Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) stellt das Wiesenkonzept der Stadt im Sinaipark vor.
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Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) stellt das Wiesenkonzept der Stadt im Sinaipark vor.

Wiesenkonzept

Frankfurt: Wildwiesen mähen, Artenvielfalt erhalten

  • Sandra Busch
    vonSandra Busch
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Ein- bis zweimal im Jahr werden die Wildwiesen gemäht. Denn sie brauchen Pflege, um artenreich sein zu können und damit auch viele Insekten anzulocken.

Zwischen Hornklee und Disteln, Weidelgras und Kerbel steht Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) am Mittwochmorgen auf einer Wiese im Sinai-Park. Einer von vielen Wiesen in der Stadt. 403 Hektar gibt es insgesamt in Frankfurt. Und es sollen noch 32 mehr werden. „Wir haben den Anspruch, mehr Rasen in Wiesen zu verwandeln“, sagt Heilig. Denn die Stadt will etwas gegen den Rückgang der Artenvielfalt tun und mit mehr Wildnis in der Stadt Insekten wieder anlocken. Die Wiesen bieten ihnen Lebensraum. „Ohne Biene kein Apfel – und in Frankfurt kann man noch anfügen: dann auch kein Apfelwein.“

Wiesen in der Stadt

Von rund 1430 Hektar Fläche in der Zuständigkeit des Grünflächenamts – ohne Stadtwald und Friedhöfe – sind etwa 760 Hektar Rasen oder Wiese im weitesten Sinne.

403 Hektar davon werden als Wiese gepflegt. Weitere 32 Hektar auf 34 Flächen sollen in Wiesen umgewandelt werden.

Die Wiesen liegen in alten Parkanlagen wie Huthpark oder Lohrberg, in der freien Landschaft wie beispielsweise dem Heiligenstock oder an der Nidda, im Straßenraum. 


Auf einigen Friedhöfen wie dem Hauptfriedhof oder dem ‚Friedhof Nieder-Erlenbach wurden früher artenarme Rasenflächen zu Wiesen umgewandelt.

Anfang bis Mitte Juni ist Mahdzeit, es wird also gerade im gesamten Stadtgebiet gemäht. Ein- bis zweimal im Jahr ist das bei einer Wiese der Fall. Anders als bei Rasenflächen, die viel häufiger gestutzt werden. Doch eine Wiese macht dennoch mehr Arbeit. „Der Aufwand ist immens“, sagt Heilig. Denn so eine Wiese braucht Pflege. Nur weniger mähen oder einfach wachsen lassen – das macht noch keine artenreiche Wiese. Einige Pflanzen können sich ohne Pflege zu stark ausbreiten und andere Arten unterdrücken. Oder die Wiese würde verbuschen. Manchmal muss der Boden ausgetauscht werden, damit die Wiese gut gedeiht. Und auch den richtigen Zeitpunkt für die Mahd zu finden, ist nicht einfach. „Es kommt auf die Witterung an, auf den Boden, wie der Sommer verläuft, wie warm es ist“, sagt Heilig. „Man muss genau hinschauen.“ Bei jeder Wiese.

Denn die Blühphase einer Wiese muss für die Mahd vorbei sein, die Samen sich verbreitet haben. Erst dann kann gemäht werden. Kleinere Flächen mäht eine Spezialfirma. Bei größeren übernehmen das Landwirte. Sie bekommen dafür das Schnittgut als Futter für etwa ihre Pferde.

Auch für John Dippell vom BUND Frankfurt fördert Mähen die Artenvielfalt mehr, als die Wiese einfach stehen zu lassen. Und „wenn man abschnittsweise mäht, ist der Zeitpunkt kein Problem“. Dann bleibt immer ein Teil stehen. Die gesamte Wiese „auf einen Schlag zu mähen, ist für die Insektenwelt ein Gau“, sagt Dippell. Schließlich leben sie nicht nur in der Wiese, sie finden auch ihre Nahrung dort. Abschnittsweise mäht die Stadt in einigen Gebieten. Auf dem Buga-Gelände etwa. „Da lassen wir Rückzugsgebiete von zehn bis 15 Prozent der Wiese stehen“, sagt Holger Alt, Bezirksleiter beim Grünflächenamt.

Als die Stadt vor acht Jahren begann, Rasenflächen in Wiesen umzuwandeln, hätten Bürgerinnen und Bürger das Grünflächenamt „noch kritisiert, wenn eine Fläche naturnah aussah“, sagt Simone Jacob, stellvertretende Amtsleiterin. Unordentlich und ungepflegt kam sie den Bürgern vor. „Aber der Zeitgeist hat sich gewandelt, und wir haben Öffentlichkeitsarbeit betrieben“, sagt Jacob „Jetzt werden wir eher dafür kritisiert, wenn gemäht wird: Wir sollen es doch bitte stehen lassen.“ Aber genau das sollte man für eine artenreiche Wiese eben nicht machen.

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