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Frankfurt: Willi Looses langer Kampf gegen Autobahnausbau

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Von: Florian Leclerc

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Willi Loose zeigt, wie man aufs Auto verzichten kann. Foto: Renate Hoyer
Willi Loose zeigt, wie man aufs Auto verzichten kann. Foto: Renate Hoyer © Renate Hoyer

Der frühere Geschäftsführer des Bundesverbands Carsharing, Willi Loose, ist zurück in seiner Heimatstadt Frankfurt und engagiert sich gegen den Autobahnausbau - wie vor 40 Jahren.

Er war Verkehrsexperte beim Öko-Institut in Freiburg und Geschäftsführer des Bundesverbands Carsharing in Berlin. Seit Willi Loose in seine frühere Heimatstadt Frankfurt zurückgekehrt ist, engagiert er sich wieder in Initiativen, die den Ausbau der Autobahnen in Frankfurt verhindern wollen. Für ihn ist das eine Art Zeitreise. „Ich fange wieder an, wo ich 1992 aufgehört habe“, sagt der 69-Jährige.

Loose ist, wie damals, wieder einer der Köpfe des Aktionsbündnisses unmenschliche Autobahn, in dem sich Bürgerinitiativen zusammengeschlossen haben. Auch beim Bündnis Verkehrswende macht er mit.

Widerstand gegen den Autobahnausbau

Sein Widerstand gegen den Autobahnausbau begann, als die Planungen diskutiert wurden, in den späten 1970er Jahren – damals noch mit Alleentunnel quer durch die Stadt, der sogenannten Alleenspange und dem Autobahndreieck Seckbach. Alleentunnel, -spange und AD Seckbach sind mittlerweile abgewickelt. Nun geht es um den sechsspurigen Ausbau der A66 mit Riederwaldtunnel bis zum Autobahndreieck Erlenbruch und den Ausbau der A661 auf zunächst fünf Spuren mit einer Rampe von der Friedberger Landstraße auf die Autobahn nach Süden.

Damals, im Widerstand, lernte er seine Frau kennen, mit der er heute in Bergen lebt. In einer Arbeitsgemeinschaft organisierte er Fahrradtouren, die einmal im Jahr durch die Stadt führten. Mit der Initiative „Rettet die Straßenbahn“ brachte er ein Bürgerbegehren auf den Weg, um die schienenfreie Innenstadt zu verhindern. Der Magistrat lehnte das Begehren zwar ab, das Regierungspräsidium Darmstadt genehmigte allerdings den Abriss der Schienen in der Altstadt nicht, die heute ein Rückgrat der Straßenbahn bilden.

Der Kampf gegen den Autobahnausbau hinterließ Spuren. Nicht nur viele Aktenordner, die Loose dem Institut für Stadtgeschichte vermachte. Sondern auch eine emotionale Betroffenheit. Denn Stadt- und Landesregierung unterstützten den Autobahnausbau. „Als ich Frankfurt 1992 verließ, weil ich einen Job in Freiburg beim Öko-Institut bekommen hatte, fiel eine Last von mir ab, es war befreiend“, sagt er. Er sei den Zynismus losgeworden, der sich angesichts der autofreundlichen Politik aufgestaut hatte.

Klimaschutz ernst nehmen

Wer heute mit Willi Loose spricht, erlebt einen klar und sachlich argumentierenden Menschen. Er ist der ruhende Gegenpol zu Friedhelm Ardelt-Theeck, der seit Jahrzehnten das Aktionsbündnis unmenschliche Autobahn vertritt und auch schon mal emotional wird, wenn ihn der Ausbau auf die Palme bringt.

Als er wieder anfing, sich zu engagieren, hat Willi Loose das dreiteilige Diskussionsformat „Argumente gegen den Autobahnausbau“ auf den Weg gebracht. Zum Abschluss spricht der Mobilitätsforscher Martin Lanzendorf am 8. Juni, 19 Uhr, im Saalbau Südbahnhof über induzierten Verkehr durch den Straßenbau und die Folgen für das Klima.

Willi Loose hat auch drei Tage lang an der Erörterung zum Ausbau der A661 teilgenommen und die Interessen von betroffenen Anwohner:innen vertreten. Dort wurde auch die Stellungnahme des Grünflächenamts vorgetragen, die im Auftrag von Umweltdezernentin Rosemarie Heilig den Autobahnausbau aus Klimaschutzgründen ablehnte.

Heilig habe in der Sache Recht, sagt er. Die Stadt müsse angesichts des Klimaschutzgesetzes im Bund und der Klimaneutralität bis 2035 in Frankfurt, die sich die Römer-Koalition vorgenommen hat, den Autobahnausbau hinterfragen.

Ein 30-seitiges Verkehrskonzept, das aufzeigt, wie der Verkehr in Frankfurt auch ohne den Ausbau von A66 und A661 geführt werden kann, ist sein jüngstes Projekt. „Wir haben das Verkehrskonzept nun allen Stadtverordneten und dem Magistrat zugeschickt, und würden uns freuen, wenn wir dazu viele Rückmeldungen bekämen, von den Stadtverordneten und dem Verkehrsdezernenten Stefan Majer und seinem designierten Nachfolger Wolfgang Siefert“, sagt er.

An der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag nahm Loose als Gast teil – und freute sich, dass stationsbasierte Carsharing-Fahrzeuge nun auch im öffentlichen Raum parken dürfen. Das Carsharinggesetz, das die Grundlage dafür ist, habe er als Geschäftsführer des Bundesverbands Carsharing begleitet, auch die Übertragung auf die Landesgesetzgebung.

„Nur ist Frankfurt mit der Umsetzung ziemlich spät dran.“

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