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Musik zur Eröffnung: der sanierte Garten des himmlischen Friedens im Bethmannpark.

Bethmannpark

Frankfurt: „Garten des himmlischen Friedens“ saniert

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Besucher strömen in den sanierten „Garten des himmlischen Friedens“. Bei der Neueröffnung geht es auch um ein Bekenntnis zur Demokratie.

Die Wiedersehensbegeisterung übertrifft so manche Erwartung bei weitem. Zu Hunderten sind die Frankfurter am Freitag in den Bethmannpark gekommen. „So ein schöner Ort!“, hört man sie schwärmen, als sie endlich hineindürfen in den Chinesischen – nein, in den „Garten des Himmlischen Friedens“, so heißt er richtig, und darauf kommt es auch an.

In großer Zahl gruppieren sich die Fans vor der improvisierten Bühne am 2017 abgebrannten und nun wiedererrichteten „Wasserpavillon des geläuterten Herzens“. Einige verteidigen sogar die jungen Pflanzen gegen die Rücksichtslosen, die im Ringen um die beste Sicht durch die Rabatten trampeln. Das sanierte Grün war es auch, auf das die Stadt noch warten musste. Der Pavillon war schon im Sommer fertig. Aber Ruhe jetzt, die Stadträtin spricht.

„Ich bin sehr glücklich“, sagt die Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne), die Rührung ist ihr anzumerken. Sie erinnert an den 1. Juni 2017, als ein oder mehrere bis heute unerkannte Brandstifter den Pavillon abbrannten – Teil einer Serie von Feuersbrünsten an Frankfurter Holzbauten. Der Magistrat habe versprochen, alles wieder aufzubauen; hier sei das Versprechen eingelöst. Das Nordend und Frankfurt hätten wieder einen Ort der Ruhe. Darauf weist auch eine Kalligraphie am Pavillon hin: „Ein friedlicher und schöner Platz zum Ausruhen / In der Stille findet man Kraft zu neuem Denken“ steht darauf.

Auch ein politischer Ort

1,3 Millionen Euro hat der Wiederaufbau gekostet, eine Million zahlte die Versicherung. 1989 war der Garten erstmals eröffnet worden, in jenem Jahr, als in Peking Hunderte, vielleicht Tausende Regierungskritiker getötet wurden. Ausgangspunkt waren Demonstrationen am Platz des Himmlischen Friedens gewesen – daher der Name auch für den Frankfurter Chinesischen Garten. Es habe aus China den Wunsch gegeben, im Zuge des Wiederaufbaus diesen Namen abzulegen, berichtet Rosemarie Heilig: „Das haben wir selbstverständlich abgelehnt. In China wurden damals Menschen getötet, die den Demokratisierungsprozess vorantreiben wollten – ihrer gedenken wir hier.“

Heilig nimmt am Freitag auch in Bezug auf die aktuellen Demonstrationen in Hongkong kein Blatt vor den Mund. Dort wie anderswo auf der Welt brächten Menschen den Mut auf, sich gegen Unrecht aufzulehnen: „Herzlichen Dank an die jungen Leute, die wissen, um was es geht.“

Dafür gibt es warmen Beifall der Eröffnungsbesucher. Spontan antworten sie auf Heiligs Frage, was sie gespürt hätten, als sie wieder aufs lange gesperrte Areal durften. „Freude!“, rufen manche. Und andere: „Wieder zu Hause!“ Seltene intensive Momente in der Großstadt. Nordend-Ortsvorsteherin Karin Guder (Grüne) sagt, es gebe wohl keinen magischeren Ort im Stadtteil als diesen. Sie nennt die Partnerschaft zwischen Frankfurt und dem chinesischen Guangzhou einen „menschlichen Akt der Globalisierung“.

Zur Feier des Tages gibt es Musik des internationalen Ensembles um die virtuose chinesische Erhu-Geigerin Deng Xiaomei und bunte Kostümszenen des Peking-Oper-Clubs Frankfurt. Großer Applaus. Die Besucher erfreuen sich an der wiederhergestellten Vegetation und lassen sich vom Architekten Martin Beilmann das Gebäude erklären, das die Fachfirma aus der Provinz Anhui in Rekordzeit errichtete, diesmal nicht aus Ginkgo, sondern aus feuerbeständigerem Eukalyptusholz. Die Türen am Pavillon knarren laut und vernehmlich. Die Eröffnungsgäste sind sicher: „Das muss so sein.“

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