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Frankfurt will "Frauenhauptstadt" werden

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Von: Thomas Stillbauer

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Ute Lemper wird in Frankfurt auftreten.
Ute Lemper wird in Frankfurt auftreten. © Steffen Thalemann

Frankfurt freut sich auf die nächste Runde beim "Women of the World"-Festival im Mai 2018 und will "Frauenhauptstadt" werden. Der Ticketverkauf hat begonnen.

Weiter geht’s auf dem Weg, Frankfurt zur „Frauenhauptstadt“ zu machen: Im kommenden Mai (9. bis 11.) geht das „Women of the World“-Festival (kurz: W-Festival) in die siebte Runde. Erklärtes Ziel der Männer, die es planen: „Wir wollen international dafür berühmt werden, die Frauenhauptstadt zu sein“, sagt der künstlerische Leiter Bernd Hoffmann. Eintrittskarten sind ab sofort zu haben.

Auftreten werden Stars wie Ute Lemper, die ihren Besuch von 2017 aufs nächste Jahr verschoben hatte, Lisa Stansfield, Morcheeba, Wallis Bird und Christina Stürmer. Neuerdings heißt das Ganze „W-Festival Frankfurt Rhein-Main“ und soll mehr Orte im Umland bespielen, darunter den Wiesbadener Schlachthof. Das ist eine Konsequenz aus der Erkenntnis, dass bislang fast zwei Drittel der Tickets „im Speckgürtel“ verkauft wurden, wie Hoffmann sagt, und nur etwa 37 Prozent in Frankfurt.

Beim Kampagnenstart am Donnerstag gesellt sich die Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) zur fröhlichen Runde, „unsere Frau im Magistrat“, wie sie vorgestellt wird. Ihr Eindruck vom Festival: „Großartig, das ist Frankfurt.“ Schließlich habe die Stadt nicht nur 50 Prozent Einwohner mit Migrationshintergrund, sondern „auch 50 Prozent mit Frauenhintergrund“, vergleicht die OB-Kandidatin der Grünen mit einem Augenzwinkern und fordert: „Wir müssen in Kultur investieren, Strukturen für Frauen schaffen.“ Unter den Museumsdirektoren und Intendanten etwa gebe es so gut wie keine Frauen, „oben wird die Luft dünn“.

Da ist sie sich mit den W-Festivalmachern einig. Es soll an den drei Tagen im Mai nicht allein um Musik gehen, sondern um Frauenbelange generell. „Ich glaube, dass nur Frauen den Planeten retten können“, betont Bernd Hoffmann. „Unsere testosterongesteuerten Manager werden es jedenfalls nicht tun.“ Einen Beitrag dazu soll das Festival leisten: mit Auftritten etwa in der Alten Oper und im Gibson Club, aber auch mit Gratis-und-draußen-Konzerten, diesmal auf dem Stoltze-Platz. Dort sollen die Nachwuchssängerinnen wieder zu ihrem Recht kommen. Im Wettbewerb konkurrierten im vorigen Jahr 307 junge Künstlerinnen um die begehrten Auftrittsmöglichkeiten.

Eine, die es auf diesem Weg geschafft hat, gibt am Donnerstag beim Pressetermin eine Kostprobe: Fee, die Frankfurterin und Siegerin im Nachwuchswettbewerb 2015. Damals hievte ihre Last-Minute-Bewerbung sie auf die Bühne der Alten Oper ins Vorprogramm von Caro Emerald. Jetzt steht sie kurz vor der Veröffentlichung ihres ersten Albums und singt als Kostprobe zwei Lieder, darunter „Einzimmerwohnung“, den Titelsong. „Passend zum Frankfurter Wohnungsmarkt“, scherzt sie. Ihr Auftritt ist zum Glück weitaus fröhlicher als die Lage an der Immobilienfront – und viel sympathischer.

Noch stehen nicht alle Künstlerinnen für den kommenden Mai fest. Hoffmann kündigt noch Überraschungen an, darunter eine „sehr, sehr berühmte Schirmherrin“, dann eine „sehr, sehr berühmte“ Dame, die eine Lesung halten soll, sowie einen Kinostar der gleichen Güteklasse. Näheres dazu soll spätestens im Januar zu erfahren sein. Schon vor Weihnachten wird die Werbung fürs W-Festival in der Stadt aufflammen – auf dass es wieder gelinge, in die schwarzen Zahlen zu kommen wie erstmals im vergangenen Jahr.

Das Publikum setzte sich bisher übrigens aus knapp 70 Prozent Damen und nicht mal einem Drittel Herren zusammen. „Männergeschmack ist oft nicht der leise und elegante Ton“, stellt Bernd Hoffmann fest. Aber das kann ja noch werden auf dem Weg zur Frauenhauptstadt.

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