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„Aus Schönheitsschlaf aufwachen“: Wie geht es mit der Frankfurt Fashion Week weiter?

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Von: Kathrin Rosendorff

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Eine Modenschau von Dawid Tomaszewski gab es im Januar im Rahmen der Fashion Week im Restaurant der Alten Oper. Foto: Bernd Kammerer
Eine Modenschau von Dawid Tomaszewski gab es im Januar im Rahmen der Fashion Week im Restaurant der Alten Oper. © Bernd Kammerer

Überraschend kam der Rückzug der Messe der Premium Group nach Berlin. Doch Frankfurt will weiterkämpfen.

Frankfurt - Bart Simpson sitzt auf einem Hocker. Sein Opa öffnet die Tür, hängt seinen Hut an den Kleiderhaken auf, läuft einmal im Kreis, zieht den Hut wieder auf, und verschwindet wieder durch die Tür. Ein Kurzvideo, das auf dem Instagram-Account „Frankfurt am Meme“ zu sehen ist. Eine ironische Anspielung auf das Verhalten der Premium-Group: Die hatte am Montag (31.01.2022) überraschend verkündet, dass sie mit ihren Modemessen zurück nach Berlin geht – obwohl die Messe in Frankfurt wegen der Pandemie niemals stattfinden konnte.

Der Abgang kam ebenso überraschend wie der Beginn im Sommer 2020. Damals wurde verkündet, dass alle wichtigen Berliner Modemessen ins „wirtschaftsstarke“ Frankfurt ziehen. Die Stadt Frankfurt möchte nun trotzdem an dem Konzept „Fashion Week am Main“ festhalten. Aber wie soll das umgesetzt werden?

Fashion Week in Frankfurt: Designerin Sevinc Yerli hat klare Haltung

Pandemiebedingt fanden die großen Trade Shows der Premium-Group bei den ersten zwei Frankfurter Fashion Weeks nie statt. Eine der Hauptakteurinnen war nicht die Messe, sondern die Frankfurter Designerin Sevinc Yerli. Sie hat die Frankfurt Fashion Lounge als ein offizielles „Side Event“ der Fashion Week initiiert. Es war das Größte an Shows und Präsenzprogramm, was bei den Fashion Weeks im Sommer 2021 und diesen Januar im Sofitel-Hotel an der Alten Oper stattfand.

Was sagt sie zum Weggang der Premium? „Natürlich war ich zunächst enttäuscht, aber wir müssen jetzt erst recht weitermachen“, betont Yerli. „Ich wünsche mir, dass es mehr Zusammenhalt gibt, mehr Support von der Messe. Die Stadt muss zudem aus ihrem Schönheitsschlaf aufwachen. Es reicht nicht, Präsenz bei Veranstaltungen zu zeigen, sondern sie muss auch den Designern Möglichkeiten geben, ihre Mode in der Stadt zu präsentieren.“ Vor drei Jahren habe sie bei der Stadt ein Konzept eingereicht, einen Showroom für Designer:innen in der Altstadt zur Verfügung zu stellen, das sei aber abgelehnt worden.

Abgang der Premium-Group: Frankfurt Fashion Week braucht jetzt Alleinstellungsmerkmal

Scott Lipinski, Geschäftsführer des Fashion Council Germany, der zentralen Interessenvertretung der deutschen Modebranche, betont, die Premium-Group sei natürlich ein wichtiger Partner sowohl der Frankfurter als auch der Berliner Fashion Week. „Aber auch nach dem Wegzug der beiden Messeveranstalter aus Berlin vor drei Jahren fand die Berlin Fashion Week weiterhin mit all ihren Formaten und Kreativen erfolgreich statt.“

Zur Zukunft der Frankfurt Fashion Week sagt er: „Messen sind ein zentraler und wichtiger Bestandteil einer Fashion Week, aber eben nicht die einzigen. Die Frankfurt Fashion Week hat weiterhin starke Messeformate, wie die Neonyt – eine der wichtigsten Messen für nachhaltige Mode. Es gibt aber noch viele weitere Elemente, die zu einer modernen Frankfurt Fashion Week gehören: Konferenzen, Dialogplattformen, Textilexpertise, Talentförderung, Aufklärung in Nachhaltigkeit, Präsentationsformate, Integration der Endkonsumenten.“ Frankfurt müsse ein Alleinstellungsmerkmal aufbauen und sich von anderen Standorten abgrenzen.

Kommentar: Chance als Modestadt

Frankfurt sollte sich nicht mit Paris oder Mailand vergleichen. Der Weggang der Premium Group bietet die Chance, lokale Designer:innen in den Mittelpunkt zu stellen und mehr Frankfurter:innen zu erreichen, schreibt FR-Autorin Kathrin Rosendorff. Ihren ganzen Kommentar zur Frankfurt Fashion Week lesen Sie hier.

