Für Louie Hölzinger und Claudia Olinski, hier auf einem Bild vor der erzwungenen Corona-Schließung, sind die Regeln für ihren Gastronomiebetrieb in Schwanheim nicht umsetzbar. Sie lassen die Mainlust am Freitag geschlossen.
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Für Louie Hölzinger und Claudia Olinski, hier auf einem Bild vor der erzwungenen Corona-Schließung, sind die Regeln für ihren Gastronomiebetrieb in Schwanheim nicht umsetzbar. Sie lassen die Mainlust am Freitag geschlossen.

Gastronomie

Frankfurter Wirte wollen ihre Restaurants trotz der Corona-Lockerungen geschlossen lassen

  • Anna Grösch
    vonAnna Grösch
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Gastronomen in Frankfurt bezweifeln die Wirtschaftlichkeit der Lockerungen. Für ihre Gäste wollen sie Videos drehen.

  • Gastronomen protestieren gegen die Corona-Lockerungen
  • Kneipen in Frankfurt sollen geschlossen bleiben
  • Viele Wirte bezweifeln die Wirtschaftlichkeit der Lockerungen

Frankfurt - Am Freitag dürfen Restaurants und Gaststätten in Hessen nach Wochen der Zwangspause wieder öffnen. Ein Grund für Optimismus, sollte man meinen - doch die Wirte schlagen Alarm. Einige lassen ihre Lokale sogar ganz geschlossen. Nach Wochen, in denen sich viele Gaststätten- und Restaurant-Betreiber mit Außer-Haus-Bestellungen oder Lieferservices über Wasser halten mussten, gibt es seit dem 8. Mai eine neue Verordnung des Landes Hessen. Darin steht unter anderem, dass Gaststätten Speisen und Getränke wieder zum Verzehr vor Ort anbieten dürfen. Die Umstände dafür unterscheiden sich allerdings von denen vor Beginn der Corona-Krise - so weit, dass einige Frankfurter Wirte sagen, für sie lohne es sich nicht, wieder zu öffnen.

Kneipen in Frankfurt wären nach Corona-Lockerungen nur spärlich besetzt

Laut Verordnung muss sichergestellt sein, dass pro fünf Quadratmeter Grundfläche maximal eine Person ins Restaurant darf, was die Gesamtzahl der Gäste stark eingrenzt*, abhängig von der Grundfläche des Raumes. Ist ein Gastraum also 50 Quadratmeter groß, dürfen hier nur noch zehn Gäste sitzen. Unabhängig davon, ob diese vielleicht in einem Hausstand leben oder nicht und wie der Raum geschnitten ist. Leben sie nicht zusammen, muss außerdem ein Mindestabstand von 1,5 Metern gewährleistet werden. Außerdem müssen die Betreiber Name, Anschrift und Telefonnummer der Gäste erfragen und festhalten, damit eine eventuelle Infektionskette nachzuverfolgen ist.

In der Praxis bedeutet das beispielsweise für die Gaststätte „Mainlust“ in Schwanheim, dass statt der 130 Plätze im Gastraum nur 28 besetzt werden können. „Dann können wir es auch bleibenlassen“, sagt Wirt Louie Hölzinger. Das Restaurant bleibt deswegen am Freitag geschlossen. Vor dem gleichen Problem steht Bruno Sisko, der mit seinem Bruder die „Westbar“ in Höchst betreibt*. „Wir lassen auf unbestimmte Zeit zu“, sagt er. „Normalerweise können bei uns ohne Probleme rund 70 Leute im Raum sitzen. Jetzt dürften noch elf rein.“ Weil ihr Lokal eine reine Bar ist, können sich die Siskos nicht einmal mit einem Lieferservice behelfen. „Die Lage ist extrem kritisch.“ 

Kneipen in Frankfurt fordern tragfähiges Konzep für Corona-Lockerungen

Dank einer Crowdfunding-Aktion und ihrem Klamotten-Label „Höchst Asozial“ sind die ersten drei Monate nun erst einmal gesichert, sagt Sisko. Wie es danach weitergeht, weiß er noch nicht. Auf die Soforthilfe des Landes wartet er noch. Einige Frankfurter Gaststättenbetreiber haben sich zusammengeschlossen, um auf die Probleme aufmerksam zu machen. 

Die Initiative ging von der IG Gastro Frankfurt aus, die in einer Pressemitteilung ein tragfähiges Konzept fordert. Ihr gehört auch Matthias Martinsohn vom Restaurant „Blaues Wasser“ an. „Der schwarze Peter ist bei uns als Gastronomen“, sagt er. „Die Leute sagen: ,Ihr könnt doch jetzt wieder aufmachen', aber verstehen nicht, was das eigentlich bedeutet. Wie sollen wir denn so kostendeckend arbeiten?“ Mit einem Video wollen die Gastwirte sich so erklären, "dass es jeder versteht". Mit der Aktion #leerelokale fordern die Gastronomen auf, aus Solidarität am Freitag die Restaurants geschlossen zu lassen.

Bleiben die Kneipen in Frankfurt trotz Corona-Regelungen länger geschlossen?

Besonders bemängelt wird die fünf Quadratmeter-Regelung, die einzigartig in Hessen sei. Viele Wirte empfinden sie als willkürlich. „Die Regelungen müssen doch auf die Läden zugeschnitten sein. Es geht ja auch um Kreuzkontamination auf dem Weg zur Toilette und so weiter“, sagt Martinsohn. In Frankfurt sei man solidarisch miteinander und versuche, sich zu helfen.

Ob Konstantinos Laios seine Wirtschaft „Apfelwein Frank“ im Nordend am Freitag wieder öffnet, weiß er noch nicht. Er überlegt sogar, sie komplett geschlossen zu lassen, bis die Corona*-Krise vorbei ist. „Man macht sich seine Gedanken. Vielleicht mache ich es so, dass ich erstmal Supermarkt-Regale einräume, bis es weitergehen kann. Die Gastronomie ist wohl erstmal tot.“

Neben der Begrenzung der Gäste schreibt das Land weitere Maßnahmen vor: Mund-Nasen-Schutz beim Personal, Salz- oder Pfefferstreuer zur gemeinsamen Nutzung sind tabu. In der Mainlust will man die Speisekarten laminiert aufkleben. „Wir machen das gerne“, sagt Wirt Hölzinger. „Aber das mit der Anzahl der Leute im Gastraum geht nicht.“ Wie's nach Freitag weitergeht, müsse man sehen.

Die Stadt Frankfurt kommt ihren Gastwirten entgegen: Sie erlaubt ihnen, mehr Tische rauszustellen. Branchenkenner sehen es als Tropfen auf den heißen Stein.

Die Gastronomie fährt wieder hoch. Doch ein Restaurant-Besitzer aus Frankfurt ist mit den Corona-Regeln nicht einverstanden.

*fnp.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

 

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