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Simon Möllendorf, Kurator der Frankfurter Sumpffestspiele im grade entstehenden Morast in der Naxoshalle.
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Simon Möllendorf, Kurator der Frankfurter Sumpffestspiele im grade entstehenden Morast in der Naxoshalle.

Frankfurter Sumpffestspiele

Frankfurt wird zum Sumpf

  • Andreas Hartmann
    VonAndreas Hartmann
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Kreativer Umbau: Das Studio Naxos verwandelt die historische Naxoshalle für ein paar Wochen in einen echten Morast. Das ist durchaus abgründig.

In dem riesigen Saal der historischen Naxoshalle im Frankfurter Ostend wird grade intensiv gearbeitet - oder besser: gegärtnert. Denn das weitläufige historische Bauwerk, in dem einst Schleifmittel produziert wurden, wird zum Gewächshaus. Hier soll tatsächlich eine Landschaft mit Wasserbecken und Pflanzen entstehen für die am Donnerstag, 15. Juli, beginnenden „Sumpffestspiele“ – wenn auch nur für ein paar Wochen. Bleiben könnte hingegen das ebenfalls grade entstehende öffentliche Gärtchen auf der bisher ziemlich unattraktiven Nordseite der Halle.

Ja, Frankfurt ist ein tückischer Untergrund, das wissen vermutlich alle, die regelmäßig den „Tatort“ ansehen. Ein Drogensumpf! Ein Finanzsumpf! Ein Sumpf der Kriminalität! „Aber die Stadt ist auch auf echten Morast gebaut, in einer Niederung am Fluss“, sagt Simon Möllendorf vom Studio Naxos, von dem auch das künstlerische Konzept stammt.

Das kleine Festival spielt ja mit verschiedenen Bedeutungen des Begriffs, aber es soll dank der finanziellen Förderung des Kulturfonds Frankfurt-Rhein-Main und der Stadt Frankfurt mit Schilf und Wasserlinsen, Kanälen und riesigen Schlammbecken, durch die die Besucher:innen auch gerne selbst waten dürfen, schon auch eine Ahnung geben von einem einst unheimlichen Ort der Mythen und Legenden.

Sumpffestspiele in der Naxoshalle

Vom 15. Juli bis zum 8. August wird die Frankfurter Naxoshalle, Waldschmidtstraße 19, zum Treibhaus mit Moor und wuchernden Wasserpflanzen. Die „Sumpffestspiele“, die das Studio Naxos organisiert hat, sind jeweils an den Wochenenden von Donnerstag bis Sonntag, die Halle mit dem Sumpf ist dann ab 13 Uhr bis gegen Mitternacht geöffnet.

Zahlreiche Performances sind geplant, es gibt Lounge-Musik von Frankfurter DJs, Tanz und sogar ein Nachhaltigkeitsmarkt am 25. Juli, bei dem sich Initiativen wie die Solidarische Landwirtschaft vorstellen.

Für die Karten gilt ein solidarisches freiwilliges Preissystem. „Manche zahlen nichts, andere 100 Euro, je nachdem, was sie für ein Einkommen haben“, sagt Kurator Simon Möllendorf. Karten gibt’s unter www.studionaxos.de. Dort findet sich auch fdas ausführliche Programm. aph

Das darf auf jeden Fall Spaß machen, es gibt aber doch auch viele relevante Aspekte, auf die die Festspiele ebenfalls hinweisen wollen. „Wir wollen auch ganz konkrete Handlungsanweisungen bieten, wie wir ressourcenschonender leben können“, sagt Möllendorf. Eine von vielen Ideen ist es, 10 000 Tütchen mit Wildpflanzensamen, „Seed Bombs“, zu verteilen.

Der reale Sumpf ist inzwischen ja weitgehend trockengelegt, und die uralte Angst vor dem echten Moor scheint fast vergessen, genauso wie die dortige große Artenvielfalt, die Schönheit des Rieds und nicht zuletzt eine ganz besondere Fähigkeit. „Moore sind der größte CO2-Speicher auf der Welt“, erklärt Möllendorf.

Rund um Frankfurt sind Feuchtgebiete inzwischen so selten geworden, dass der Naturschutzbund aktuell die wenigen Reste in der Region kartiert. „Ich hoffe, wir finden auch Eingang in diese Erhebung“, scherzt Möllendorf. Für die Landkarte des Naturschutzbunds wird die kurze Spanne wohl nicht reichen, obwohl die Pflanzen immerhin vier Wochen Zeit zum Wuchern haben – echte Moore brauchen allerdings Jahrtausende zum Wachsen und sind ganz schnell zerstört.

Seit 2014 gibt es das Studio Naxos; das freie Produktionshaus entstand als Zusammenschluss von Studierenden der Hessischen Theaterakademie, gefördert vom Frankfurter Theatermacher Willy Praml, mit dem es sich die Naxoshalle teilt. Mit den Sumpffestspielen will das Studio Naxos neue künstlerische Formate ausloten und gesellschaftliche Debatten anstoßen.

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