Auf der Friedberger Landstraße wird es für Radfahrer manchmal ganz schön eng.
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Auf der Friedberger Landstraße wird es für Radfahrer manchmal ganz schön eng.

Interview

Frankfurt: „Wir sollten den Verkehr zukunftsweisend verteilen“

  • Florian Leclerc
    vonFlorian Leclerc
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Petra Lau, die neue Leiterin des Straßenverkehrsamts in Frankfurt, über die Verkehrswende und Falschparken.

Seit dem 15. April leitet Petra Lau, die zuletzt bei der Stadt Friedrichsdorf arbeitete, das Straßenverkehrsamt in Frankfurt. Die Nachfolgerin von Gert Stahnke will die Mobilität in der Stadt verändern. Sie selbst nehme sich da nicht aus, sagt sie. Seit ihrem Dienstantritt komme sie mit dem Fahrrad zur Arbeit.

Frau Lau, warum haben Sie sich die Position in Frankfurt ausgesucht?

Ich lebe seit neun Jahren mit meinem Mann in Frankfurt. In Friedrichsdorf habe ich das Verkehrs- und Ordnungsamt geleitet. Als ich die Ausschreibung sah, war ich sofort interessiert. Wir leben in einer Zeit, in der es die Verkehrswende gibt, in der sich Frankfurt verändert. Die möchte ich mitgestalten.

Sie haben das Stichwort Verkehrswende genannt. Wie sollte sich der Verkehr in der Stadt entwickeln?

Die Flächen, die wir für den Verkehr zur Verfügung haben, bleiben gleich. Wir sollten die Verteilung der Mobilitätsformen auf diesen Flächen überdenken und den Verkehr zukunftsweisend verteilen.

Mit anderen Worten, die autogerechte Stadt Frankfurt muss umgebaut werden?

Petra Lau leitet das Straßenverkehrsamt in Frankfurt.

Das Verkehrsmanagement muss die Verkehrsströme in der Stadt leistungsfähig halten. Die Studie „Mobilität in Städten“ hat gezeigt, dass der Anteil der Radfahrer an den Wegen in den letzten fünf Jahren deutlich zugenommen hat. Dem muss man Rechnung tragen.

Laut jüngstem Modal Split ist der Anteil der Radfahrer an den Wegen von 13 auf rund 20 Prozent gestiegen. Wie geht das Straßenverkehrsamt mit der Umsetzung des Radentscheid-Kompromisses um?

Den Radentscheid setzen wir sukzessive um, im Rahmen der personellen Möglichkeiten, die wir haben. Im Radfahrbüro haben wir dafür zwei zusätzliche Stellen bekommen.

Was sagen Sie den Autofahrern, die dem Radentscheid entgegenhalten, sie bräuchten die Fahrspuren, um etwa auf der Friedberger Landstraße morgens und abends in die Stadt hinein- und wieder hinauszufahren?

Die Zahlen aus der Studie, der eine Bevölkerungsumfrage zugrunde liegt, zeigen, dass der politische Beschluss für den Radentscheid in die richtige Richtung zielt. Da wir nur begrenzten Platz haben, wird man in diese Diskussion mit dem Autofahrer, dem man Platz nimmt, treten müssen. Der Veränderungsprozess in den Mobilitätsformen wird nicht ohne Diskussionen passieren. Wir müssen um Verständnis werben. Es gilt eine Veränderung des Verkehrsverhaltens und den Umweltgedanken hin zu umweltfreundlichen Verkehrsmitteln zu fördern.

Werden die Menschen künftig eher multimodal unterwegs sein und verschiedene Verkehrsträger nach Bedarf nutzen?

Davon gehe ich aus. Wir müssen versuchen, die vorhandene Infrastruktur in der Stadt kompatibel zu machen mit den unterschiedlichen Mobilitätsformen, die sich bei der Bevölkerung durchsetzen. Gleichzeitig muss die Verkehrssicherheit gewährleistet bleiben. Es darf für die Radfahrer nicht unsicherer werden. Auch den ÖPNV und Fußgänger darf man nicht vernachlässigen. Die Autofahrer allerdings auch nicht. Das ist ein anspruchsvolles Terrain, auf dem man sich da bewegt.

Ein anderes Konfliktfeld in Frankfurt ist das Falschparken etwa auf Radwegen. Wie wollen Sie damit umgehen?

Wir haben seit einiger Zeit die Fahrradstaffel bei der Verkehrspolizei. Die Fahrradstaffel nimmt die Perspektive des Radfahrers ein und sieht Dinge, die bei anderen Kontrollen möglicherweise nicht so wahrgenommen werden. Die neue Straßenverkehrsordnung gibt uns auch ein Instrument an die Hand, empfindlich einschreiten zu können und höheres Bußgeld zu verhängen.

Wie geht der Umbau der Verkehrspolizei voran? Das Oberlandesgericht Frankfurt hat entschieden, dass Leiharbeiter keine Strafzettel ausfüllen dürfen.

Wir haben freie Stellen bei der Verkehrsüberwachung, die es zu besetzen gilt. Die Auswahlverfahren laufen. Aus dem Bereich der Leiharbeitnehmer haben wir Mitarbeiter übernommen.

Im Umland verdienen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verkehrspolizei im Tarifvertrag eine bis zwei Stufen besser. Müssten die Mitarbeiter in Frankfurt bessergestellt werden?

Bei dieser Frage muss man die Aufgabe betrachten, die die Ordnungspolizisten wahrnehmen, und da unterscheidet sich das Aufgabenfeld des Hilfspolizisten bei unserer Verkehrsüberwachung von dem, was in kleineren und mittleren Kommunen im Umland wahrgenommen wird. Dort sind die Aufgaben der jeweiligen Verkehrs- und Stadtpolizei vermengt, das Aufgabengebiet ist größer.

Wo sehen Sie den Verkehr in der Stadt in fünf Jahren?

Wir sind auf einem guten Weg, Frankfurt zu einer noch lebenswerteren Stadt zu machen. Wir müssen versuchen, die Verkehrsflüsse zu so managen, dass sie für alle Beteiligten so zufriedenstellend wie möglich bedient werden.

Interview: Florian Leclerc

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