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In der Notübernachtungsstätte Eschenheimer Tor können Obdachlose in kalten Winternächten in einer U-Bahn-Station übernachten. 

Obdachlosigkeit  

Frankfurt: Winteraktion für Obdachlose gut angelaufen

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Vor einer Woche hat die Stadt Frankfurt ihr Hilfsprogramm für obdachlose Menschen gestartet. Die Notschlafstelle am Eschenheimer Tor wird bereits gut genutzt.

Eine Woche nach dem Beginn der Winteraktion für obdachlose Menschen ist die Stadt Frankfurt mit dem bisherigen Verlauf zufrieden. Obwohl die Nächte aktuell noch relativ mild seien, werde die städtische Notübernachtung am Eschenheimer Tor bereits rege genutzt, sagte Manuela Skotnik, die Sprecherin von Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU), der Frankfurter Rundschau auf Anfrage. In der Nacht auf Mittwoch hätten 69 Menschen in der Einrichtung die Nacht verbracht, darunter 53 Männer und 16 Frauen.

Insgesamt habe der Kältebus des stadtnahen Frankfurter Vereins für soziale Heimstätten in der Nacht auf Mittwoch 191 Obdachlose auf der Straße gezählt, sagte Skotnik, 145 Männer und 46 Frauen – die 69 Menschen in der Notschlafstelle inbegriffen. Diese Zahl bewege sich etwa auf dem Niveau des Novembers vergangenen Jahres. Von den 191 Obdachlosen seien 158 Menschen aus Ost- und Südosteuropa gewesen. Eine große Zahl derer, die aktuell in Frankfurt auf der Straße leben, stammt schon seit Jahren aus dem EU-Ausland, vor allem aus Rumänien und Bulgarien.

Die städtische Notübernachtung wurde vor einem Jahr ans Eschenheimer Tor verlegt. Zuvor war sie 20 Jahre lang in der B-Ebene der Hauptwache untergebracht. In der Zwischenebene der U-Bahn-Station Eschenheimer Tor ist durch das Einziehen von Wänden eine beheizbare Halle mit eigenen sanitären Anlagen entstanden. Obdachlose Menschen können dort jede Nacht ab 22 Uhr übernachten, dazu werden abends Matten auf dem Fußboden ausgerollt. Am Morgen werden noch bis 10 Uhr Kaffee und Brötchen verteilt. Drei Sicherheitsmitarbeiter und Angestellte des Frankfurter Vereins betreuen die Obdachlosen. Im vergangenen Winter haben pro Nacht bis zu 180 Menschen am Eschenheimer Tor geschlafen.

Wer bei großer Kälte obdachlose Menschen draußen schlafen sieht, sollte unter der Nummer 069 / 43 14 14 den Frankfurter Kältebus anrufen. Das Team des Busses behält den Überblick auf den Straßen, verteilt Schlafsäcke und heiße Getränke und fährt Obdachlose auf Wunsch auch in eine Notunterkunft. han

Auch Christiane Heinrichs vom Frankfurter Verein für soziale Heimstätten ist mit dem Start in die Wintersaison zufrieden. Der Betrieb der Notübernachtung laufe bisher ohne Probleme, sagte Heinrichs der FR. Die in diesem Winter neu eingeführten Hausausweise würden von den Nutzern der Einrichtung gut angenommen. „Das läuft völlig unproblematisch an“, sagte Heinrichs.

Bisher habe man 119 der Ausweise ausgestellt, auf denen Name, Geburtsdatum und Nationalität der Nutzerinnen und Nutzer erfasst werden. Außerdem fragen die Sozialarbeiter ab, ob die Menschen Teil einer größeren Gruppe seien und ob sie noch andere Hilfseinrichtungen nutzten. Bisher hätten die Obdachlosen keine Bedenken geäußert, ihre Daten anzugeben, sagte Heinrichs. Der Frankfurter Verein erhofft sich durch die Ausweise, die jeden Abend vorgezeigt werden müssen, einen besseren Überblick über die Nutzerinnen und Nutzer der Einrichtung und den Bedarf der Menschen.

Den Ein- und Ausgang der Notübernachtung habe man in diesem Winter ebenfalls neu geregelt, sagte Heinrichs. Man gelange über die Treppe an der Großen Eschenheimer Straße in die Einrichtung, der Ausgang liege nun in der Schillerstraße. Außerdem seien neue Schlafmatten bestellt worden, zwei Zentimeter dick und 80 mal 200 Zentimeter groß seien. „Die isolieren die Kälte von unten und man kann darauf relativ komfortabel liegen.“

Neben der Notschlafstelle am Eschenheimer Tor bieten im Rahmen der Winteraktion auch andere Hilfseinrichtungen zusätzliche Schlafplätze an. Der Bedarf könnte in den kommenden Tagen steigen: In der Nacht zu Montag wird Frost erwartet, insgesamt wird es in den nächsten Tagen deutlich kühler.

Die Stadt Frankfurt unterhält unter der Nummer 069 / 21 27 00 70 eine eigene Hotline für soziale Notlagen, die rund um die Uhr besetzt ist. Bei akuter Lebensgefahr sollte man immer den Notruf mit der Nummer 112 wählen.

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