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Frankfurt: Storchennest muss weg – Windpark in Planung

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Von: Thomas Stillbauer

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Jetzt ist es erst mal weg: das Nieder-Erlenbacher Nest 2021 auf einem echten alten Strommast – mit einem unechten Storch.
Jetzt ist es erst mal weg: das Nieder-Erlenbacher Nest 2021 auf einem echten alten Strommast – mit einem unechten Storch. © Renate Hoyer

Ein Storchennest in Nieder-Erlenbach muss einem geplantem Energiepark weichen. Ein neuer Standort wird noch gesucht.

Da fehlt doch was? Wer in diesen Wochen am Riedsteg in Nieder-Erlenbach vorbeikam, hat schnell festgestellt: In diesem Jahr fehlt dort nicht nur der Storch – es fehlt auch das Storchennest. Erst vor knapp einem Jahr im April aufgestellt, ist der eigens angefertigte Wohnraum für Familie Adebar schon wieder weg. Und schuld ist der Wind. Besser gesagt: seine Energie.

Die Fläche unweit des Erlenbachs gehöre zum sogenannten Windvorranggebiet, erläutert Ulrike Schulz, Pressesprecherin der Energieversorgerin Mainova. Das heißt: Sie liegt im Einzugsgebiet geplanter Windkraftanlagen. Mittelfristig musste das Nest daher auf jeden Fall weg. Dass es jetzt recht schnell entfernt wurde, hat einen naheliegenden Grund: „Es war zu befürchten, dass sich dort Störche niederlassen“, sagt Schulz. Die hätten sich wahrscheinlich an den Standort gewöhnt. Das Nest dann noch umzusetzen, wäre aus Sicht der langbeinigen Bewohner problematisch geworden.

Wegen geplantem Windpark: Nabu sucht neue Fläche für Stahlkorb am Stiel

Also suchen die Mainova und der Nabu jetzt eine geeignete Fläche für den Stahlkorb am Stiel, den Auszubildende der Stromerzeugerin selbst gefertigt haben. Dabei hilft Storchenkenner Ingolf Grabow, der auch beim Erfolgsstorchennest drüben in Harheim das richtige Näschen hatte. Dort nisten auf dem 2015 ebenfalls von der Mainova errichteten Horst jedes Jahr erfolgreiche Rotschnabel-Familienunternehmen. Seit Ende Februar sind in Harheim schon wieder Handlungen zwischen Frau und Herrn Storch zu beobachten, die am Ende aufs Eierlegen hinauslaufen.

Zurück zur Windkraft am Erlenbach: Energie aus erneuerbaren Quellen, das Gebot der Stunde und der Zukunft. Aber wie war das mit dem Vorranggebiet? Als solches hat der Regionalverband Frankfurt einen Teil Nieder-Erlenbachs ausgewiesen. Noch stehe man ganz am Anfang des Projekts, berichtet Schulz: „Erfahrungsgemäß vergehen mehrere Jahre, bis sich ein Windrad tatsächlich dreht.“ Unter anderem seien noch Gutachten und die Abstimmung mit der Deutschen Flugsicherung erforderlich.

Geplanter Windpark bei Frankfurt: Storchennest im Weg

Sobald aber ein Windpark dort entstünde, wäre das (ehemalige) Storchennest zu nahe dran. Die Verwaltungsvorschrift „Naturschutz/Windenergie“ sieht nämlich vor, dass der Storch einen 1000 Meter großen Schutzpuffer zum nächsten Windrad erhält. Ist sonst zu gefährlich.

Wären also Störche ins Nest eingezogen, hätte ihr Schutzpuffer zwei Drittel der Windvorrangfläche überlagert – adieu Windpark. Dann besser das Nest abbauen und woanders aufstellen, sagte sich die Mainova, und zwar schon Ende Januar, bevor der erste Storch aus dem Winterurlaub zurückkam.

Nun wird es also in diesem Jahr wohl wieder nichts mit rechtzeitig fertiggestelltem Wohnraum für Störche in Nieder-Erlenbach. Aber die Nachfrage, hört man, soll sicher auch 2023 noch groß sein. (Thomas Stillbauer)

Im Main-Kinzig-Kreis und in der Wetterau gab es im vergangegen Jahr so viele Störche wie noch nie. Nicht alle erfreut das. Jäger verlangen zum Beispiel eine Lösung zum Schutze des Hasen.

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