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Die Notübernachtungsstätte für Obdachlose am Eschenheimer Tor in Frankfurt.

Obdachlosigkeit

Frankfurter Winterprogramm für Obdachlose endet

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Anfang Mai schließt die Stadt die neue Notübernachtung in der Innenstadt. Die Zahl der obdachlosen Menschen in Frankfurt ist gestiegen.

Obwohl es in Frankfurt schon erste sommerlich warme Tage gab, ist das Leben auf den Straßen noch im Wintermodus. Erst Ende kommender Woche werden die Stadt und die Wohlfahrtsverbände das Winterprogramm für obdachlose Menschen auslaufen lassen. Die im vergangenen November eröffnete neue Notübernachtung in der Innenstadt werde voraussichtlich am 5. Mai das letzte Mal in dieser Wintersaison öffnen, sagte Manuela Skotnik, Sprecherin von Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU), der Frankfurter Rundschau. Insgesamt sei man mit der Entwicklung der Einrichtung in der U-Bahn-Station Eschenheimer Tor zufrieden, vor allem weil sie sehr gut angenommen werde.

Im Laufe des Winters hat sich Skotniks Angaben zufolge ein Kern von 80 Menschen herausgebildet, die fast den ganzen Winter über in der Notübernachtung geschlafen haben. Pro Nacht haben bis zu 180 Menschen das Angebot angenommen, die Nacht dort im Warmen auf dem Fußboden zu verbringen. Der Kältebus des Frankfurter Vereins für soziale Heimstätten hat den Winter über 200 bis 300 Menschen pro Nacht gezählt, die in der Notübernachtung oder im Freien übernachtet haben. Die Zahl der Obdachlosen sei damit um rund 100 Menschen höher gewesen als im Winter zuvor, sagte Skotnik. Noch sei man nicht sicher, wie dieser Anstieg zu erklären sei. Möglicherweise kämen wegen der gestiegenen Zahl von Touristen mehr Menschen zum Betteln nach Frankfurt, vielleicht werde die neue Notübernachtung aber auch von Menschen angenommen, die die alte an der Hauptwache gemieden hätten.

Obdachlose in Frankfurt: Diesen Winter ist niemand auf der Straße erfroren

Stephan Griebel-Beutin, bei der Frankfurter Caritas für die Obdachlosenhilfe zuständig, sagte der FR, man sei „sehr zufrieden“ mit der neuen Notübernachtung und insgesamt gut durch den Winter gekommen. Alle Hilfseinrichtungen für obdachlose Menschen seien wie in der kalten Jahreszeit üblich belastet, aber nicht überfordert gewesen. Und auch in diesem Winter habe das Frankfurter Hilfssystem verhindert, dass Menschen auf der Straße erfroren seien, so Griebel-Beutin.

Jürgen Mühlfeld, Leiter des Diakoniezentrums „Weser 5“ im Bahnhofsviertel, sagte, man könne feststellen, „dass eindeutig mehr Menschen auf der Straße sind als im vergangenen Jahr“. Mit der Schließung der Notübernachtung werde man das auch wieder verstärkt im Stadtbild sehen. „Die Leute werden dann ja wieder auf der Straße sein“, sagte Mühlfeld. Das Weser 5, wo Obdachlose sich tagsüber im Warmen aufhalten, essen und duschen können, war den Winter über laut Mühlfeld stark belastet. Zwischen 180 und 190 Menschen haben die Einrichtung täglich besucht. „Wir sind am Limit“, sagte Mühlfeld.

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