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Jagdhornbläser eröffnen die Jagd in Schwanheim. Foto: Christoph Boeckheler.
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Jagdhornbläser eröffnen die Jagd in Schwanheim.

Umwlet

Frankfurt: Wildschweine bleiben im Versteck

Bei der Hubertusjagd im Schwanheimer Stadtwald verhindert der Regen reiche Beute.

Es ist ein nasskalter Mittwochmorgen im Frankfurter Stadtwald. Das von den Bäumen herabgefallene Laub klebt auf dem Gehweg an der Schwanheimer Bahnstraße. Durch die Bäume blitzen rot-orangene Warnwesten. Gleich beginnt in den Forstrevieren Schwanheim und Goldstein die jährliche Hubertusjagd der Abteilung Stadtforst des Grünflächenamts.

Es fängt langsam an zu regnen, als immer mehr Jäger und ein paar vereinzelte Jägerinnen auf dem Waldparkplatz ankommen und sich in kleinen Grüppchen verteilen. In einer der Gruppen steht Johann Henrich. Er ist gelernter Förster und besitzt seit 38 Jahren einen Jagdschein. Er erklärt, dass trockenes Wetter eigentlich besser für die Jagd sei: „Man hört bei Regen einfach nicht so gut und wenn der Boden dann richtig nass ist, kann man das Rascheln des Wilds auch nicht mehr richtig wahrnehmen.“ Neben ihm steht Björn Thomas, seit 1989 Revierleiter in Sachsenhausen. Er ist mit voller Regenmontur bestens auf das nasse Herbstwetter vorbereitet. Heute übernimmt er die Aufgabe des sogenannten Anstellers, das bedeutet, er ist verantwortlich für eine Kleingruppe, die er später zu den jeweils zugeteilten Hochsitzen führt. „Wir machen das ganze hier nicht aus Lust und Tollerei“, stellt er klar und erklärt, dass es für ihn vor allem darum ginge, die Vermehrung der Wildtiere zu regulieren. „Wenn die Wildschweine schon bei den Leuten die Gärten umgraben, ist es einfach zu viel.“

In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Vorfälle, bei denen Wildschweine bis an die Häuser in Schwanheim vordrangen. 2008 verirrte sich eins der Wildtiere sogar in einen Schwanheimer Gemeindesaal.

Tina Baumann, die Abteilungsleiterin des Stadtforstes, geht von Gruppe zu Gruppe. Sie erklärt, dass es bei dieser Art von Jagd nicht um Trophäen ginge, sondern darum zu versuchen, die natürlichen Feinde der Wildtiere zu ersetzen, die es heutzutage im Stadtwald nicht mehr gibt. Die Wildschweinpopulation sei derzeit zwar auf hohem Stand, aber durchaus unter Kontrolle. „Der Grund hierfür ist unsere regelmäßige Jagd“, betont die Abteilungsleiterin. Aber auch der Fleischgewinn sei natürlich ein Grund zur Jagd.

Der Regen ist mittlerweile zu einem beständigen Schauer geworden. Einige der Jäger stehen jetzt unter einem kleinen Pavillon und tauschen sich aus. Andreas Flach und Klaus Schwieters schauen sich gerade den Lageplan für die bald beginnende Jagd an. Zum Thema Fleischgewinn haben auch sie eine klare Meinung. „Mehr Bio geht nicht“, sagt Flach.

Kurz bevor die Jagdhornbläser den Start der Jagd ankündigen, weist Tina Baumann in einer Ansprache nochmal auf die Sicherheitsregeln und den Ablauf hin. Die Gruppe, mit rund 60 Jägerinnen und Jägern plus einigen Treibern samt Hunden versammelt sich im Kreis um sie herum. Baumann macht klar, dass jeder Schuss, der abgesetzt wird, auch gemeldet werden soll, das wäre bei ihnen „Ehrensache“. Denn auch wenn beim Schießen mal was daneben ginge, würde immer nachgesucht werden. Die Nachsuche ist das, was nach einem abgegebenen Schuss passiert, um das „Stück“, wie das Wildtier in der Jägersprache genannt wird, zu finden und zu bergen.

An diesem Tag gibt es dann aber nur wenig Wild zum Nachsuchen. Nur drei Rehe und zwei Wildschweine werden erlegt. In den vergangenen Jahren waren es laut Tina Baumann schon mal 30 bis 40 Tiere. Der Regen war dann doch der ausschlaggebende Faktor, der viele Wildschweine daran hinderte, durch den Wald zu streifen. Es scheint, nicht nur wir Menschen verziehen uns bei Herbstregen lieber ins Warme, auch die Schwanheimer Wildschweine verstecken sich im Dickicht und warten lieber auf schöneres Wetter. Glück für sie, Pech für die Jäger.

Fleisch vom Wild aus dem Stadtwald kann im Waldladen des Informationszentrum StadtWaldHaus erworben werden. Dienstags und donnerstags von 15 bis 18 Uhr und jeden ersten und dritten Samstag im Monat von 9 bis 13 Uhr. (ANNA LAURA MÜLLER)

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