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Frankfurter Wirtschaft rechnet mit Rezession - Kritik an „wenig zielwirksamen“ Entlastungen

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Von: Christoph Manus

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Der Baubranche ging es viele Jahre sehr gut. Nun blicken die Unternehmen nach einer Umfrage der Frankfurter IHK pessimistisch in die Zukunft.
Die Wirtschaftsleistung in Frankfurt und Region könnte im kommenden Jahr schrumpfen. In vielen Branchen läuft es nicht mehr gut, etwa im Bau, der jahrelang boomte. © dpa

Die Unternehmen in der Metropolregion Frankfurt blicken sehr skeptisch ins neue Jahr. Mehr als die Hälfte rechnet mit schlechteren Geschäften. Doch die Zahl der Beschäftigten könnte dennoch steigen.

Frankfurt - Die Energiekrise trifft die Wirtschaft im Rhein-Main-Gebiet immer stärker. Die Wirtschaftskammern in der Metropolregion Frankfurt haben ihre Konjunkturprognose für das laufende Jahr jetzt innerhalb von wenigen Monaten zum zweiten Mal deutlich nach unten korrigiert.

Vor gut einem Jahr hatten die Industrie- und Handelskammern (IHK) und die Handwerkskammern im Gebiet von Mainz bis Aschaffenburg, Darmstadt bis Gießen getrieben von der Hoffnung auf einen „Post-Corona-Aufschwung“ noch ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts um 5,2 Prozent prognostiziert. Im Sommer hatte die von den Kammern getragene Initiative Perform angesichts der Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine nur noch mit einem Plus von 2,5 Prozent gerechnet. Nun geht sie lediglich von einem Wachstum von 1,3 Prozent aus.

Wirtschaftskammern rechnen mit einer deutlich sinkenden Wirtschaftsleistung in Frankfurt und Region

Für das kommende Jahr rechnen die Kammern mit einem noch stärkeren Einbruch der Konjunktur. Nach ihrer am Freitag veröffentlichen Prognose könnte die Wirtschaftsleistung im Rhein-Main-Gebiet um zwei Prozent sinken.

Ihre Einschätzungen stützt die Initiative Perform auf eine Befragung von 9000 Mitgliedsunternehmen der Kammern. Diese äußern sich dieser Tage so pessimistisch wie noch nie seit Erhebungsbeginn zu ihrer künftigen Entwicklung. Mehr als die Hälfte der Unternehmen rechnet mit schlechteren Geschäften, nur knapp acht Prozent gehen dagegen von einer Verbesserung der Lage aus. „Selbst im Frühsommer 2020, zum Ausbruch der Coronapandemie, war der Blick auf die kommenden Monate nicht so negativ“, heißt es in der Studie.

Frankfurt: Besonders schlecht sind die Aussichten im Baugewerbe, dem Handel und der Industrie

Besonders pessimistisch äußern sich das Baugewerbe, der Handel und die Industrie. In der Corona-Krise hatten gerade Industrie und Bau noch stabilisierend gewirkt. Nun leiden diese noch stärker als andere unter den hohen Energiekosten.

Die sehr stark gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise nennen branchenübergreifend inzwischen mehr als drei Viertel der Unternehmen als größtes Risiko für ihre Geschäftsentwicklung. Mehr als die Hälfte befürchtet zudem eine durch die hohe Inflation ausgelöste sinkende Inlandsnachfrage. Trotz aller Krisen bleibt auch der Fachkräftemangel ein großes Thema.

Unternehmen in Frankfurt und Region wollen trotz Krise die Zahl der Beschäftigten erhöhen

Denn die Unternehmen wollen, obwohl ihre Aussichten trüb sind, die Zahl ihrer Beschäftigten im Schnitt sogar leicht ausbauen. Perform prognostiziert für das laufende Jahr einen Zuwachs um 1,5 Prozent, für das kommende Jahr von immerhin noch 0,3 Prozent. Kommt es so, arbeiten Ende 2023 mehr als 2,55 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in der Metropolregion. Das wäre ein neuer Rekordwert.

„Die regionale Wirtschaft wurde selten zuvor auf solch eine Belastungsprobe gestellt“, sagte der Frankfurter IHK-Präsident Ulrich Caspar, der auch als Sprecher der Initiative Perform fungiert, am Freitag. Mit der staatlichen Unterstützung für die Wirtschaft zeigte er sich unzufrieden. Die Entlastungspakete und die Gaspreisbremse seien „wenig zielwirksam ausgestattet“, kritisierte er. Er forderte eine grundlegende Verbesserung der Rahmenbedingungen und Anreize, um den Transformationsprozess der Wirtschaft zu beschleunigen.

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