Die Gleise in Frankfurt sollen grüner werden.
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Die Gleise in Frankfurt sollen grüner werden.

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Frankfurt: VGF will Gleise bepflanzen

  • Florian Leclerc
    vonFlorian Leclerc
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Die VGF will Neubaustrecken begrünen. Das kostet allerdings deutlich mehr als konventionelle Gleise.

Die Koalition im Römer hat die städtische Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) aufgefordert, weitere Gleise zu begrünen. Wie aus einem Magistratsbericht hervorgeht, will die VGF das in den kommenden Jahren auch tun. Auf sechs Kilometern Strecke stünden in den nächsten fünf Jahren Erneuerungen an. Diese Abschnitte könnten bepflanzt werden (siehe Kasten). Schon jetzt seien vier Kilometer Gleise bei der U-Bahn und rund acht Kilometer Gleise bei der Straßenbahn begrünt. Für eine weitere Begrünung kämen 14 Kilometer bei den Straßenbahnen, zehn Kilometer bei den U-Bahnen infrage.

Rasengleise gibt es unter anderem am Riedberg, auf der Stresemannallee, an der Messe, am Hessendenkmal und am Gravensteiner Platz. Insgesamt ist das Netz für Straßenbahnen 68 Kilometer lang, das für U-Bahnen, die teils unterirdisch verlaufen, 64 Kilometer.

Alle Trassen zu grünen Bändern zu machen sei hingegen nicht möglich, teilte die VGF mit. Auf zahlreichen Strecken nutzten mehrere Verkehrsmittel die Fahrbahn, etwa auf der Münchener Straße, in der Braubachstraße, der Bernhard-Grzimek-Allee. Wenn Autos übers Rasengleis führen, gingen die Pflanzen kaputt.

Pflanzen im Gleis hätten den Vorteil, dass sie Kohlendioxid aufnehmen und Sauerstoff freigeben; Tieren einen Lebensraum bieten, Wasser speichern, das Mikroklima verbessern und Feinstaub binden, den Fahrzeuge durch den Abrieb ihrer Reifen erzeugten.

In den kommenden fünf Jahren will die Verkehrsgesellschaft Frankfurt Gleise erneuert und gegebenenfalls auch begrünen. 


Bei den Straßenbahnen: Wittelsbacher Allee: rund 300 Meter zweigleisig; Mörfelder Landstraße: rund 500 Meter zweigleisig; Alt-Fechenheim: rund 750 Meter zweigleisig; Mainzer Landstraße in Nied: rund 1000 Meter zweigleisig.

Bei den U-Bahnen: Am Industriehof: rund 300 Meter zweigleisig; Marbachweg: rund 300 Meter zweigleisig; Ludwig Landmann Straße: rund 1000 Meter zweigleisig; Am Hohen Weg: rund 1000 Meter zweigleisig; Schloßstraße: rund 900 Meter zweigleisig.

2024 sollen 1400 Meter grünes Gleis auf der Europa-Allee hinzukommen. fle

Der Nachteil sei, dass grüne Gleise mehr kosteten als Gleise aus Stahl und Beton. Während ein einfacher Meter Rollrasen laut Wikipedia je nach Qualität mit zwischen drei und zehn Euro pro Quadratmeter zu Buche schlägt, kostet die Begrünung von Gleisen laut VGF ein Vielfaches.

Die günstigste Begrünung mit 50 Gramm des Gemischs „Sedum“, das etwa zehn verschiedene Pflanzen enthält, koste bei Straßenbahngleisen pro Meter Gleis 300 Euro. Bei U-Bahn-Gleisen stiegen die Kosten auf 1000 Euro pro Meter Gleis. Das liege an der „Bauausführung des Tragsystems mit Betonlängsbalken“.

Gesät werde die Sedum-Mischung auf einem wasserspeichernden Granulat. Darunter befinde sich ein Flies, damit die Flüssigkeit nicht in den Schotter versickere. Betonlängsbalken habe die VGF etwa an den begrünten Gleisen am Riedberg verbaut.

Mit der Pflanzenmischung Sedum habe die VGF gute Erfahrungen gemacht, etwa vor der Straßenbahnhaltestelle Rebstockbad und in der Adolf-Miersch-Straße in Niederrad. Die Pflanzen wüchsen nicht so hoch und seien hitzebeständig. Bewässerung und Grünschnitt fielen weg. Bei Trockenheit färbten sich die Pflanzen rot, erholten sich aber wieder, anders als Gras, das absterbe und neu gepflanzt werden müsse.

Bepflanzt werden sollen nicht nur Gleise, sondern auch Dächer von Haltestellen, in Absprache mit der Firma Ströer. Dies hatte der Ortsbeirat 10 vorgeschlagen.

Auf den Einsatz des Pflanzengifts Glyphosat, das für Insektensterben und Krebserkrankungen verantwortlich gemacht wird, verzichtet die VGF seit 2018. Gemeinsam mit dem Umweltamt würden andere Optionen geprüft.

Die Verlängerung der U-Bahn-Linie 5 in Frankfurt wird frühestens 2025 in Betrieb genommen. Grund dafür sind Probleme mit der Tunnelbohrmaschine "Eva".

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