwurf handele es sich um eine Bestandsaufnahme für 2022. Inwiefern die ab 2023 aufgeführten Sparvorgaben tatsächlich zu realisieren seien, hänge von der Einnahmenentwicklung ab.

Laut Haushaltsentwurf liegt der Etat für das Dezernat Kultur und Wissenschaft in diesem Jahr noch bei 172 Millionen Euro. Von 2023 bis 2025 soll die Summe auf 155 Millionen Euro sinken.

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