Ina Franzmann ist Fachbereichsleiterin an der Fachschule für Gestaltung/Design in Frankfurt-Höchst. Sie sagt: „Der Weggang der Premium-Group ist ganz sicher sehr unglücklich, da sie innerhalb des Reigens der Messen Seek, Value und Neonyt die Leuchtturm-Funktion hatte. Damit ist der Wegfall vieler imageträchtiger Marken verbunden.“ Sie sei allerdings überzeugt, dass die Verantwortlichen weiterhin mit Herzblut am Auftritt im Juli arbeiteten. „Und hier bleibt zu hoffen, dass die Stadt Frankfurt unterstützt, fördert, Signale setzt.“ Und natürlich hoffe sie auch, dass Einkäufer:innen bereit seien, mehrere Standorte zu besuchen, denn die Frankfurter Fashion Week, die vom 4. bis 8. Juli stattfinden soll, überschneidet sich mit den Veranstaltungen der „Premium Group“ in Berlin vom 7. bis 9. Juli. Und die Pariser Modewoche ist vom 4. bis 7. Juli geplant.

Frankfurter Modehändlerin sieht Messe-Entwicklungen kritisch

Es gibt aber auch kritische Stimmen. Kerstin Görling gehört in Frankfurt die Damenboutique Hayashi gegenüber der Börse. Seit Jahren kauft sie Marken wie Red Valentino und Isabel Marant in Paris und Mailand ein, kennt also die großen Modewochen. „Es ist schade, aber nachvollziehbar, da Berlin letztendlich die kreativere Stadt ist. Es gibt in Frankfurt wenig Leute, die in der Modebranche arbeiten. Daher hatte mich die Entscheidung, mit der Messe nach Frankfurt zu gehen, damals verblüfft. Ich glaube auch, dass sich Frankfurt etwas anderes unter Mode vorstellt als die Modebranche selbst. Einige Bistrotische, ein Laufsteg, Discolicht und ein Schneider machen noch keine Fashion Week, Herr Feldmann. Jetzt ohne die große Messe der Premium weitermachen zu wollen, halte ich für sehr gewagt.“

Olaf Schmidt, Vizepräsident von Textiles & Textile Technologies der Messe, sagt: „Wir bedauern die Entscheidung und sind zugleich weiterhin überzeugt, mit dem ganzheitlichen Konzept der Frankfurt Fashion Week der Branche und somit der Fashion Community ein zeitgemäßes und relevantes Angebot zu machen.“ Der zentrale Standort, das internationale Textilnetzwerk der Messe Frankfurt mit mehr als 50 Veranstaltungen weltweit, die Zusammenarbeit mit dem Fashion Council Germany, dem United Nations Office for Partnerships und weiteren wichtigen internationalen Partnern sowie die hiesige starke Kreativwirtschaft seien nur einige von vielen guten Gründen hierfür.

Frankfurt Fashion Week: Millionen-Beträge stehen für Planung bereit

Die Planungen für Juli liefen. Wie das Konzept konkret umgesetzt wird, will die Messe aber erst in Kürze verkünden. Zehn Millionen Euro wollten Stadt, Land, Messe in den ersten drei Jahren in die Ausrichtung der Modewoche investieren. Mit 200 Millionen Euro Einnahmen für die Region rechnete die Stadt ursprünglich. Das Gros des Geldes sei noch da, sagte Messe-Chef Detlef Braun in dieser Woche der „FAZ“, es solle in die Zukunftspläne investiert werden.

Der Frankfurter Jungdesigner Samuel Gärtner sagt zum Rückzug der Premium: „Ich finde es einerseits super schade, dass die Premium-Group bereits aufgibt, noch bevor ihre großen Modeschauen einmal bei der Frankfurt Fashion Week stattgefunden haben. Anderseits werden wir es nicht wirklich spüren, weil sie eben noch nie dabei waren. Meine Shows werde ich weiterhin auf eigene Faust organisieren.“

Der 23-Jährige hatte bei der ersten Fashion Week eine Show zwischen den Dinos im Senckenberg-Museum. Seine Vorstellung bei der zweiten Fashion Week im Palmengarten musste er verschieben, lud aber für einen Fashion Talk im Meliá Hotel in Bockenheim den Schauspieler Jin Xuan Mao aus der Netflix-Serie „Emily in Paris“ ein. Ein Foto des Schauspielers in Gärtners Kollektion landete sogar in der „Bunten“.

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