Durch die Corona-Pandemie leiden Gastronomie und Hotels in Frankfurt. Viele Plätze bleiben leer.
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Durch die Corona-Pandemie leiden Gastronomie und Hotels in Frankfurt. Viele Plätze bleiben leer.

Interview

Hotels und Gastronomie in Frankfurt: Hoffen auf Events und Messen

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Thomas Feda von der Tourismus + Congress GmbH spricht im Interview über die Überlebenschancen für Hotels und Gastronomie.

Herr Feda, Sie sind der Geschäftsführer der städtischen Tourismus + Congress GmbH in Frankfurt. Infolge der Corona-Pandemie ist der Tourismus eingebrochen, Kongresse gibt es so gut wie keine mehr. Was können Sie tun?

Der Rückgang der Übernachtungen in Frankfurt ist dramatisch, wie in den meisten deutschen Städten liegt er bei mehr als 50 Prozent. In den Hotels ist die Auslastung der Zimmer, die sonst in Frankfurt im Schnitt 70 Prozent beträgt, auf 21 Prozent gesunken. Was können wir tun? Als Tourismus + Congress GmbH werben wir derzeit verstärkt in den europäischen Nachbarländern um Gäste. Alles andere macht aufgrund der Reisebeschränkungen aktuell wenig Sinn. Ich war gerade in der Schweiz und in Österreich, aber wir bewerben auch forciert Polen, Tschechien, die Niederlande und Frankreich. Alle angrenzenden, unkompliziert zu erreichenden Märkte bieten jetzt das größte Potenzial.

Frankfurt führt harten Kampf um Touristen

Wie sieht es mit Touristen aus Deutschland aus?

Um die kämpfen gerade alle großen Städte und natürlich auch die naturnahen Destinationen. Das ist der am härtesten umkämpfte Markt. Für Frankfurt ist das eine große Veränderung. Wir waren immer sehr erfolgsverwöhnt, was den Städtetourismus angeht. Der ist derzeit kaum vorhanden, die Menschen suchen vermehrt nach Abstand, Ruhe und Natur.

Sie haben vorhin ihre Bemühungen um Frankreich und Tschechien erwähnt. Aber gerade in diesen Ländern steigen ja gerade die Corona-Fallzahlen dramatisch.

Wir kümmern uns langfristig natürlich auch um unsere bisherigen stärksten Quellmärkte wie China und die USA, obwohl man da gegenwärtig überhaupt nicht reisen kann. Da aktuell gerade durch sich ständig ändernde Reisewarnungen und Risikogebiete eine unheimliche Dynamik vorhanden ist, müssen wir mittelfristig strategisch planen – davon ausgehend, dass die Fallzahlen im Risikogebiet von heute in Kürze wieder sinken.

Pleitewelle bei Hotels in Frankfurt befürchtet

Schauen wir nach vorne. Der Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands Frankfurt, Eduard Singer, hat im Gespräch mit der FR eine Pleitewelle bei den Hotels vorhergesagt. Teilen Sie diese Einschätzung?

Ja, diese Einschätzung teile ich leider auch. Die haben Herr Singer und ich ja gemeinsam getroffen. Es wird zu Insolvenzen und Geschäftsaufgaben in der Branche kommen. Das Ausmaß kann ich noch nicht einschätzen. Der Dehoga Hessen, der Hotel- und Gaststättenverband, geht davon aus, dass jedes fünfte Hotel gefährdet ist. Derzeit ist einfach keine Prognose möglich. Alle fahren auf Sicht.

Was geschieht, wenn im Winter-halbjahr eine zweite Corona-Welle kommt?

Grundsätzlich müssen wir inzwischen davon ausgehen, dass die wirtschaftliche Erholung der Tourismusbranche langsamer als ursprünglich geplant stattfinden wird. Der Frankfurter Flughafen erholt sich ebenfalls nicht so schnell wie erhofft. Nach meiner Einschätzung werden wir erst im Jahr 2023 eine signifikante Erholung beim Tourismus haben. Ich hoffe, dass wir dann wieder 90 Prozent des Niveaus von 2019 erreichen, also der Zeit vor Corona.

Hoffen auf finanzielle Hilfe und Unterstützung der Politik

Brauchen wir einen Impfstoff gegen Corona, damit sich die Situation grundlegend bessert?

Wir brauchen einen Impfstoff und/oder ein Medikament. Und dann brauchen wir die Bereitschaft der Menschen, sich auch impfen zu lassen. Ich würde mir darüber hinaus Corona-Schnelltests wünschen, die innerhalb von 15 Minuten ein Ergebnis zeigen. Dies würde gerade für die stark gebeutelte Veranstaltungs- und Kongressbranche mehr Planungssicherheit bedeuten.

Kann die Politik mehr tun als bisher, um Tourismus, Hotels und Gastronomie zu helfen?

Die Politik kann die Branche weiterhin mit finanziellen Überbrückungshilfen ausstatten. Wir können uns nur so über Wasser halten. Diese Hilfe ist überlebenswichtig.

Worin besteht das Hauptproblem im Umgang mit Corona? Ist es die Angst der Menschen?

Ich würde von Verunsicherung sprechen. Die Branche muss und möchte den Menschen Sicherheit vermitteln. Dies ist zum einen zwar durch vertrauenswürdige Hygienekonzepte machbar – die permanente Dynamik der Risikogebiete erschwert aber eine verlässliche Planung der Reisenden. Frankfurt ist als Tourismusstandort professionell aufgestellt, niemand muss Angst haben, hier zu übernachten. Aber wir müssen nach wie vor feststellen, dass die Reiselust stark abgenommen hat und die Kaufkraft natürlich ebenfalls sinkt.

Die kältere Jahreszeit beginnt. Wie kann die Gastronomie überleben, wenn die Menschen Angst haben, geschlossene Räume aufzusuchen?

Die Stadt hat ja bereits die grundsätzliche Genehmigung erteilt, die Außengastronomie weiter zu betreiben. Es wird Aufbauten geben, die gegen Wind und Wetter schützen. Und es wird auch Heizpilze geben.

Corona bedeutet langfristige Veränderung für Tourismus in Frankfurt

Wird der Tourismus jemals wieder so sein können wie vor Corona?

Nein, der Tourismus wird sich in Teilen verändern. Das gilt insbesondere für den Geschäftstourismus, der für Frankfurt am Main eine besondere Bedeutung hat. Jede fünfte Geschäftsreise könnte wegfallen. Die Auslastung von Kongressen und Tagungen wird geringer sein. Das liegt daran, dass die Unternehmen derzeit stark auf Homeoffice und virtuelle Lösungen umstellen und damit Geschäftsreisen auch zukünftig eingespart werden können. Diese Veränderung wird Frankfurt besonders treffen, denn wir sind die internationalste Stadt in Deutschland. Zwei Drittel unserer Reisen sind Geschäftsreisen.

Worauf hoffen Sie?

Wir hoffen darauf, dass Events, kulturelle Ereignisse wie große Ausstellungen und Messen wieder stattfinden. Dann – und wenn sich das Pandemiegeschehen auch global gesehen beruhigt – wird auch die Lust auf Städtereisen wieder steigen und sich der Tourismus wieder erholen.

2019 feierte Frankfurt am Main noch Rekordzahlen beim Tourismus.

Ja, wir hatten damals 10,8 Millionen Übernachtungen und 6,2 Millionen Übernachtungsgäste. Diese Zahlen werden sich in diesem Jahr voraussichtlich halbieren. (Interview: Claus-Jürgen Göpfert)

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